Beethoven in Geburtstagslaune: Nelsons bei den Philharmonikern
Wien (APA) - Beethoven, bereits in Geburtstagslaune: Vor dem 250er darf man damit ein bisschen voreilig beginnen. Im Musikverein gastierte g...
Wien (APA) - Beethoven, bereits in Geburtstagslaune: Vor dem 250er darf man damit ein bisschen voreilig beginnen. Im Musikverein gastierte gestern, Freitag, Andris Nelsons bei den Wiener Philharmonikern: Pünktlich zum Beethoven-Jahr 2020 wird der Symphonien-Zyklus fertig auf CD eingespielt sein. Noch übers Wochenende bringt man im Goldenen die Nummern vier und fünf mit vorfreudiger Festlichkeit zu Gehör.
Das Beethoven-Jahr wird er hier auch einläuten, der designierte Neujahrsdebütant 2020. Andris Nelsons, mit seinen 40 Jahren immer noch äußerst junger Chefdirigent zweier Traditionsorchester per definitionem - Boston Symphony und Leipziger Gewandhaus - nimmt de facto keine Gastengagements mehr an. Für die Wiener macht er immer wieder hochkarätige Ausnahmen. Und beim gemeinsamen Beethoven-Projekt, das bereits seit zwei Jahren als Einspielungsmarathon läuft, macht man gründlich Meter miteinander.
Der uneitle, intuitive Lette ist keiner, der sich einen programmatischen Beethoven-Zyklus mit Hammer und Meißel skulptiert. Die große Geste, mit der viele Dirigenten sich in diesem Sockelrepertoire als visionäre Macher beweisen, ist Nelsons weder Mittel noch Zweck. Wenn sie kommt - und das tut sie freilich in dieser „Schicksalssymphonie“ -, dann entsteht sie wie ein spontaner Einfall aus dem inneren Zusammenhang der Interpretation. Nelsons führt weniger, als er die Musiker in den Bann seiner freundlich verschwörerischen Freude an der Musik zieht.
Das Ergebnis bleibt in seinen Konturen schwer zu fassen und verzichtet auf eine kohärente Aussage, ist aber im Detail, im Moment, so liebevoll gestaltet und durchdrungen von Helligkeit, von kleinen Spannungen und Lösungen, von rhythmischen Finessen und kaum merklichen dynamischen Bögen, dass das Wohlbekannte nie ungewohnt, aber immer aufregend bleibt.
Das Programm der gestrigen Soiree wird noch heute, Samstag, sowie am Sonntag im Musikverein und am Donnerstag im Konzerthaus wiederholt, am nächsten Wochenende stehen dann die Symphonien Nummer eins und zwei, sowie das Tripelkonzert mit Rudolf Buchbinder, Philharmoniker-Konzertmeisterin Albena Danailova und Solocellist Tamas Varga an. Eine besondere Gelegenheit zum Hineinhören gibt es am Montag (1.4.), wenn Nelsons mit den Philharmonikern eine öffentliche Generalprobe der „Eroica“ für die Jeunesse spielt - die dritte Symphonie steht als nächste im Aufnahmekalender.
(S E R V I C E - www.musikverein.at)
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