Konflikte an Schulen: Time-out-Klassen derzeit für Extremfälle

Wien (APA) - Wie die vom Bildungsministerium geplanten Time-out-Klassen für verhaltensauffällige oder gewalttätige Schüler aussehen, soll in...

Wien (APA) - Wie die vom Bildungsministerium geplanten Time-out-Klassen für verhaltensauffällige oder gewalttätige Schüler aussehen, soll in Kürze präsentiert werden. Ähnliche Modelle gibt es als Time-out-Gruppe, Förder- oder Kleinklasse schon jetzt. Sie richten sich aber an Extremfälle. Schüler in sozio-emotionalen Krisen werden über Monate in Kleinstgruppen auch medizinisch und therapeutisch betreut.

Für den Kärntner Bildungsdirektor Robert Klinglmair ist das derzeitige Modell damit „definitiv etwas anderes“ als die geplante Maßnahme, die für ihn eher einer „Cool-off-Phase“ außerhalb der Klasse samt Bewusstseinsbildung ähnelt, nach der man relativ rasch in die Klasse zurückkehrt. In den Time-out-Gruppen in Kärnten landen Schüler mit schweren Störungen des Sozialverhaltens, teilweise durch Gewalt oder Übergriffe im Kindesalter traumatisiert.

Insgesamt besuchen rund 150 der 34.000 Kärntner Pflichtschüler eine Time-out-Gruppe. Diese Art der Beschulung sei nach vielen anderen Maßnahmen der letzte Schritt nach drastischen Fällen von Gewalt oder Schulverweigerung, betont Klinglmair im APA-Gespräch. Das Ziel sei zwar, dass die Kinder und Jugendlichen wieder in ihre Regelklasse zurückkehren können. Allerdings bräuchten die „ausgeklügelten Strategien“ zu deren Stabilisierung auch eine gewisse Zeit. Bis zu einem Schuljahr verbringen sie deshalb in diesen Gruppen, dabei kooperieren die Lehrer eng mit anderen Professionen (etwa Schulpsychologie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendhilfe) und - wenn möglich - mit den Eltern. Keinesfalls sei das Kärntner Modell aber als Disziplinierungsmaßnahme zu verstehen.

Dasselbe betont man auch in Wien, wo es unter dem Titel Förderklassen an den Pflichtschulen ein Spezialangebot für Kinder und Jugendliche in sozial-emotionalen Krisensituationen mit Aggressionsdurchbrüchen gibt. In Absprache mit Schülern, Eltern, Schulpsychologen und Beratungslehrern wird über die Zuweisung zur Förderklasse entschieden, die Schüler verbringen dort dann einige Monate bis maximal zwei Jahre. Die Förderklassen sind über ganz Wien an Volks- und Sonderschulen verteilt. Hier kümmern sich bis zu zwei speziell ausgebildete Lehrer um vier bis fünf Kinder, unterstützt von spezialisierten Schulen und in Zusammenarbeit mit anderen Professionen von Schulpsychologen und Kliniken bis hin zu Kunst- und Waldpädagogen. Gewaltfreie Konfliktlösung und das Einhalten sozialer Regeln ist dabei laut Rupert Corazza, Wiens Landesschulinspektor für Inklusion, oberstes pädagogisches Ziel.

Als schnelle Lösung für undisziplinierte Schüler eigne sich das Modell der separaten Klassen hingegen nicht. „Das wäre wie In-die-Ecke-Stellen.“ Außerdem würde es dazu führen, dass Schüler, die gerade keine Lust auf den Unterricht haben, sich einen Spaß daraus machen, dort zu landen. „Das ist eine professionelle Maßnahme, die die Schulleitung steuern muss.“

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid zeigte sich skeptisch in Bezug auf die geplanten Time-out-Klassen und appellierte am Mittwoch per Aussendung für mehr Gewaltprävention an den Schulen. Dazu bräuchten die Schulen auch Unterstützung von Sozialarbeitern und Schulpsychologen, Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) solle die Kürzungen in diesem Bereich zurücknehmen.

JETZT-Bildungssprecherin Stephanie Cox forderte neben mehr Unterstützungspersonal auch Ethikunterricht für alle Kinder, um die Konfliktlösungskompetenz zu verbessern und einen respektvollen Umgang miteinander zu üben. Anstelle eigener Time-Out-Klassen fordert sie eine „temporäre Auszeit“ mit Einzelbetreuung.


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