Schwermut juckt den Popzirkus: Beth Gibbons interpretiert Gorecki
Wien (APA) - Henyrk Goreckis dritte Symphonie ist für viele ein Rätsel - und war es nicht zuletzt für den 2010 verstorbenen Komponisten selb...
Wien (APA) - Henyrk Goreckis dritte Symphonie ist für viele ein Rätsel - und war es nicht zuletzt für den 2010 verstorbenen Komponisten selbst. 1976 verfasst, blieb das als „Sinfonie der Klagelieder“ bekannte Werk lange unbemerkt, bis es Anfang der 1990er zu spätem Ruhm gelangte. Seitdem vielfach interpretiert, hat sich nun auch Portishead-Sängerin Beth Gibbons an das Stück gewagt, fügt aber wenig Neues hinzu.
Die 54-jährige Britin, die vorwiegend im schwermütigen Fach unterwegs ist, hat sich dafür mit dem polnische National Radio Symphony Orchestra unter Krzysztof Penderecki zusammengetan. Gemeinsam stand man im November 2014 auf der Bühne der Warschauer Oper, was sich nun auf Vinyl nachhören und als Film nachsehen lässt. Ergänzt um Visuals des Künstlers John Minton, findet diese Interpretation allerdings keine verdeckten Feinheiten oder Überraschungen ob der ungewöhnlichen Zusammensetzung (Gibbons hat eigentlich eine zu tiefe Stimmlage für das Werk).
Stattdessen schien sich der Abend mit einer trockenen Vermählung von E- und U-Musik zufriedenzugeben, standen doch in der ersten Hälfte u.a. Stücke von Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood und The-National-Mitbegründer Bryce Dessner auf dem Programm. Beide sind bekannt für ihre Arbeiten mit Orchesterbesetzung. Davon findet sich auf der am 29. März bei Domino Records erscheinenden Veröffentlichung aber nichts, rückt man hierfür doch ganz Goreckis Dritte in den Fokus. Dafür merkt man Gibbons Mühe, dem in Polnisch gehaltenen Ausgangsmaterial gerecht zu werden.
Letztlich bleibt es beim kontemplativen Musikgenuss, für den wohl auch eine andere Einspielung reichen würde. Dass die „Klagelieder“ aber auch anders funktionieren können, hat Avantgarde-Saxofonist Colin Stetson vor drei Jahren bewiesen: Sein simpel „Sorrow“ betiteltes Annähern an dieses Stück wagt sich immerhin in Sachen Instrumentierung und Arrangement einige Schritt weit weg vom Original. Bläser, E-Gitarren, Bässe und nicht zuletzt das akzentuierte Percussion- und Schlagzeugspiel von Greg Fox rücken den behutsam mäandernden Fluss mehr in eine Postrock-Richtung, was allerdings nicht für unfreiwillige Komik sorgt, sondern eine neu gefundene Stärke des melodiösen Reigens nach sich zieht. Wenn schon Schwermut, dann gerne so.
(S E R V I C E - http://bethgibbons.net; www.colinstetson.com/sorrow)
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