Strommasten führen weiter zu Spannungen in Ried
Der naturschutzrechtliche Bescheid für das Tinetz-Projekt in Ried ist positiv. Die Gemeinde prüft nun Einspruchsmöglichkeiten.
Von Matthias Reichle
Ried –„Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, und zwar aus „Imagegründen“. Bürgermeister Elmar Handle wollte keine Zuhörer, als vorgestern über die weitere Vorgehensweise rund um die umstrittene Hochspannungsleitung beraten wurde. Die Gemeinde sei schon genug in den Medien, rechtfertigte er diese Vorgehensweise. Alle Mandatare stimmten dem zu.
Wie berichtet, knistert es in der Obergrichter Gemeinde. Die Opposition wirft dem Ortschef vor, Ried im Genehmigungsverfahren für den Bau einer neuen Hochspannungsleitung schlecht vertreten zu haben. Die Tinetz will eine neue 110kV-Verbindung aufs Sonnenplateau verlegen, um den wachsenden Energiebedarf zu decken. Mehrere Masten befinden sich in Ried. Handle habe den Gemeinderat erst informiert, als der starkstromwegerechtliche Bescheid rechtsgültig war – so die Kritik. „Untragbar“ sind die Hochspannungsleitungen, die vom Ort aus gut sichtbar wären, für den oppositionellen Gemeindevorstand Josef Siegele.
In dieser Woche hat nun auch die Naturschutzbehörde entschieden und dem Gesamtprojekt grünes Licht gegeben. „Wir haben den Bescheid durchbesprochen. Wir werden rechtlich prüfen lassen und schauen, welche Möglichkeiten es gibt“, erklärt Handle auf TT-Anfrage am Tag nach der Sitzung. Bereits Anfang März hatte der Gemeinderat beschlossen, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um den Bau zu verhindern.
„Es liegt uns ein Dienstbarkeitsbestellungsvertrag vor, den unterzeichnet die Gemeinde auf keinen Fall“, so Handle. Er sei kein Befürworter von Masten, bekräftigt er. Er betont aber auch, dass es laut Tinetz keine Möglichkeit gibt, die Leitungen unter die Erde zu verlegen.
Ein Misstrauensantrag, den Siegele angekündigt hatte, wurde laut Bürgermeister nicht eingebracht.
Laut Tiroler Gemeindeordnung ist es im Übrigen auch nicht möglich, einen Bürgermeister über Gemeinderatsbeschluss abzuwählen – „man kann ihm das Misstrauen aussprechen“, so Siegele. Das hätte wohl eher symbolischen Charakter. „Das hat sich erübrigt“, betont der oppositionelle Listenführer. Man habe eine gemeinsame Lösung gefunden, so Handle.
Laut Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder gibt es nach wie vor den Wunsch des Unternehmens, nach Ostern mit dem Bau der Leitungen und des Umspannwerks zu beginnen. Man müsse alle Behördenverfahren abwarten – der forstrechtliche Bescheid steht noch aus. Er bekräftigt, dass es aus mehreren Gründen nicht möglich sei, die Leitung in diesem Gelände unter die Erde zu verlegen. Unter anderem, weil sie durch Rutschungen gefährdet wäre, aber auch weil die Grabungen in labilen Hängen zu Problemen führen würden. Das Thema Erdleitung sei zwar angesprochen worden, stand aber außer Streit, erklärt Rieder.
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