Suizid-Versuche in Flüchtlingslagern im Pazifik nach Australien-Wahl
Canberra (APA/AFP) - Der überraschende Wahlsieg des liberal-konservativen Regierungsbündnisses in Australien hat offenbar zu mehreren Suizid...
Canberra (APA/AFP) - Der überraschende Wahlsieg des liberal-konservativen Regierungsbündnisses in Australien hat offenbar zu mehreren Suizid-Versuchen in den umstrittenen Flüchtlingslagern auf zwei Pazifikinseln geführt. Mindestens vier Menschen versuchten seit Sonntag, sich das Leben zu nehmen, wie Augenzeugen, Anwälte und die Polizei mitteilten.
Der Erfolg der Regierungskoalition, die wegen der Unterbringung von Flüchtlingen auf abgelegenen Pazifikinseln seit Jahren in der Kritik steht, zerstörte offenbar die Hoffnung vieler Menschen, die einen Wahlsieg der favorisierten Labor-Partei und damit eine liberalere Flüchtlingspolitik herbeigesehnt hatten.
„Unser Leben hing von der Wahl ab“, sagte der auf der Pazifikinsel Manus internierte iranische Autor Behrouz Boochani der Nachrichtenagentur AFP. Neun Menschen hätten seit der Wahl am Sonntag versucht, sich umzubringen. Die Lage sei „außer Kontrolle“. Die Polizei auf Manus sprach von mindestens zehn Suizid-Versuchen, davon vier am Wochenende. Mehrere Flüchtlinge verweigern demnach derzeit die Nahrungsaufnahme. Die australische Regierung lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.
Die Regierung in Canberra steht wegen ihre harten Politik zur Abschreckung von Flüchtlingen seit Jahren in der Kritik. Das Land bringt alle Flüchtlinge, die per Boot nach Australien kommen wollen und dabei aufgegriffen werden, in Lager im abgelegenen Inselstaat Nauru und der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus. Derzeit sind rund 800 Menschen dort untergebracht. Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen haben die Lebensbedingungen in den Lagern regelmäßig scharf kritisiert.
In den Umfragen vor der Wahl hatte sich ein Regierungswechsel in Australien abgezeichnet. Auch erste Nachwahlbefragungen sahen die oppositionelle Labor-Partei noch knapp vorn. Schließlich setzten sich aber die liberal-konservativen Koalitionsparteien durch. Die Labor-Partei hatte sich offen für ein Angebot Neuseelands gezeigt, einen Teil der in den Lagern untergebrachten Flüchtlinge aufzunehmen.
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