Neuwahl - Internationale Pressestimmen 6 - „Radikalste Lösung“
Augsburg/Nürnberg/Berlin (APA/dpa) - Deutsche Zeitungen kommentieren die Entwicklungen in der österreichischen Innenpolitik und die Reaktion...
Augsburg/Nürnberg/Berlin (APA/dpa) - Deutsche Zeitungen kommentieren die Entwicklungen in der österreichischen Innenpolitik und die Reaktionen in Deutschland am Dienstag wie folgt:
„Augsburger Allgemeine“:
Statt auf Sicht zu fahren und das Land bis zur Wahl im September mit dem gegenwärtigen, um Strache reduzierten Kabinett halbwegs routiniert zu verwalten, hat der Regierungschef sich für die radikalste Lösung entschieden, dem umstrittenen Innenminister Herbert Kickl den Stuhl vor die Tür gesetzt und die übrigen Minister mit FPÖ-Parteibuch gleich mit aus seiner Regierung getrieben. Das kann man konsequent nennen. Man kann es aber auch reichlich naiv nennen, weil der bislang unangefochtene Kurz sich damit ohne Not selbst geschwächt hat. Sollten die FPÖ und weite Teile der Opposition am Montag mit einem erfolgreichen Misstrauensantrag gegen ihn gemeinsame Sache machen, ginge Kurz nicht als amtierender Kanzler in den Wahlkampf, sondern als gestürzter Kanzler.“Nürnberger Nachrichten“ zu Österreich
„Nürnberger Nachrichten“:
„Gelassenheit fällt oft schwer - besonders in hektischen Zeiten. Nötig ist sie trotzdem; denn sie hält von unzulässigen Dramatisierungen ab. Die Bezeichnung Staatskrise gehört in diese Rubrik, sie ist weit übertrieben. Österreich hat schon schwierigere Zeiten überstanden. Und Belgien, zum Beispiel, war sogar 541 Tage ohne Regierung. Und existiert immer noch.“
„Die Welt“ (Berlin):
„Die SPD kommt gerne mit einem dicken B daher: Früher war es das Basta-B des Rechthabens , heute ist es das Bätschi-B der Genugtuung. Und selbstgerecht war der Auftritt von Andrea Nahles in der Runde der Parteichefs, die zum „Gipfeltreffen Europa“ in der ARD zusammengekommen waren: „Man braucht doch kein Video, um zu erkennen, dass eine Koalition mit Rechtspopulisten keine gute Idee ist. Wir haben immer Distanz gesucht, von den Konservativen kann man das nicht behaupten.“ Diese Bätschi-Attitüde wirkt wie der trostlose Versuch, Trost im Scheitern der anderen zu finden. Eine Partei wie die Nahles-SPD, die ihre Chancen vor allem aus dem Scheitern anderer zu ziehen versucht, oder wie die linke „taz“ es auf ihrer Titelseite über einem Foto von Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache illustrierte: „Die Retter der Sozialdemokratie?“, eine solche Partei bleibt unter ihren Möglichkeiten.“
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