Schwulen-App Grindr für USA „nationales Sicherheitsrisiko“
Ein US-Ausschuss hat die bei Schwulen beliebte Dating-App als Risiko für die nationale Sicherheit eingestuft. Die App gehört einem chinesischen Spieleentwickler. China wittert politische Motivation.
Peking, Washington — Dass einem chinesischen Unternehmen die beliebte Dating-App Grindr samt vieler Millionen Datensätze gehört, scheint den USA in Zeiten des Handelsstreits sauer aufzustoßen. Der US-Ausschuss für ausländische Investitionen (CFIUS) hat die App nun nämlich als „nationales Sicherheitsrisiko" eingestuft. Das berichtet des Handelsblatt am Donnerstag. Der Ausschuss unter Leitung des US-Finanzministers ist für die Prüfung ausländischer Firmen zuständig, die amerikanische Konzerne kaufen wollen und hat sich untypischerweise erst lange nach der Übernahme von Grindr durch das chinesische Unternehmen eingeschaltet. Was die genauen Vorwürfe gegen den Spieleentwickler „Beijing Kunlun Tech" sind, ist allerdings unklar.
Fakt ist: Die in der Schwulenszene populäre App enthält intime Details von etwa 27 Millionen Nutzern. Sie stand im Vorjahr wegen der Weitergabe sensibler Nutzerdaten an externe Unternehmen in der Kritik. Grindr hatte beispielsweise Informationen etwa über den HIV-Status oder Wohnort seiner Nutzer weitergegeben. Möglicherweise hat der US-Ausschuss deshalb Sicherheitsbedenken — er ist allerdings nicht verpflichtet, sich zu seinen Beweggründen zu äußern.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, will „Beijing Kunlun Tech" — im Übrigen Chinas größter Spieleentwickler — die App nun wieder loswerden. Angeblich wurde bereits eine Investmentbank mit der Suche nach Interessenten beauftragt.
Das chinesische Unternehmen hatte sich Anfang 2016 für 93 Millionen Dollar als Mehrheitseigner bei Grindr eingekauft und 2018 auch den Rest der Anteile übernommen. Im Vorjahr war noch von einem möglichen Börsengang der App die Rede gewesen. (reh)
Hintergrund
Der US-Ausschuss CFIUS hat schon in der Vergangenheit Übernahmen von Unternehmen verhindert, die chinesische Beteiligung haben. Darunter Moneygram und Applovin. Dass sich CFIUS erst Monate nach einer vollendeten Übernahme eines Unternehmens — in diesem Fall Grindr — einschaltet, ist untypisch. China geht davon aus, dass die Einschätzung von CFIUS politisch motiviert ist, um im Handelsstreit den Druck auf Peking zu erhöhen.
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