Stark ist, wer auch Schwäche zeigt
Männer müssen heutzutage zahlreiche Anforderungen erfüllen: Sie sollen erfolgreich im Beruf, aufopferungsvolle Väter, verständnisvolle Partner, am besten für alle gleichzeitig da und vor allen Dingen immer stark sein. Dieses Rollenbild hindert jedoch viele Männer daran, sich bei Problemen Hilfe zu suchen.
Gesundheit und Fitness genießen heute einen hohen Stellenwert. Nicht nur, aber insbesondere junge Menschen machen sich vermehrt Gedanken über ihr körperliches sowie seelisches Wohlbefinden und arbeiten oft hart daran, sich dieses so lange wie möglich zu erhalten.
Männliche Überwindung
Trotz des Umstandes, dass ein gesunder Lebensstil in den letzten Jahren grundsätzlich an Bedeutung gewonnen hat, bleibt doch eines festzuhalten: nämlich, dass Männer in Summe noch immer weniger auf ihre Gesundheit achten als Frauen. Dies betrifft nicht nur ihre Lebensgewohnheiten — sie rauchen und trinken beispielsweise mehr —, sondern auch ihren Umgang mit Leiden und Erkrankungen. Denn viele Männer nehmen, wenn überhaupt, nur dann medikamentöse, medizinische oder therapeutische Hilfe in Anspruch, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt.
Ein Grund für diese Weigerung, sich mitunter selbst bei ernsthaften Problemen in entsprechende Behandlung zu begeben, ist ein bestimmtes Verständnis von Männlichkeit, das noch immer in vielen Köpfen verankert zu sein scheint. Diesem Bild zufolge gilt es als unmännlich, Schwäche zu zeigen, weshalb es vielen Männern meist sogar schon große Überwindung kostet, sich etwaige Schmerzen und Beschwerden überhaupt einzugestehen. Oft bedarf es dann schließlich eines Anstoßes von außen, bevor sie bereit sind, ihre Lage zu akzeptieren und Unterstützung zu suchen — sei es nun im privaten Umfeld oder bei einem ausgewiesenen Experten.
Ungesunde Vorstellungen!
Solcherart Rollenbilder sind letztendlich zwar nichts anderes als soziale Konstrukte, haben jedoch trotzdem einen großen Einfluss darauf, wie Menschen sich verhalten bzw. meinen, sich verhalten zu müssen. In einer pluralistischen Gesellschaft wie der unseren, mit ihrer Vielfalt an unterschiedlichen Lebensweisen und -formen, existieren auch im Hinblick auf Männer zahlreiche und zum Teil stark voneinander abweichende Rollenbilder nebeneinander. Die Antwort auf die Frage, was ein Mann ist und wie er zu sein hat, kann demnach von Person zu Person unterschiedlich ausfallen — je nach Alter, Herkunft, sozialer Stellung, Bildung oder persönlichen Erfahrungen.
Fest steht allerdings, dass mit jedem dieser Rollenbilder konkrete Erwartungen verknüpft sind, denen Männer genügen müssen, um als ebensolche zu gelten — teilweise, weil sie es selbst wollen, teilweise aber auch, weil es bestimmte Umstände oder gesellschaftliche Zwänge bzw. Strukturen erfordern. Bei der Gründung einer Familie beispielsweise wird von Männern — im Übrigen ebenso wie von Frauen — noch immer häufig erwartet, dass sie sich bereitwillig in die ihnen zugeschriebene Rolle fügen. Das heißt, der Mann sorgt in erster Linie für die Versorgung der Familie, während die Frau sich um den Nachwuchs kümmert.
Nicht um jeden Preis
Die Vorstellung, ein Mann müsse um jeden Preis „stark" sein, dürfe weder Schwäche noch Gefühle zeigen und müsse selbst mit seinen Problemen klarkommen, hat in den letzten Jahren an Dominanz eingebüßt. „Männer merken, dass das alte, traditionelle Rollenverständnis nicht mehr funktioniert, vor allem in der Partnerschaft oder als ?moderner Vater'", erklärt etwa Bernhard Hungsberger vom Tiroler Landesverband für Psychotherapie. Dass dieses Bild dennoch vielerorts nach wie vor präsent ist, zeigt sich nicht zuletzt in der medizinisch-therapeutischen Praxis: Männer gehen beispielsweise mindestens um ein Drittel weniger zum Arzt als Frauen, und auch Therapien nehmen sie nur halb so oft wie diese in Anspruch.
Mander, bleibts g'sund
Unter dem Titel „Mander bleibts g'sund!" widmet sich die TGKK verstärkt der Männer-Gesundheit. Mit dieser Initiative soll das Gesundheitsbewusstsein des Mannes in allen Altersstufen gestärkt und auf genderspezifische Krankheiten aufmerksam gemacht werden. Ein Beirat mit Experten aus den verschiedensten Bereichen steht beratend zur Seite.
Mehr Informationen: www.mander.tirol