EU-Wahl - Internationale Pressestimmen

Brüssel (APA/dpa/AFP) - Zur EU-Wahl schreiben die Zeitungen am Mittwoch:...

Brüssel (APA/dpa/AFP) - Zur EU-Wahl schreiben die Zeitungen am Mittwoch:

„La Repubblica“ (Rom):

„Dem Volk, das in dieser langen Nacht Europas wie ein Schlafwandler auf der Suche nach Licht herumirrt, bleibt nur eine Möglichkeit. Wählen zu gehen. Um Europa zu verändern, wie es uns die Gründerväter gelehrt haben von Spinelli bis De Gasperi, von Monnet bis Mitterrand, von Adenauer bis Kohl. Nicht um es zu zertrümmern, wie es heute die zerstörerischen Enkel von Orban bis Wilders, von Le Pen bis Farage wollen.“

„Dennik N“ (Bratislava):

„Die Anti-Brüssel-Stimmung ist gerade in solchen Ländern groß, die traditionell einen beklagenswerten Zustand des Staatsbudgets aufweisen. Ein weiteres Paradoxon ist, dass die Anti-Brüssel-Parteien großteils von den Menschen gewählt werden, die am meisten von EU-Förderungen abhängig sind - und sei es nur dadurch, dass sie von Sozialleistungen ihres Staates leben, der diese deshalb auszahlen kann, weil er für seine anderen Ausgaben Geld aus den EU-Töpfen bekommt.

Am Zerfall der EU arbeiten also besonders jene Staaten und Parteien, die von der EU am meisten abhängig sind, und für den Untergang der EU stimmen die Menschen, die sich nicht bewusst sind, dass gerade sie selbst am meisten dadurch verlieren würden. Deshalb sollten die vernünftigen Menschen am Wochenende auch dafür zur Wahl gehen, dass sie nicht für die Kurzsichtigkeit jener bezahlen müssen, die das alles nicht kapieren.“

„Les Echos“ (Paris):

„Emmanuel Macron hat von einem Wahlkampf voller Europa-Enthusiasmus und Freude geträumt. Doch die Krise der ‚Gelbwesten‘ und die große Bürgerdebatte haben dies zunichte gemacht. In der geringen Zeit, die danach blieb, musste er effizient, deutlich und sogar polarisierend auftreten, um Wähler zu mobilisieren, die mit Politik nicht viel am Hut haben. Er gegen (Marine) Le Pen, ein echtes Duell, in dem es um den ersten Platz geht.“

„Diena“ (Riga):

„In ganz Europa hat in den letzten Jahren die Unterstützung von Rechtsextremisten, Populisten und Euroskeptikern zugenommen, in einigen Ländern wie Österreich, Italien und Estland sind sie sogar in die Regierung gekommen. Auch bei den Wahlen zum Europäischen Parlament ist zu erwarten, dass rechtsradikale und unkonventionelle Parteien Erfolg haben und die bisherige Dominanz von Vertretern von Mitte-Parteien unter den Europa-Abgeordneten weiter verringern werden. Dies kann sich wiederum auf die Besetzung der Europäischen Kommission und die EU-Politik in Schlüsselfragen wie Handel und Migration auswirken.“

„Sega“ (Sofia):

„In Europa ist derzeit eine breite soziale und politische Entwicklung im Gang - das Entstehen des seit Jahrzehnten ersehnten europäischen Wahlvolkes. Das ist der wichtigste Baustein, der bis jetzt gefehlt hat, damit aus dem europäischen Projekt ein vollblutiges politisches Projekt wird. (...)Die Entwicklung in Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien oder Bulgarien betrifft nun das europäische Wahlverhalten bis hin zu den Wurzeln.

Es ist nicht mehr ohne Bedeutung, mit welchen Stimmen der nächste EU-Kommissionschef gewählt wird. Die Entwicklung in einem (EU-)Land kann nicht mehr isoliert von den Ereignissen in den anderen betrachtet werden. (...) Diese EU-Wahlen werden auch einen Schritt nach vorn verzeichnen, weil sie das Dasein des europäischen Wahlvolks zum Ausdruck bringen.“