Wieder Störungen im deutschen Flugverkehr im Sommer befürchtet
Hamburg/Frankfurt (APA/Reuters) - Flugreisende müssen sich auch in diesem Sommer trotz großer Bemühungen der Luftfahrt auf viele Verspätunge...
Hamburg/Frankfurt (APA/Reuters) - Flugreisende müssen sich auch in diesem Sommer trotz großer Bemühungen der Luftfahrt auf viele Verspätungen und Ausfälle im deutschen Luftverkehr gefasst machen. Branchenvertreter und Deutschlands Verkehrsminister kamen nach einem Spitzentreffen zu dem Ergebnis, dass zwar viel gegen ein erneutes Flugchaos unternommen wurde, grundlegende Probleme aber nicht so schnell zu beheben sind.
„Wir sind dran. Wir sind bemüht, wir sind konzentriert, aber wir können für den Sommer 2019 nicht alle endlos glücklich machen“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer am Donnerstag in Hamburg. Es werde zu manchen „Ruckeleien“ kommen.
Im Oktober hatten Airlines, Flughäfen und Flugsicherung mit Scheuer ein Paket von rund zwei Dutzend Maßnahmen beschlossen, um die Lage zu verbessern. Die Branche habe viel Geld investiert, erklärte Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS) und des Branchenverbandes BDL.
Im vergangenen Jahr war es zu einem massiven Anstieg von Verspätungen und Flugausfällen in Europa gekommen. Dafür gab es mehrere Gründe: In der Flugsicherung gab es Streiks und es fehlten Lotsen, die Integration der pleite gegangenen Air Berlin ging nicht schnell genug, und es gab ungewöhnlich oft Unwetter. An den Flughäfen kam es mit dem wachsenden Luftverkehr zu Verzögerungen bei den Sicherheitskontrollen, sodass Passagiere ihre Flüge nicht mehr erreichten.
Die AUA-Mutter Lufthansa und die anderen größeren deutschen Airlines Tuifly und Condor haben seitdem Flugpläne entzerrt, beschafften zusätzliche Reserveflugzeuge oder heuerten mehr Personal an. Die Lufthansa werde 37 Flugzeuge zum kurzfristigen Ersatz vorhalten und 600 Mitarbeiter zusätzlich einstellen, unter anderem in der Wartung, erklärte Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser. Die großen deutschen Flughäfen richteten zusätzliche Kontrollspuren ein, erklärte der Chef des Frankfurter Betreibers Fraport Stefan Schulte, zugleich Präsident des Flughafenverbandes ADV.
Doch als Nadelöhr gilt weiter die Flugsicherung. DFS-Chef Scheurle erklärte, sie habe ein Drittel der Flugbewegungen Europas zu koordinieren, obwohl Deutschland nur 3,5 Prozent des Luftraums ausmache. Die DFS ist am Standort Karlsruhe für einen europäischen Knotenpunkt im Luftraum zuständig, leidet dort aber besonders unter einem Mangel an Lotsen. Das Staatsunternehmen erhöhte zwar die Zahl der Ausbildungsplätze, doch das schafft erst in einigen Jahren Entlastung. Die DFS will den oberen Luftraum außerdem entlasten, indem Kurzstreckenflüge in niedrigere Flughöhen verlagert werden. Das lässt bei den betroffenen Airlines den Treibstoffverbrauch steigen. Der irische Billigflieger Ryanair forderte, den oberen Luftraum von innerdeutschen Flügen komplett freizuhalten und nur für Überflüge zu reservieren. Es sei nur fair, wenn der Inlandsverkehr des Verursacherlandes Deutschland damit die Bürde übernehme, sagte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs.
Ryanair und andere Airlines mit Kampfpreisen sorgen aber mit dafür, dass der Flugverkehr stärker wächst, als es die Infrastruktur verkraften kann. Fliegen sei zu billig, sagte Matthias Hanke, Partner und Luftfahrtexperte von Roland Berger. „Dadurch wird Nachfrage verursacht, die mit umweltpolitischen Leitlinien nicht in Einklang zu bringen ist.“
Für einen pünktlicheren Flugverkehr in Europa will die deutsche Regierung die schon lange anstehende Reform der weitgehend national organisierten Flugsicherung vorantreiben. Im kommenden Jahr werde die Europäische Kommission einen Vorschlag dazu vorlegen, den die Regierung unter ihrer EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 „mit Priorität“ vorantreiben wolle, hieß es weiter. Dabei soll durch stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Fluglotsen und technische Modernisierung der Engpass bekämpft werden. Die EU-Staaten müssten dann aber die Hoheit über die Behörden abgeben, sagte Roland-Berger-Experte Hanke. Mit Widerstand von Regierungen ist also zu rechnen, eine Lösung kann jahrelang auf sich warten lassen.
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