Dramatikerinnen-Festival beschäftigt sich in Graz mit dem „Wir“

Graz (APA) - Das Internationale Dramatikerinnen-Festival findet heuer zum vierten Mal in Graz statt. Diesmal geht es darum, den Begriff „Wir...

Graz (APA) - Das Internationale Dramatikerinnen-Festival findet heuer zum vierten Mal in Graz statt. Diesmal geht es darum, den Begriff „Wir“ literarisch einzukreisen. „Menschen haben heute einen großen Wunsch nach Zugehörigkeit“, meinte Organisatorin Edith Draxl bei einer Pressekonferenz am Montag. Zum Abschluss des Festivals steht die Verleihung des Retzhofer Dramapreises auf dem Programm.

„Was heißt dieses Wir? Welche Arten von Ausschlüssen und Einschlüssen gibt es?“, formulierte Martin Baasch, Dramaturg im Schauspielhaus, einige Fragen rund um das Zentralthema. Gezeigt werden Grazer Produktionen ebenso wie Gastspiele, daneben gibt es Lesungen und Performances. Einen Schwerpunkt stellt in diesem Jahr flämische und niederländische Literatur dar, dafür wurden sechs Autoren eigens ins Deutsche übersetzt. Eine besondere Arbeit ist „Gespräch mit dem Regen“ von Stijn Deville, bei der durch spezielle Technik eine Art Interaktion mit dem Wasser ermöglicht wird. Theater sei aber „viel mehr als Texttheater“, betonte Baasch unter Verweis auf die Aufführung „The Automated Sniper“, bei der das Publikum Teil der Aufführung des Frascati Theater Amsterdam wird und die Frage beantworten muss, auf wen es schießen würde.

„Keine Ahnung“, ein Stück der Berlinerin Nele Stuhler beschäftigt sich mit dem medialen Aufarbeiten von Wissen. Identitäten sind das Thema der Stand-up-Performance „Black off“ von Ntando Cele, in der das Spiel mit „Blackfacing“ auf der Bühne zu „Whitefacing“ umgekehrt wird. Gezeigt werden auch einige Produktionen des Grazer Schauspielhauses wie „Schlammland Gewalt“ von Ferdinand Schmalz. „Menschen mit Problemen, Teile I - III“ von Sibylle Berg, „Erinnya“ von Clemens J. Setz oder „Die Mitwisser“ von Philipp Löhle. Auch die teilweise in Burkina Faso entstandene Produktion „Die Revolution frisst ihre Kinder“ in der Regie von Jan-Christoph Gockel wird nochmals gezeigt.

Zur Einstimmung auf den Retzhofer Dramapreis gibt es den „Dramawalk“, einen geführten Rundgang in Graz, bei dem Ausschnitte aus Texten des Wettbewerbs an verschiedenen Stationen präsentiert werden. Der Preis ist einer der wichtigsten Auszeichnungen für Nachwuchsdramatiker. „Autoren, die dort gefunden werden, werden bei uns weitergespielt“, erklärte Schauspiel-Intendantin Iris Laufenberg. Für das kommende Jahr wurde auch die Kategorie Kinder- und Jugendstück angekündigt.

(S E R V I C E - Internationales DramatikerInnenfestival Graz. Von 12. bis 16. Juni 2019. http://www.dramatikerinnenfestival.at)