Filmfestspiele Cannes: Celine Sciamma setzt auf 0/100 statt auf 50/50
Cannes (APA) - Die Initiative 50/50 ist auch bei den Filmfestspielen in Cannes aktiv. Geschlechtergleichstellung ist ein Thema, das die Film...
Cannes (APA) - Die Initiative 50/50 ist auch bei den Filmfestspielen in Cannes aktiv. Geschlechtergleichstellung ist ein Thema, das die Filmbranche nicht so schnell verlassen wird. Da kommt ein Film wie „Portrait of a Lady on Fire“ von Céline Sciamma gerade recht. Der im Wettbewerb antretende vierte Film der 39-jährigen Französin kommt praktisch ohne Männer aus und rückt ein Darstellerinnen-Quartett ins Zentrum.
Frankreich im Jahr 1770. Die Malerin Marianne (Noemie Merlant) wird auf eine Insel übergesetzt, auf der nur Frauen zu leben scheinen. Sie soll im Auftrag einer Gräfin (Valeria Golino) das Hochzeitsporträt ihrer Tochter Heloise (Adele Haenel) malen. Zwei kleine Umstände machen den Auftrag schwierig: Die Vorgängerin ist unter rätselhaften Umständen an der Aufgabe gescheitert, und die Tochter wird nicht Modell sitzen. Sie darf sogar nichts von dem Vorhaben wissen.
Doch es entwickelt sich kein herkömmlicher Künstler-Film aus feministischer Perspektive, obwohl Seitenhiebe auf den auch damals keineswegs geschlechtergerechten Kunstbetrieb nicht fehlen, sondern eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Sciamma, deren Film „Mädchenbande“ 2014 in der „Quinzaine des réalisateurs“ an der Croisette Premiere hatte, knüpft zarte Bande zwischen der eben aus dem Kloster gekommenen herrischen Tochter und der ebenfalls recht selbstsicheren Künstlerin.
Das Duo wird durch eine junge Hausangestellte Sophie (Luana Bajrami) zum Trio erweitert, das eng zusammenrückt, als die Gräfin die jungen Frauen für ein paar Tage allein lässt. Sophie ist nämlich schwanger, und die beiden anderen Mädchen tun alles, ihr dabei zu helfen, das ungewollte Kind loszuwerden. Dass man auch für die Liebe keine Männer braucht, erfahren Malerin und Modell, als sie endlich unbeaufsichtigt ihren Gefühlen freien Lauf lassen können und miteinander im Bett landen - eine schon bald recht vorhersehbare Entwicklung.
Vier junge Regisseurinnen haben es heuer in den Wettbewerb um die Goldene Palme geschafft. Neben Sciamma sind es ihre Landsfrauen Matti Diop, die mit ihrem in Dakar spielenden Debütfilm „Atlantics“ als erste schwarze Frau überhaupt in den Wettbewerb eingeladen wurde und bei den Festivalkritikern durchaus Anklang fand, und Justine Triet, die mit „Sibyl“ als Letzte ins Rennen gehen wird, sowie die Österreicherin Jessica Hausner. Gut möglich, dass wenigstens eine von ihnen bei der Preisverleihung am Samstag auf die Bühne geholt wird. Und sehr wahrscheinlich, dass die Palmen auch heuer nicht 50/50 verteilt werden.
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