„John Wick 3 — Parabellum“: Überdrüber im Design-Hotel

In „John Wick 3 – Parabellum“ nimmt Keanu Reeves seinen eigenen Star-Status auf die Schaufel, um einen Hochleistungskiller zur Legende zu überhöhen.

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Auf Du und Du mit der Filmgeschichte: In „John Wick 3 – Parabellum“ trifft Keanu Reeves auch auf Oscarpreisträgerin Anjelica Huston.
© Constantin

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –Ein Kampf in einem Waffenmuseum kann nur brutal werden. Aber auch einer in der öffentlichen Bücherei hat es in sich. Gleich bei diesen Szenen am Anfang von „John Wick 3 – Parabellum“ wird die überaus erfolgreiche Mischung der Reihe klar: Harte Action auf höchstem, maximal durchgestyltem Niveau, gebrochen durch bisweilen absurde Ironie.

Titelheld John Wick ist der zurückgekehrte Meister-Killer. Einst hatte er sich für ein glückliches Eheleben zur Ruhe gesetzt, bis im ersten Teil ein Mafia-Sohn seinen Hund tötete. Irgendwo zwischen blutigem Rachefeldzug und kaltem Auftragshandwerk geht Hauptdarsteller Keanu Reeves seitdem einen recht geradlinigen Weg durch eine endlose Reihe an Gegnern.

Das Salz in der John-Wick-Action-Suppe ist dabei die Übertreibung und der daraus gezogene Schmäh, mit ordentlich Geschwindigkeit zum Kochen gebracht und immer wieder auf Stufe 11 hinaufgedreht.

John Wicks dritter Auftritt ist quasi die sofortige Fortsetzung des zweiten. John ist mitten in New York auf der Flucht. Das 14-Millionen-Kopfgeld beschert ihm allerhand Möchtegern-Millionäre als Gegner. Aus der Verbrecher-Gilde ausgeschlossen, weil er jemanden im geschützten Bereich des Continental Hotels getötet hat, bleibt ihm nicht viel Zeit. Eine Richterin – die divers-geschlechtliche schauspielende Asia Kate Dillon („Orange is the new Black“), mit deutschem Tattoo am Hals – setzt einen japanischen Sushi-Meister (Mark Dacascos) auf den Flüchtigen an. Und dass dieser sich als großer Fan von John Wick entpuppt, macht die Sache noch würziger. Wick selbst löst derweil alte Schulden ein und will in Marokko den Höchsten der Assassinen um Vergebung bitten. Hier macht sich auch das satte Budget bemerkbar. Die Außen-Schauplätze sind diesmal ein Augenschmaus, nicht nur in der Wüste an der Seite von Halle Berry und ihren Kampfhunden.

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Auch in New York City reitet Reeves auf Pferden und Motorrädern mit einem Samurai-Schwert durch die Straßen. Gewohnt elaboriert ist dabei auch die Kampf-Choreografie zwischen Kung-Fu-Kunst und Haudrauf-Action.

Keanu Reeves gab kürzlich in einem BBC-Interview unumwunden zu, dass ihm dieses körperliche Schauspiel viel mehr liege. Als einer der schlechteren dramatischen Schauspieler vielfach belächelt (etwa vergangenes Jahr in der seltsamen Mini-Komödie „Destination Wedding“), ist er hier in seinem Element. Mit minimalen Dialogen und ohne Anlass zu Emotionen reicht sein mittlerweile ironiegetränkter Star-Status, um der behaupteten Legende John Wick eine glaubhafte Aura zu verleihen. Da geht dann sogar ein Matrix-Zitat durch („Mehr Waffen“). Der seidendünne Plot, die tödlichen Ehren-Regeln der Profikiller-Branche, genügt als Brandbeschleuniger für die zügige Abfolge an Überdrüber-Action in betont stylischem Dekor.

Wenig verwunderlich, dass es mittlerweile schon Ideen gibt, die Welt des Retro-Design-Hotels Continental und der „Hohen Kammer“ der Verbrecher in eine Serie zu verwandeln oder gar ein Crossover mit „Atomic Blonde“ – dem etwas zu Unrecht abgestürzten Actioner mit Charlize Theron – zu wagen.

Auch wenn John Wick wenig spricht, das entscheidende Wort kommt ihm mehrfach über die Lippen: „Konsequenzen“. Hotelbetreiber Winston formuliert es titelgerecht etwas bildungsbürgerlicher: „Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor – Si vis pacem, para bellum.“ Wenn das keine Action-Weisheit ist.


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