Halbwertszeit: Die Opfer für 15 Minuten Ruhm
Im Kellertheater versucht eine Influencerin, ihre Halbwertszeit zu verlängern.
Innsbruck –Influencer sind das, was noch vor wenigen Jahren vielfotografierte It-Girls oder -Boys waren: einigermaßen unbedarfte, junge Menschen, deren Prominenz sich nur vom Umstand nährt, dass sie nun mal prominent sind – und deren öffentlichen Einlassungen auf einschlägigen sozialen Netzwerken aus unerfindlichen Gründen Gehör geschenkt wird. Die Halbwertszeit des durchschnittlichen Influencers ist dabei ähnlich kurz wie die von ÖVP/FPÖ-Regierungen. In „Showtime“, dem aktuellen Stück im Innsbrucker Kellertheater, versucht eine dieser schnell verglühenden Online-Berühmtheiten ihr Verglühen mittels Neuerfindung hinauszuzögern: Natascha (Michèle Jost) plant die Reaktivierung der großen Samstagabendshow. Auf ihrer Couch platziert sie andere Halbprominente – ein groß gescheiterter Bergfex und Multiinstrumentalist (Daniel Lenz) und ein einstiges TV-Sternchen (Christopher Zierl). Gemeinsam wird getanzt, gesungen, ge- und bezaubert. Zugegeben: Der Plot von „Showtime“ ist ein reichlich dünner roter Faden. Obwohl im Zentrum des bunten Abends ein ernstes Thema steht: Die Gier nach Berühmtheit – und was für 15 Minuten Ruhm geopfert wird. Als moralisierender Fingerzeig versteht sich „Showtime“ aber nicht, sondern als kurzweiliges Kabarett-Revue. Und als solches liefert das von Kellertheater-Chef Manfred Schild in Verbund mit seinen Darstellern entwickelte Stück, was es verspricht: leichte Unterhaltung in bisweilen überdrehten Zeiten. (jole)
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