Umfassende Retrospektive zu Druckgrafiken von Günter Brus in Graz
Graz (APA) - „Erdruckt und erstochen“ lautet das passende Motto für die große Retrospektive des druckgrafischen Werks von Günter Brus, die v...
Graz (APA) - „Erdruckt und erstochen“ lautet das passende Motto für die große Retrospektive des druckgrafischen Werks von Günter Brus, die von 29. März bis 30. Juni im Grazer Bruseum zu sehen ist. Die Ausstellung umfasst sämtliche Druckgrafiken des Künstlers aus fünf Jahrzehnten. Dabei sind neben den Abzügen erstmals einige der originalen Druckplatten aus Zink, Alu-Stahl und Kupfer zu sehen.
Museumschef Roman Grabner, der die Ausstellung mit viel Liebe zum Detail kuratiert hat, führte im Beisein des Künstlers am Donnerstag vor der offiziellen Eröffnung durch die Schau. Diese ist chronologisch angelegt und reicht von den ersten Spiritusdrucken aus den späten 1960er-Jahren bis hin zu vereinzelten Arbeiten aus diesem Jahrzehnt.
Wegen der teilweise extremen Lichtempfindlichkeit der Exponate ist die Ausstellung in weitgehende Dunkelheit getaucht, was der Intensität der Druckfarben glücklicherweise keinen Abbruch tut. Einer der zentralen Bereiche der Ausstellung befasst sich mit der „Schastrommel“, der legendären Berliner Zeitschrift der „Österreichischen Exilregierung“ der Exilantengruppe Brus, Otmar Bauer, Hermann Nitsch, Gerhard Rühm und Oswald Wiener sowie deren Nachfolgepublikation „Die Drossel“.
Die Ausstellung ermöglicht einen seltenen Überblick über die Vielseitigkeit des landläufig noch immer in erster Linie als Aktionisten bekannten Brus als bildender Künstler. Einflüsse aus zahlreichen Epochen der Kunstgeschichte offenbaren sich, man fühlt sich einmal an Archaisches, dann an Klassisches, aber auch an jüngere Strömungen wie Art Nouveau oder Expressionismus erinnert.
Der Titel der Ausstellung verweist laut Kurator Grabner auf „den enormen Kraftaufwand“, der zur Bearbeitung der verschiedenen Materialien notwendig ist und - manchmal auch auf den Werken sichtbar - bis zur körperlichen Erschöpfung reichte. Brus traktierte die Druckplatten unter anderem mit Stahlnadeln, Taschenmessern, Scheren, Drahtbürsten und sogar mit einem kleinen Presslufthammer. Er habe sich dabei manchmal wie ein Bildhauer beziehungsweise wie ein „Stahlwerker“ gefühlt, sagte der 80-jährige Künstler im Gespräch mit der APA im Rahmen der Presseführung.
Die Schau erfordert von den Besuchern, dass sie sich dafür Zeit nehmen. Lohnend ist es auch, sich zumindest eine längere Sequenz des im Rahmen der Ausstellung präsentierten, 35-minütigen Films über die Entstehung der zwei Quadratmeter großen Kupfer-Druckplatte für das Bild „Stillstand der Dynamik“ anzuschauen.
( S E R V I C E - „Erdruckt und erstochen. Die Druckgrafik von Günter Brus“. Eröffnung: Donnerstag, 28. März 2019, 19.00 Uhr, BRUSEUM in der Neuen Galerie Graz, Joanneumsviertel, Infos unter: www.bruseum.at)
Kommentare