Swedbank entlässt Vorstandschefin wegen Geldwäsche-Skandal

Stockholm (APA/Reuters) - Im Geldwäsche-Skandal rund um die Swedbank hat das schwedische Institut kurz vor der Hauptversammlung die Reißlein...

Stockholm (APA/Reuters) - Im Geldwäsche-Skandal rund um die Swedbank hat das schwedische Institut kurz vor der Hauptversammlung die Reißleine gezogen. Die Bank entließ Vorstandschefin Brigitte Bonnesen, unmittelbar bevor es bei der Aktionärsversammlung zum Showdown gekommen wäre.

Bonnesen hatte wiederholt erklärt, sie vertraue den internen Kontrollen im Kampf gegen Geldwäsche. Doch wichtige Eigner überzeugte sie damit nicht, vielmehr wurde sie für ihr Management in der Affäre rund um dubiose Geldströme im Baltikum kritisiert. Das Fass zum Überlaufen brachte offenbar eine Razzia am Mittwoch und die nun auch noch gegen die Bank erhobenen Vorwürfe des Insiderhandels und schweren Betrugs.

„Durch die Entwicklungen der vergangenen Tage ist die Bank enorm unter Druck geraten“, erklärte Aufsichtsratschef Lars Idermark. Deshalb hätten die Aufseher entschieden, Bonnesen zu entlassen. Zugleich verteidigte er das Verhalten des Instituts im Rahmen der jüngsten Ermittlungen. „Wir sind der Meinung, dass wir aufrichtig und korrekt in unseren Beziehungen mit den Behörden waren“, sagte der oberste Swedbank-Aufseher bei der Hauptversammlung. Damit konnte er offenbar die Aktionäre auf seine Seite ziehen: Die Eigner stärkten seinem Gremium den Rücken, während sie Bonnesen die sonst bei Hauptversammlungen übliche Entlastung für das vergangene Jahr verweigerten.

Die geschasste Chefin war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die 62-Jährige verlor zudem ihren Posten als Vorsitzende des schwedischen Banker-Verbands, wie die Branchenvereinigung mitteilte. Bevor Bonnesen Swedbank-Chefin wurde, verantwortete sie dort von 2009 bis 2011 unter anderem die interne Kontrolle im Kampf gegen Geldwäsche. Im Anschluss daran leitete sie bis 2014 das Swedbank-Geschäft im Baltikum, wo Schwedens größte Privatkundenbank Marktführer ist.

Doch gerade in Estland, Lettland und Litauen ermitteln Aufseher gegen das Institut wegen mutmaßlicher Verwicklung in den bereits zuvor bekanntgewordenen Geldwäsche-Skandal der Danske Bank. Die Swedbank rückte im Februar mit einem Bericht des Fernsehsenders SVT in den Fokus, wonach das schwedische Institut verdächtige Zahlungen über umgerechnet mindestens 3,8 Mrd. Euro mit Danske-Filialen im Baltikum abgewickelt habe.

Die Aktien der Swedbank rutschten am Donnerstag um weitere 3,7 Prozent ab. Seit dem ersten SVT-Bericht haben die Papiere schon mehr als ein Viertel ihres Werts eingebüßt.