Die Oligarchen und ihre Fernsehsender vor der Wahl in der Ukraine
Kiew (APA) - Die mächtigen Superreichen der Ukraine spielen im Hintergrund auch im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf eine wichtige Rolle. ...
Kiew (APA) - Die mächtigen Superreichen der Ukraine spielen im Hintergrund auch im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf eine wichtige Rolle. Da sie ihre Präferenzen in der Regel nicht öffentlich artikulieren, gibt lediglich die Redaktionspolitik von Medienbeteiligungen Auskunft. Eine diese Woche in Kiew präsentierte Medienstudie verdeutlicht nun, welche Oligarchen welche Kandidaten unterstützen.
„Das ukrainische Fernsehen hat insgesamt für Pluralismus in der Wahlkampfberichterstattung gesorgt. Unterschiedliche Fernsehsender unterstützten unterschiedliche Kandidaten; Sender, die Äquidistanz gehalten hätten, hat es hingegen kaum gegeben“, erklärte die Chefredakteurin des Branchenmediums detector.media und Studien-Koautorin Natalja Lihatschowa. Sie beklagte die Dominanz von politischen Talkshows und das weitgehende Fehlen inhaltlicher Diskussionen. Die meisten Sender hätten vor allem auf Wahlwerbung gesetzt.
Rinat Achmetow
Der 2014 aus Donezk vertriebene Oligarch, den die internationale Ausgabe von Forbes derzeit als reichsten Ukrainer mit einem Vermögen von sechs Milliarden Dollar taxiert, scheint bei den Präsidentenwahlen gleich mehrere Kandidaten zu unterstützen. Laut detector.media brachte sein Kanal Ukrajina in Nachrichtensendungen zwischen dem 1. Februar und dem 15. März am häufigsten positive Sujets über Petro Poroschenko, den Rechtspopulisten Oleh Ljaschko, den ehemaligen Janukowitsch-Mitstreiter Oleksandr Wilkul sowie Julia Timoschenko. Über den ehemaligen Janukowitsch-Mitstreiter Jurij Bojko gab es indes ausschließlich negative Berichte, Wolodymyr Selenskyj kam kaum vor - die Studienautoren registrieren lediglich einen einzigen positiven Bericht über den Fernsehkabarettisten. Bei Poroschenko waren es 61, bei Timoschenko 35.
Die nunmehrige Strategie Achmetows erinnert an seine Strategie Anfang 2014: Obwohl der Donezker damals noch einer der wichtigsten Unterstützer von Viktor Janukowitsch gewesen war, hatten die Fans des von ihm kontrollierten Fußballklubs „Schachtar Donezk“ damals den gegen Janukowitsch gerichteten Maidan unterstützt. Beobachter gingen davon aus, dass dies damals nicht ohne das Zutun des Oligarchen passiert war.
Viktor Pintschuk
In den Fernsehsendern des Stahlrohrproduzenten, geschätztes Vermögen 1,4 Milliarden Dollar (1,24 Mrd. Euro), waren bis Mitte März Poroschenko und Timoschenko gleich auf, Berücksichtigung fanden auch Oleksandr Wilkul und der rechtsliberale Anatolij Hryzenko. Erwähnungen Selenskyjs waren zunächst selten. Erst in allerletzten Tagen war der Fernsehkabarettist auf „ICTV“ und „STB“ häufiger zu sehen, was Anlass zu Spekulationen über ein mögliches Umschwenken Pintschuks gab.
Ihor Kolomojskyj
Der aus Dnipro stammende Oligarch, 1,1 Milliarden Dollar, dessen PrivatBank 2016 zwangsverstaatlicht wurde und der seit damals in deutlicher Opposition zum amtierenden Präsidenten steht, machte aus einer Unterstützung für Wolodymyr Selenskyj kein Hehl. Letzterer führt auf „1+1“ nicht nur bei der Zahl der positiven Berichte, der Schauspieler kommt auch im Unterhaltungsprogramm ausführlich vor. Am Mittwochabend startete die dritte Staffel von Selenskyjs populärer Fernsehserie „Diener des Volkes“. Poroschenko wurde indes in einigen „Enthüllungen“ nahezu dämonisiert.
Dmytro Firtasch
Der seit 2014 in Zusammenhang mit einem US-amerikanischen Auslieferungsbegehren in Wien lebende Oligarch, dessen Vermögen vom ukrainischen Nachrichtenmagazin Fokus 2017 mit 640 Millionen Dollar geschätzt wurde, scheint im laufenden Wahlkampf insbesondere den ehemaligen Vizepremierminister Jurij Bojko zu unterstützen. Mit 44 positiven Berichten zwischen 1. Februar und 15. März führte Bojko im Firtasch-Fernsehsender „Inter“ vor Poroschenko und Timoschenko mit deutlichem Vorsprung. Selenskyj war hingegen kein einziges Mal positiv erwähnt worden.
(Alternative Schreibweisen: Wladimir Selenski, Oleg Ljaschko, Aleksandr Wilkul, Julija Tymoschenko, Anatoli Grizenko, Igor Kolomojski, Dmitri Firtasch)
Kommentare