Bergung von Lama, Auer und Roskelley in Rocky Mountains weiter unmöglich

Der Schnee macht eine Bergung der mutmaßlich tödlich verunglückten Tiroler Kletterer David Lama und Hansjörg Auer sowie ihres us-amerikanischen Begleiters Jess Roskelley weiterhin unmöglich.

David Lama galt als einer der besten Kletterer der Welt.
© rb content ferrigato

Canmore, Alberta — Es sind kleine Hoffnungsschimmer, die die wartenden Angehörigen und die Retter der mutmaßlich bei einer Lawine getöteten Tiroler Kletterer David Lama (28) und Hansjörg Auer (35) sowie ihres kanadischen Begleiters Jess Roskelley (36) derzeit hegen. Während am Donnerstag und am Freitag die heftigen Schneefälle eine Bergung nicht einmal im Ansatz denkbar erscheinen ließen, meldeten die Behörden am Samstag (Ortszeit) eine leichte Wetterbesserung.

David Lama, der geborene Kletterer

„Das Wellenreiten faszinierte mich schon länger, also habe ich mir vor fünf Jahren ein Brett geschnappt und bin raus aufs Meer. Selbstredend habe ich dabei einiges auf die Schnauze bekommen. Aber spannend wird's nur, wenn man die Komfortzone verlässt", sagte David Lama im vergangenen Herbst. Da war er gerade von einem Surftrip aus den Äußeren Hebriden (Schottland) zurückgekehrt. Wassertemperatur: 12 Grad Celsius. So war er, der David. Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

Papa Rinzi ein nepalesischer Bergführer, Mama Christine Innsbruckerin — die Natur war von Kindesbeinen an seine Welt. Und das Klettern. Nach zwei Jugend-WM-Titeln gewann er 2006 mit 16 Jahren als Erster einen Weltcupbewerb im Vorstieg und Bouldern in einer Saison. 2010 der Wechsel in die Berge, auf denen er ebenfalls lichte Höhen erklomm. Wie letztmals am 25. Oktober 2018, als er mit der Erstbesteigung des Lunag Ri (6985 m) in Nepal erneut Alpingeschichte schrieb. Lama hatte noch so viele Projekte im Kopf — es wollte nicht mehr sein. (m.i.)

Wie die kanadische Zeitung The Spokesman Review berichtete, glaubt aber Roskelleys Vater John, der vor Ort auf Neuigkeiten wartet, nicht an eine rasche Bergung. Demnach sind in der Gegend, in der die Kletterer vermutet werden, heftige Schneefälle ausgebrochen, es dürfte bis zu 40 Zentimeter Neuschnee gegeben haben. „Direkt am Fuß kann jederzeit eine Lawine abgehen", so John Roskelley gegenüber dem Spokesman Review. Nun gebe es zwei Varianten, die auf die Bergung einen Einfluss hätten: Die Retter müssten entweder zunächst eine Lawinensprengung durchführen, bevor sie in das Gebiet gehen könnten, oder sie warten, bis sich der Schnee etwas absetzt. Alles hängt davon ab, wie sich das Wetter in den nächsten Stunden oder Tagen entwickelt.

Am Mittwoch hat eine Helikopter-Besatzung den Lawinenkegel entlang der geplanten Kletterroute der drei Profis entdeckt, nachdem Roskelleys Vater Alarm geschlagen hatten. Sein Sohn hatte ihm versprochen, sich zu melden, dies aber nicht getan.

Lama, Auer und Roskelley wollten über die Route „M-16" an der Ostseite des Howse Peak im Banff Nationalpark aufsteigen. Gemäß Roskelleys Vater wollten sie in der Gegend neues Material ihres Sponsors testen und hatten sich dafür für den schwierigen Trail entschieden. Als die Hubschrauberbesatzung das Gebiet überflog, war die Bewölkung zu stark, um Details erkennen zu können. Eine Landung wäre lebensgefährlich gewesen. Wind, Niederschlag und Temperaturen um die 7 Grad Celsius sorgten am Freitag für eine erhöhte Lawinengefahr in der Gegend, 60 Kilometer nördlich des Skiweltcuports Lake Louise. An eine Bergung war nicht zu denken. Die Einsatzkräfte konnten aber einen Lawinenkegel erkennen, in dem nicht nur Teile von Kletterausrüstung zu sehen waren, sondern auch ein aus dem Schnee ragender menschlicher Körper.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Hansjörg Auer, der Stille

2007 steigt ein junger Ötztaler durch die Route „Weg durch den Fisch" in der Marmolata-Südwand: 37 Seillängen, 1200 Klettermeter, Schwierigkeitsgrad bis 9-. Hansjörg Auer durchsteigt die Route free solo — nur mit Helm und Magnesiumbeutel ausgerüstet. Und hätten nicht Bergsteiger ein Foto gemacht, hätte wohl kaum jemand von dieser Tour erfahren.

Jahre später erzählt Auer im TT-Gespräch, dass ihn vor allem sein „frecher Zugang" zu der weltweit für Aufsehen sorgenden Aktion fasziniert hätte. Auer berichtet aber auch, dass ihn die öffentliche Aufmerksamkeit danach unter Druck gesetzt hätte. Er glitt in die Magersucht, hatte depressive Verstimmungen. Beides überwand er und unternahm zahlreiche Expeditionen, darunter auch Erstbegehungen.

Bei einer davon, 2015 in Nepal, verunglückte sein Freund Gerhard Fiegl aus Umhausen. Gemeinsam mit Alexander Blümel aus Mötz musste Auer alleine absteigen. „So etwas ist schwer zu akzeptieren. Denn man macht alles und hofft, dass so etwas nicht passiert. Aber es kann eben doch passieren", sagte Auer danach. (i.r.)

Seit Donnerstag warten Roskelleys Familie und laut Spokesman Review auch Lamas Freundin in Canmore auf Neuigkeiten zu ihren vermissten Angehörigen. Am liebsten wäre John Roskelley, einst selbst professioneller Bergsteiger, selbst in das Gebiet aufgestiegen, um nach seinem Sohn und dessen Begleitern zu suchen. Die Behörden hatten das aber aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen, ein Elite-Suchtrupp soll die Bergung übernehmen, sobald die Wetterbedingungen es zulassen. Das Gebiet ist für die Öffentlichkeit gesperrt. (rena)


Schlagworte