„Konkursverwalter der Männlichkeit“: Ingo Appelt auf Comedy-Tour
Wien (APA) - 30 Jahre Komiker, elf Tourneen und unzählige TV-Auftritte machen Ingo Appelt zu einem der bekanntesten Gesichter der Comedy-Wel...
Wien (APA) - 30 Jahre Komiker, elf Tourneen und unzählige TV-Auftritte machen Ingo Appelt zu einem der bekanntesten Gesichter der Comedy-Welt, weswegen er sich selbst als „Figur der Zeitgeschichte“ sieht. Am Freitagabend wird der Künstler erstmals in der ORF-Sendung „Was gibt es Neues?“ dabei sein. Mit der APA sprach Appelt zuvor über sein anstehendes Tourprogramm und sein Leben als Komiker und Privatmensch.
Es dauert nicht lange, bis Appelt auf sein Erscheinungsbild zu sprechen kommt: „Meine Uhr zeigt mir 12.000 Schritte während einem Auftritt an und trotzdem habe ich acht Kilo zu viel drauf“. In der Öffentlichkeit über 30 Jahre wahrgenommen zu werden, sei ein persönlicher Erfolg, aber auch eine Herausforderung, das Erscheinungsbild, an das die Menschen gewöhnt sind, aufrechtzuerhalten.
1967 in Essen geboren, absolvierte Appelt zunächst eine Maschinenschlosserlehre und engagierte sich in der Metall-Gewerkschaft. Bei einer Jugendkonferenz legte er dort 1989 seinen ersten Auftritt hin, der wenig später in der ersten Tour „Heiter Be-Sinnlich“ mündete.
Sein Kollege Michael Mittermeier habe ihm einmal gesagt: „Du bist der Begabteste und der Talentierteste von uns allen, du bist nur werbetechnisch ein Knallkopf“. Der 51-Jährige habe kein Talent dafür, sich gut zu verkaufen: „Wenn ich etwas Gutes aufbaue, haue ich es mit dem Arsch auch wieder kaputt, weil ich sehr leichtfertig bin in dem, was ich tue. Ich mag es aber auch nicht anders, ich liebe es, den Job so zu machen, wie ich möchte.“
Dies sei auch der Grund, weshalb Appelt heute auch noch auf die Straße gehen kann, ohne überrannt zu werden. Viele seiner Kollegen habe dieses Schicksal ereilt. „Ich bin bekannt, aber kein Star. Stars sind Sterne am Himmel, an die man nicht ran kommt.“ Er habe gelernt, auf dem Boden zu bleiben: „Ich habe das damals in den großen Hallen vor Tausenden von Leuten nicht ertragen. Das war mir zu groß, da wirst du größenwahnsinnig, da kommen dann die 16-Jährigen auf dich zu mit deinem Tattoo auf den Brüsten“: „Ich möchte bei meinen Auftritten in die Gesichter der Leute gucken, wie sie reagieren und mit dem Typen in der letzte Reihe reden können. Da ist dann bei 600 Schluss. Alles andere ist Frontalunterricht oder Streaming.“
Waren es die Frauen in der Tour „Göttinnen“, die Männer in „Besser... ist besser“ ist es beim neuen Format „Der Staats-Trainer“ das ganze Land, das Ingo Appelt parodiert - angekündigt als „Geheimrezept gegen die deutsche Depression“. Es ist das mittlerweile elfte Programm des Deutschen, der sich selbst als „Konkursverwalter der Männlichkeit“ bezeichnet. „Der Staats-Trainer“ richtet sich „an alle Überforderten und Unterbezahlten, Angestrengten und Ausgebeuteten“ und nimmt sich dabei Menschen vor, „die ohne Videotutorial nicht mal mehr eine Dose vorgekochte Nudeln aufkriegen“ und „deren Hunde längst das Kommando übernommen haben“.
Weder Frauen noch Männer bleiben verschont: „Es sind aber trotzdem die Männer, die ich besonders gern aufs Korn nehme. Das hat auch einfach damit zu tun, dass ich ein Mann bin“, erklärt er. „Das eigentliche Problem ist ja nicht, dass es viele Männer gibt, die Arschlöcher sind, sondern weil sie als Arschlöcher trotzdem Frauen abbekommen. Melania Trump ist in dieser Beziehung das eigentliche Drama“, fügt Appelt hinzu.
Er selbst war mehrmals verheiratet. 2015 machte er während seinem Erhalt des deutschen Comedy-Preises in der Kategorie „Beste Comedyshow“ seiner jetzige Ehefrau Sonja Guha-Thakurta einen Antrag. Seine Söhne würden ihn gerne öfter auf der Tour begleiten, was sich aber nicht immer einrichten ließe, wie er bedauert. Deswegen nutze er jede Gelegenheit, zwischen Tour und anderen beruflichen Terminen daheim zu sein. „Eine Pause gibt es nämlich nicht wirklich“, sagt er. Es sei es ihm bei seinen beiden Söhnen gelungen, sie möglichst aus dem Medienrummel rauszuhalten, wenn er schon bei der Erziehung wenig beitrug, wie Appelt zugibt.
Seine Kritikfähigkeit halte sich in Grenzen. Da sei es auch egal, wie lange er schon auf der Bühne stehe. Die Haut sei „nicht dicker“ geworden: „Wenn nur einer meint ‚Deinen Auftritt fand ich Scheiße‘, spielt es keine Rolle mehr, wie viele andere Menschen das Gegenteil behaupten. Das ist ein Phänomen in der Gesellschaft, sich immer auf das Negative zu konzentrieren“, schildert Appelt. Außerdem sei er vor jedem Auftritt genauso nervös wie zu Beginn seiner Karriere. Die Leute würden die Darbietungen nämlich jedes Mal aufs Neue beurteilen, egal, wie viele gute Programme bereits geliefert wurden.
Auch in der nächsten Ausgabe von „Was gibt es Neues?“ auf ORF eins wird Appelt am Freitagabend zu sehen sein. Für die österreichische Kabarettszene hat Appelt schließlich viel übrig: „Im Vergleich zur deutschen Comedy-Szene wird im österreichischen Kabarett weniger auf das Äußere und gesellschaftliche Konventionen geachtet. Es geht nicht darum, nett und sympathisch zu sein und gut anzukommen.“ Das österreichische Kabarett wirke deshalb auch authentisch, nicht zwingend gespielt, meint Appelt.
(Das Gespräch führte Noel Gaar/APA)
(S E R V I C E: „Der Staats-Trainer“, Ingo Appelts Comedy-Tour: 12. Juni in Traun (Spinnerei, 20 Uhr), 13. Juni in Salzburg (Oval, 19.30 Uhr), 14. Juni in Graz (Orpheum, 20 Uhr) und 15. Juni in Wien (Stadtsaal, 20 Uhr), https://ingo-appelt.de)
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