Venezolanischer Botschafter: 40.000 Todesopfer wegen Sanktionen
Wien (APA) - Der venezolanischer Botschafter in Wien, Jesse Chacon Escamillo, macht die gegen sein Land verhängten Sanktionen für den Tod ta...
Wien (APA) - Der venezolanischer Botschafter in Wien, Jesse Chacon Escamillo, macht die gegen sein Land verhängten Sanktionen für den Tod tausender Menschen verantwortlich. Die Beschränkungen beträfen nicht nur das Umfeld von Staatspräsident Nicolas Maduro, sondern auch das venezolanische Volk. „Venezuela kann darum weder Lebensmittel noch Medikamente aufkaufen“, erklärte er am Montag in Wien.
„Über 300.000 Menschen haben keinen Zugang zur medizinischen Versorgung“, führte der Botschafter vor Journalisten aus. Darunter seien 80.000 HIV-Patienten und jeweils 16.000 Dialyse- und Krebspatienten. Escamillo verwies auf die Ergebnisse eine Studie der venezolanischen Bengoa-Stiftung, die die Sanktionen für den Tod von 40.000 Menschen im Land verantwortlich mache. Der Schweizer Bank UBS warf der Botschafter vor, die Mittel für Impfstoffe gesperrt zu haben.
Escamillo verwies auf die „positiven sozialen Entwicklungen“ Venezuelas von 1998 bis 2018, als es zu einer linken Wende gekommen war. Von 1999 bis 2013 war Maduros Vorgänger und Parteifreund Hugo Chavez Staatspräsident Venezuelas. Die Armut sei vor den Sanktionen von 46 auf 22 Prozent zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit von 14,5 auf fünf Prozent gefallen. Die Einschulungsrate liege bei über 80 Prozent, sodass die UNO-Bildungsorganisationen UNESCO den Analphabetismus in Venezuela 2005 für besiegt erklärte.
„Die US-Sanktionen haben diese Entwicklung stark beeinträchtigt“, sagte Escamillo. Aufgrund der Beschränkungen hätten viele internationale Banken rund 5,5 Milliarden Dollar (4,92 Mrd. Euro) eingefroren, auf die Venezuela nun keinen Zugriff mehr habe. „Die Bevölkerung Venezuelas ist diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgeliefert“, sagte Escamillo und warf den USA vor, sich die Bodenschätze Venezuelas aneignen zu wollen. „Wir müssen Hunger leiden, damit die USA an unser Erdöl kommen“, erklärte der Botschafter.
Mit Finanzen und Banken würden „Länder und Nationen in die Knie gezwungen“. Die Sanktionen erinnerten den Botschafter an „Belagerungen im Mittelalter“, die „einseitige Blockadenpolitik“ ziele auf einen Regierungswechsel ab. „Wenn Maduro im Land keinen Rückhalt mehr hätte, hätte es bereits einen Regierungswechsel gegeben“, sagte der Botschafter. Für ihn durchschaue das Volk die Pläne der USA. Der selbst ernannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaido, der von vielen westlichen Staaten - den USA und etwa auch Österreich - anerkannt wird, habe keine rechtliche Grundlage und sei vom US-Außenministerium aufgebaut worden. „Er ist ein Twitter-Präsident“, so Escamillo.
„Man kann die venezolanische Politik unterschiedlich beurteilen“, sagte der Botschafter und kritisierte die Abhängigkeit seines Landes vom Erdöl. „Wir brauchen eine stabilere Wirtschaftspolitik, aber ohne die Sanktionen hätten wir eine gesündere Wirtschaft ohne Hunger und 40.000 Tote“, erklärte er.
Die USA hätten zudem anderen Ländern verboten, venezolanisches Öl zu kaufen. Von den Sanktionen sei besonders die Schwerölproduktion betroffen, da man hierfür Technologien brauche, die man nun nicht mehr beziehen dürfe. Die Beschränkungen zielen darum für Escamillo auf die „Zerstörung der venezolanischen Wirtschaft“ ab. „Die USA verteidigen keine Demokratie, sondern nur ihre Interessen und das ist das Erdöl“, fügte er hinzu und warf den Vereinigten Staaten vor, sich von der UNO zu entfremden. „Wenn die UNO ihre Legitimität verliert, kehren wir in eine Welt zurück, in der die Größeren die Kleineren verschlucken“, warnte er.
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