Maßnahmenkatalog der Regierung gegen Landflucht in Spanien
Madrid (APA/dpa) - Seit Jahrzehnten leiden immer mehr Dörfer in Spanien unter einer dramatischen Landflucht. Die Entvölkerung, die vor allem...
Madrid (APA/dpa) - Seit Jahrzehnten leiden immer mehr Dörfer in Spanien unter einer dramatischen Landflucht. Die Entvölkerung, die vor allem das Landesinnere betrifft, will die sozialistische Regierung von Pedro Sanchez mit einer Notfallstrategie aus 70 verschiedenen Maßnahmen bekämpfen.
Der Ministerrat gab am Freitag Grünes Licht für die Initiative, die in den nächsten Wochen noch ratifiziert werden muss. Zentraler Punkt dabei sei eine bessere Internetanbindung im ländlichen Raum, wie nach der Sitzung bekannt wurde.
Das Paket beinhalte auch einen Investitionsplan, die Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche und die Förderung des Tourismus in bedrohten Gemeinden, berichtete die Zeitung „El Pais“. Auch sehe es vor, Militärkasernen in ländlichen Gebieten neu zu beleben. Betreffen könnte dies rund 200 militärische Anlagen in 50 Regionen. Die Ortschaften in der Nähe der Kasernen könnten auch deshalb profitieren, weil solche Unterkünfte Internet-Netzwerke und andere wichtige Dienstleistungen mit sich brächten, hieß es.
Rund 48 Prozent aller Gemeinden in Spanien hätten heute eine Bevölkerungsdichte von weniger als 12,5 Einwohnern pro Quadratkilometer, sagte die Ministerin für Territorialpolitik Meritxell Batet nach der Sitzung des Ministerrates. Dies werde in der Europäischen Union als geringe Dichte mit Entvölkerungsrisiko eingestuft.
Für Sonntag haben mehrere Verbände und Plattformen aus betroffenen Provinzen - darunter Soria in Kastilien-Leon und Teruel in Aragonien - zu einer großen Demonstration in Madrid aufgerufen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Mit nur 8,6 Einwohnern pro Quadratkilometer sei etwa Soria eine „demografische Wüste“ und die menschenleerste Provinz in ganz Südeuropa, so die Plattform „Soria Ya!“ in einer Mitteilung. „Die gesamte Bevölkerung, 89.000 Menschen, würde ins Fußballstadion des FC Barcelona passen.“
Kommentare