Südtirol

Von Ethnien und Monopolen: Medienlandschaft in Südtirol

Über die Besonderheiten der Medienlandschaft in Südtirol diskutierten (von links) Siegfried Giuliani (ORF), Günther Heidegger (Dolomiten), Stefan Wallisch (ANSA), TT-Chefredakteur Alois Vahrner, Heidy Kessler (RAI) und Norbert Dall’O (FF).
© Ronald Zecha

Auch wegen der drei im Land gesprochenen Sprachen hat die Medienlandschaft in Südtirol Besonderheiten aufzuweisen.

Bozen –Südtirol ist ein kleines Land mit vielen Besonderheiten. Allen voran die drei im Land gesprochenen Sprachen: Deutsch, Italienisch und Ladinisch prägen seit jeher Tirols südlichen Nachbarn. Auswirkungen hat das auch auf die Medienlandschaft, die trotz der geringen Einwohnerzahl sehr vielfältig ist, wie bei einer von der Tiroler Journalismusakademie organisierten und von TT-Chefredakteur Alois Vahrner geleiteten Diskussion in Bozen zu Tage kam.

Angesprochen auf die Eigenheiten des Journalismus in Südtirol sagte Norbert Dall’O, Chefreporter des politischen Wochenmagazins FF, dass die „ethnische Situation immer noch eine große Herausforderung ist“. Die Gesellschaft in Südtirol sei immer noch zweigeteilt. „Und so ist es die Medienlandschaft auch.“ Früher sei die Kluft aber noch größer gewesen, die Lager strikter getrennt, in eine stark nationalistische italienische Fraktion und eine ausgeprägt patriotische deutsche. Dies habe sich seit der Übernahme der italienischen Tageszeitung Alto Adige durch das Verlagshaus Athesia etwas relativiert, befand Dall’O. Dieser Schritt hatte Südtirols mit Abstand größtem Medienhaus im Jahr 2016 viel Kritik eingebracht.

Günther Heidegger, stellvertretender Chefredakteur der von Athesia publizierten Tageszeitung Dolomiten, bezeichnete den immer wieder aufkommenden Vorwurf, ein Monopolist zu sein, aber „als Mär aus der Vergangenheit. Niemand muss in Südtirol Angst haben, nur von einer Seite Nachrichten zu lesen.“ Es gebe genug Alternativen zu den Produkten der Athesia.

Die Besonderheiten der Arbeit als Journalist in Südtirol erlebt Heidy Kessler, Chefredakteur von RAI-Südtirol, tagtäglich. Die RAI, Italiens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, habe in Bozen drei Redaktionen. „Eine deutsche, eine italienische und eine ladinische. Die Interessen sind unterschiedlich. Während die Italiener das urbanere Publikum sind, haben wir unsere Hörer und Seher in den Tälern.“

Nicht als Konkurrenz, sondern „Ergänzung zur RAI“ sieht Chefredakteur Siegfried Giuliani die vom ORF produzierte Sendung Südtirol Heute . „Während sie eher die Hard News haben, gestalten wir unsere Sendung eher als Magazin.“ Das auch für Seher in Nord- und Osttirol relevant sein solle, sagte er.

Der gebürtige Niederösterreicher Stefan Wallisch ist Büroleiter der ANSA, Italiens größter Presseagentur, in Bozen und Trient. Auch weil Südtirol und das Trentino eine „sehr spannende und vielfältige Medienlandschaft aufzuweisen haben“, finde er seinen Beruf interessant. „Bei einer Million Einwohnern in den beiden Provinzen gibt es sieben Tageszeitungen.“ (bfk)