May-Rücktritt - Respekt für die britische Premierministerin
London (APA/dpa/AFP) - Der Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May kommt angesichts der Brexit-Blockade in London nicht unerw...
London (APA/dpa/AFP) - Der Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May kommt angesichts der Brexit-Blockade in London nicht unerwartet. Vor allem aufseiten der Europäischen Union reagierten am Freitag viele Politiker mit Respekt, dass die konservative Regierungschefin überhaupt so lange durchgehalten hat. Laut wurde aber auch neue Sorge vor einem chaotischen britischen EU-Austritt. Ein Überblick:
- Mays innerparteilicher Widersacher und möglicher Nachfolger, der ehemalige britische Außenminister Boris Johnson erklärte auf Twitter: „Eine sehr würdevolle Erklärung von Theresa May. Danke für deinen stoischen Dienst für unser Land und die Konservative Partei.“
- Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schrieb auf Twitter: „Ich hoffe, dass sich - unabhängig von ihrer Rücktritts-Mitteilung - in Großbritannien die Vernunft durchsetzt.“
- EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ließ mitteilen, er habe Mays Erklärung „ohne Freude“ verfolgt. „Theresa May ist eine mutige Frau, für die er großen Respekt hat.“
- Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf eine gute Zusammenarbeit auch mit dem dann nachfolgenden Premierminister in Großbritannien. „Ich respektiere natürlich diese Entscheidung, habe immer sehr gut mit der britischen Premierministerin Theresa May zusammengearbeitet“, sagte die CDU-Politikerin am Rande eines Besuchs der Technischen Universität in München.
- Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dankte May nach ihrem angekündigten Rücktritt für ihre Arbeit gedankt. Sie habe sich beherzt für eine Durchführung des Brexits im Sinne ihres Landes eingesetzt, hieß es am Freitag aus dem Élyséepalast. Macron habe May eine persönliche Botschaft des Dankes und der Unterstützung übermittelt.
- Der irische Regierungschef Leo Varadkar befürchtet nach dem Rücktritt der britischen Premierministerin eine „sehr gefährliche“ Phase für sein Land. Es sei zu erwarten, dass Mays Nachfolger ein Euroskeptiker sei, der die EU ohne Brexit-Abkommen verlassen wolle, sagte Varadkar am Freitag bei der Stimmabgabe zur Europawahl in Dublin. „Was auch immer geschieht, wir müssen Ruhe bewahren.“
- Der niederländische Regierungschef Mark Rutte twitterte: „Der zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ausgehandelte Austrittsvertrag für einen geordneten Brexit liegt weiter auf dem Tisch.“
- Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez erklärte über eine Sprecherin: „Ein harter Brexit erscheint unter diesen Umständen als eine Realität, die kaum noch aufzuhalten ist. Die Regierung und das britische Parlament sind die einzigen Verantwortlichen für einen Austritt ohne Abkommen und dessen Konsequenzen.“
- Ähnlich sieht das der CDU-Europapolitiker Elmar Brok in der „Heilbronner Stimme“ (Samstag): „Angesichts der handelnden Personen und des zeitlichen Ablaufs fürchte ich, dass der harte Brexit unausweichlich ist.“
- Der sozialdemokratische Fraktionschef im Europaparlament, Udo Bullmann, meinte: „Die einzige Lösung für das Brexit-Dilemma ist eine engere Zusammenarbeit mit Labour oder eine erneute Volksbefragung.“
- Der Chef der Brüsseler Denkfabrik European Policy Centre, Fabian Zuleeg, sagte der Deutschen Presse-Agentur zum Risiko eines ungeregelten Brexits: „Die Wahrscheinlichkeit war und ist immer noch hoch.“
- Zum möglichen May-Nachfolger Johnson erläuterte der Politikwissenschaftler Nicolai von Ondarza von der Stiftung Wissenschaft und Politik: „Boris Johnson ist mit Abstand der beliebteste konservative Politiker innerhalb der Basis der konservativen Partei. Aber Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.“
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