LA: Warner peilt in Götzis seinen fünften Zehnkampf-Sieg an
Götzis (APA) - Mit einem erstklassig besetzten Rekordfeld von 68 Athleten startet das Mehrkampf-Meeting in Götzis am Samstag in seine 45. Au...
Götzis (APA) - Mit einem erstklassig besetzten Rekordfeld von 68 Athleten startet das Mehrkampf-Meeting in Götzis am Samstag in seine 45. Auflage. Kanadas Zehnkampf-Star Damian Warner peilt seinen fünften Sieg an, bei den Damen könnte sich ein Vierkampf um Platz eins anbahnen. Österreichs Farben halten Dominik Distelberger und Sarah Lagger hoch, Verena Preiner ist verletzt, Ivona Dadic lässt Götzis erneut aus.
30 der 34 gemeldeten Zehnkämpfer haben die 8.000-Punkte-Marke bereits übertroffen, 29 der 34 Siebenkämpferinnen die 6.000 Punkte-Barriere. Für viele der Athletinnen und Athleten aus 28 Nationen bietet das Meeting eine erste Qualifikationsmöglichkeit für die erst ab Ende September bevorstehenden Weltmeisterschaften in Doha sowie für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Die Limits sind mit 8.200 Punkten (Zehnkampf) bzw. 6.300 Punkten (Siebenkampf) hoch angesetzt.
Mit seinem fünften Götzis-Sieg - dem vierten in Folge - würde der Olympia-Dritte Warner (Bestleistung 8.795 Punkte) mit den Mehrkampf-Allzeitgrößen Roman Sebrle (CZE), Carolina Klüft (SWE) und Jane Frederick (USA) gleichziehen. Öfter als fünf Mal hat in Götzis noch niemand gewonnen. Als seine härtesten Konkurrenten könnten sich dabei die beiden Deutschen Rico Freimuth (8.663) und Kai Kazmirek (8.580 - Sieger 2015) herausstellen, die WM-Zweiten und Dritten von 2017 in London. Auch der Este Maicel Uibo (8.514) gilt als Mitfavorit.
Bei der Abschluss-Pressekonferenz am Freitag zeigten sich sowohl Warner als auch Uibo zuversichtlich. „Es ist mein Ziel, den vierten Sieg in Folge einzufahren, aber es wird hart“, sagte Warner. Er fühle sich gut in Form, eine Punkte-Prognose für seinen Wettkampf abzugeben wagte Warner aber nicht: „Darin bin ich sehr schlecht“. Uibo verwies ebenfalls auf einen guten Formstand, insbesondere in seinen starken Disziplinen laufe es sehr gut.
Als weitere Top-Zehnkämpfer mit Aussichten auf Spitzenplätze stehen der Russe Ilja Schkurenjow (8.601), Lindon Victor (8.539) aus Grenada und der Niederländer Eelco Sintnicolaas (ebenfalls 8.539) am Start. Großer Abwesender bei den Herren ist wie bereits im Vorjahr Weltrekordhalter Kevin Mayer (FRA), der im vergangenen Jahr im heimatlichen Talence die neue Bestmarke von 9.126 Punkten setzte.
„Mayer entscheidet bei seinem ersten Saison-Mehrkampf immer erst kurzfristig, wie viele Disziplinen er absolviert. Wir sind aber nur an Athleten interessiert, die den ganzen Mehrkampf planen“, hatte Athletenkoordinator Walter Weber vor wenigen Tagen festgestellt. Verletzungsbedingt absagen musste der aktuelle Europameister von Berlin 2018, Arthur Abele (8.605) aus Deutschland.
Österreichs Zehnkampf-Aushängeschild Dominik Distelberger (8.175) peilt bei seinem achten Götzis-Start zumindest die 8.000 Punkte-Marke an. „8.000 Punkte wären natürlich schon cool. Das muss eigentlich immer mein Ziel sein, und ich fühle mich auch gut vorbereitet, das zu schaffen“, sagte der 29-jährige Niederösterreicher. Er habe sich gut von einem im Jänner erlittenen Muskelriss erholt, auch die Achillessehnenprobleme („die haben mich ein paar Jahre geärgert“) habe man nun im Griff, so Distelberger. Es gehe Woche für Woche bergauf, das Meeting in Götzis werde eine erste Standortbestimmung sein.
Bei den Frauen deutet in Abwesenheit der verletzten Siebenkampf-Dominatorin Nafissatou Thiam (7.013) aus Belgien alles auf einen Vierkampf zwischen der Deutschen Carolin Schäfer (6.836), Laura Ikauniece (6.815) aus Lettland, der Britin Katarina Johnson-Thompson (6.759, Siegerin 2014) und der US-Amerikanerin Erica Bougard (6.725) hin. Schäfer, Ikauniece und Johnson-Thompson haben in den vergangenen Jahren Silber- und Bronze-Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen.
Wie für Warner, Uibo und Distelberger bildet das Meeting in Götzis auch für Schäfer, Johnson-Thompson und Bougard den Start in die Mehrkampfsaison. „Es ist der große Start schlechthin“, sagte Schäfer, die in Götzis zumindest das Weltmeisterschafts-Limit erreichen möchte. Johnson-Thompson erklärte, nach einer Pause nach der Hallensaison „hart gearbeitet“ zu haben. Bougard stellte fest: „Jede kann gewinnen. Wir werden sehen, wie es geht“.
Neben Thiam fehlen in Götzis mit Ivona Dadic (6.552) und Verena Preiner (6.337) auch Österreichs Beste. Der 25-jährigen Dadic passt das Mehrkampf-Meeting in Vorarlberg wie im Vorjahr nicht in ihre Trainings- und Wettkampf-Planung. Sie will stattdessen in Ratingen (29./30. Juni) antreten, 2020 soll dann aber ihr Götzis-Comeback erfolgen. Preiner zog sich am Donnerstag beim Stufensteigen eine Sprunggelenksverletzung zu, die ein Antreten unmöglich macht. Die WM-Vorbereitung der 24-Jährigen sollte dadurch jedoch nicht beeinträchtigt sein.
Österreichs Farben sind mit der 19-jährigen Sarah Lagger dennoch bestens vertreten. Lagger hat im Vorjahr bei der U20-WM in Tampere in Finnland mit einer neuen Bestleistung von 6.225 Punkten die Silbermedaille gewonnen. In Götzis will sich die Vorjahres-Zehnte für die U23-Europameisterschaft in Gävle (11. bis 14. Juli) in Schweden qualifizieren, wofür 5.400 Punkte ausreichen.
„Ich fühle mich fit und motiviert für Götzis, obwohl ich sicher noch nicht in Höchstform sein werde, weil die erst für Mitte Juli geplant ist“, erläuterte Lagger im Vorfeld, für die nach Götzis die mündliche Matura ansteht. Sie habe trotz der Reifeprüfung ihr gesamtes Trainingsprogramm durchgezogen. „Es wird eine gute Standortbestimmung, aber eine bestimmte Punktezahl habe ich nicht im Auge“, erklärte die junge Kärntnerin.
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