Leyla Hussein bezeichnet Genitalverstümmelung als Kindesmissbrauch

~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA358 vom 22.05.2019 muss es im vierten Absatz...

~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA358 vom 22.05.2019 muss es im vierten Absatz, erster Satz richtig heißen: „Gündüz urgierte (nicht: „Die ebenfalls anwesende Leiterin der Sektion ‚Integration‘ im Außenministerium, Susanne Raab) ...“ --------------------------------------------------------------------- ~ Wien (APA) - Für die Frauenrechtlerin Leyla Hussein bedeutet die Genitalverstümmelung bei Mädchen nichts anderes als Pädophilie. Die Beschneidung erfolge vor zahlreichen Menschen und entspreche einem sexuellen Übergriff. Mütter, die an dieser Tradition festhielten, mutierten zu Tätern und Verteidigerinnen des Patriarchats, sagte Hussein bei einer Diskussionsveranstaltung des Österreichischen Integrationsfonds.

In Europa seien hauptsächlich Frauen mit Migrationshintergrund von dieser Praxis betroffen, sagte die in London als Psychotherapeutin tätige Somalierin zur Gesprächsleiterin Nalan Gündüz am Dienstagabend in Wien. Urachse dafür seien, dass diese Frauen patriarchalen Strukturen entstammten, hier keine sicheren Orte hätten und meist nicht über ihre Rechte Bescheid wüssten.

Die aus Algerien stammende Kulturwissenschaftlerin Naïla Chikhi ergänzte, dass durch FGM (Female Genital Mutilation) die Unterlegenheit der Frau durch Gewalt gefestigt werden soll. Gefährlich wird es für sie, wenn das ganze im Sinne von „Gott will es“ religiös untermauert werde, obwohl es dafür in keiner Religion Grundlagen gebe. Hussein erklärte dazu, dass die Beschneidung eigentlich auf die ägyptischen Pharaonen zurückgehe, mit welcher diese die weibliche Sexualität kontrollieren wollten. Gündüz warf ein, dass das Problem in Europa lange tabuisiert worden sei, obwohl es jährlich etwa 200 Millionen Opfer gäbe und allein in Österreich im Jahr 2006 8.000 Frauen bei hoher Dunkelziffer betroffen waren.

Gündüz urgierte, dass in Österreich ein Fünftel der Frauen von Gewalt betroffen seien und es seit 2015 migrationsbedingt einen starken Anstieg von Kinder- und Mehrfachehen gebe. Global sei ein Drittel von Gewalt betroffen, fügte Désirée Schweitzer, Leiterin der Sektion für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) im Außenministerium, hinzu. Sie wies darauf hin, dass Gewalt gegen Frauen mit dem Bildungsniveau korreliere und vor allem in bildungsfernen Schichten ein Problem sei.

Emina Saric, die Leiterin des Projekts „HEROES - Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ in der Steiermark, ging auf die diversen Formen der Gewalt ein. Sie unterschied physische, psychische, sexualisierte, kulturelle und häusliche Gewalt gegen Frauen. Zudem gebe es Gewalt zwischen Individuen und strukturelle Gewalt aus Gruppen heraus. „In starren Communities bekommt die Frau nur den Status als Mutter, wenn sie das Patriarchat bestätigt. Tut sie das nicht, wird sie ausgestoßen“, postulierte Saric. Gewalt entstehe dort, wo es „keine Rechte, keine Demokratie gibt“. In ihrer Heimat Bosnien sei es Usus, dass Frauen von der Exekutive nicht ernst genommen würden. „Gesetze müssen aber durchgesetzt werden und sind nicht verhandelbar“, betonte sie.

Wichtig seien das Erkennen und zur Sprache bringen der Vorfälle und die Loslösung aus dem Kollektiv, meinte Chikhi dazu. „Es wurde uns eingeimpft, dass wir ohne Kollektiv nicht leben können.“ Integration könne aber niemals punktuell erfolgen, sondern sei die kontinuierliche Begleitung, ist „immerwährend“. „Frauenrechte sind Menschenrechte und die sind nicht verhandelbar. Auch religiöse Normen haben ihre normative Endlichkeit“, so Chikhi.

Für Hussein müssten traditionelle Frauenbilder aufgebrochen werden, denn Frauen mit kurzen Röcken seien nicht selbst schuld, wenn sie belästigt würden. Solche Sichtweisen werden laut der Feministin soziokulturell tradiert, weshalb auch junge Männer in die Aufklärungsarbeit miteinbezogen werden müssen. Die Unterstützer sollten deshalb aktiv Kontakt zu Betroffenen suchen, weil die meisten nicht von selbst kommen würden. „Gewalt darf nicht als kulturelle Eigenart gesehen werden, denn das ist eine Form von Rassismus. Ehrenmord ist Mord“, dabei dürfe kein Bonus gewährt werden, forderte Hussein.