Wenn reale und virtuelle Orchester zusammenfinden

Heute Abend präsentiert der Multimediakünstler Harry Triendl seinen „Zyklus IV“ in Innsbruck – mit Orchester und „virtueller“ Begleitung.

Große Live-Besetzung, „zugeschaltete“ Instrumentalisten und experimentelle Videokunst verschmelzen bei Harry Triendl aus Telfs.
© Omar Borubaev

Von Michael Domanig

Telfs, Innsbruck –Ein einzigartiges Gesamtkunstwerk – nämlich die Kombination aus einem realen und einem virtuellen Orchester an einem Abend – ist am heutigen Samstag um 19 Uhr im Innsbrucker Haus der Musik zu erleben: Der Telfer Musiker und Multimediakünstler Harry Triendl präsentiert sein vielschichtiges Projekt „Zyklus IV“ – das 2018 mit dem „TonArtTirol“-Sonderpreis ausgezeichnet wurde – erstmals in der Landeshauptstadt.

Begleitet wird Triendl dabei nicht nur von Kristian Tabakov am Klavier und den Visual-Künstlern Barbara Sepp und Roland Schrettl, sondern auch vom 32-köpfigen Orchester „Camerata Europaea Innsbruck“ unter der Leitung von Maria Makraki.

Neben den bereits existierenden Werken von Triendls Zyklus kommen dabei unter dem Titel „Madiba“ auch drei neue Orchester-Auftragswerke zur Uraufführung, die der Oberperfer Komponist Martin Anton Schmid eigens zum Zyklus komponiert hat. Ins dichte Programm fließen zudem Orchesterstücke von Gustav Holst und Karl Jenkins ein.

Trotz großer Orchesterbesetzung zeigt der heutige Abend auch jenen besonderen künstlerisch-experimentellen Ansatz, mit dem der Multiinstrumentalist Triendl seit Jahren und in mehreren Zyklen für Aufsehen und -horchen sorgt – das „virtuelle Orchester“: „Ich habe früher viel international gespielt“, erklärt Triendl im TT-Gespräch, „es geht sich aber oft räumlich, zeitlich und finanziell nicht aus, dass man sich zum Konzert trifft.“ Also lädt Triendl Musiker in seine Studio-Wohnung am Telfer Pischl-Areal ein, zeichnet dort ihre musikalischen Beiträge auf und fertigt zugleich Videos an. Diese Ton- und Bildsequenzen kann er dann bei Livekonzerten per Pedal zuschalten: „Es ist fast so, als ob man einem Musiker bei einer Session zunickt.“

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„Wenn ich z. B. jemanden dabei haben will, der das armenische Holzblasinstrument Duduk spielt, kann ich ihn unmöglich für zwei Minuten zum Konzert einfliegen lassen. So aber habe ich ihn auf Video.“

Generell experimentiert Triendl viel mit visuellen Elementen und Verfremdungen. In seine Zyklen bezieht er aber auch noch weitere Kunstformen wie Poesie oder Tanz ein. In Innsbruck treffen insgesamt rund 40 reale und 20 virtuelle Musiker zusammen.

Inhaltlich dreht sich der „Zylus IV – Sentenced To Hope“ um große Fragen: „Kernthema ist die Sinnsuche des Menschen, seine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich quer durch alle Lebensphasen“, führt Triendl aus.

Das heutige Multimedia-Konzert findet im Rahmen des „Festival of Culture“ von Camerata Europaea im großen Saal des Hauses der Musik statt. Ebenso kann man an diesem Abend das Theaterstück „Der Knabe im Moor“ miterleben, präsentiert vom „NOA’H Ensemble“. Um 21.15 Uhr wartet dann noch der preisgekrönte Film „Last Fisherman“ von Leo Kaserer (beides im kleinen Saal).

Das Tagesticket zum Preis von 15 Euro für alle drei Aufführungen kann man online unter www.haus-der-musik-innsbruck.at erwerben. Beim Veranstalter unter tickets@camerata.eu gibt es jedoch auch Karten nur für den Zyklus (10 Euro), die Abendkasse ist ebenfalls geöffnet.

Auch sonst kennt Harry Triendl künstlerisch keine Pause: Sein Zyklus V (Titel: „Triptychon – Metamorphosis“) feierte 2018 in Innsbruck Premiere – und die Arbeiten am sechsten Zyklus laufen bereits. Unter dem Motto „Human Madness“ werde es um die „Ausbeutung des Planeten und des Menschen“, um Flucht und Identität gehen. Dafür plant Triendl u. a. ganz neue visuelle Akzente.

Nebenbei ist der Telfer auch sozial sehr engagiert: Sein vor einem Jahr gestartetes „Telfer Spendierprojekt“ mit Gutscheinsystem (die TT berichtete) wird nun bereits von 28 Betrieben mitgetragen.


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