EU-Wahl: Rote Dauerattacken auf Kurz und Blau

Wien (APA) - Die SPÖ hat ihre letzte Großveranstaltung im EU-Wahlkampf vor allem ÖVP und FPÖ gewidmet. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner spra...

Wien (APA) - Die SPÖ hat ihre letzte Großveranstaltung im EU-Wahlkampf vor allem ÖVP und FPÖ gewidmet. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sprach Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die Reife für sein Amt ab, Spitzenkandidat Andreas Schieder warf den Freiheitlichen vor, das Land für ein paar 100.000 Euro verschleudern zu wollen.

Versammelt hatte man sich wie in den vergangenen Jahren kurz vor Wahlen üblich in einem Festzelt neben Parteizentrale und Wiener Burgtheater, das gut gefüllt, aber nicht überfüllt war. Aus drei Ländern, nämlich Nieder- und Oberösterreich sowie aus Vorarlberg waren die Parteivorsitzenden gekommen, dazu als Gastgeber Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Schieder selbst wurde von seiner Lebensgefährtin, der früheren Wiener Sozialstadträtin und heutigen Siemens-Managerin Sonja Wehsely begleitet.

Mit einer durchaus feurigen humorigen Rede stellte der Spitzenkandidat beim Auditorium ein wenig die Parteichefin in den Schatten. Österreich bezeichnete er als Land mit der schönsten Landschaft und den fleißigsten Menschen und als Land voll mit ehrlichen Österreicherinnen und Österreichern: „Außer ein paar wenigen, die sich dabei auch noch filmen lassen“, spottete Schieder über die Ibiza-Affäre.

Ernster warf er der FPÖ vor, dass sie Wasser privatisieren und eine private Zeitung, die „Krone“, verscherbeln wolle: „Die sind für ein paar 100.000 Euro oder ein paar Millionen bereit, unsere Heimat zu verschleudern. Die dürfen nie mehr das Sagen haben.“

Schieder reihte die FPÖ in eine Gruppe von Rechtsparteien, die Europas Werte von innen zerstören wollten. Dagegen müsse man rechtzeitig aufstehen. Denn es gebe viele Machthaber von außerhalb Europas wie US-Präsident Donald Trump oder Russlands Staatschef Wladimir Putin, die sich eine schwache Union wünschten.

Inhaltlich brachte Schieder noch einmal seine zentralen Botschaften wie einen Privatisierungsstopp in Europa oder einen gerechten steuerlichen Beitrag von Großkonzernen wie Starbucks oder Google. Auch Rendi-Wanger forderte, dass Amazon und Google ihren Beitrag leisten müssten, damit Geld da sei, um soziale Schieflagen zu beseitigen: „Sonst werden es die Schieflagen werden, die uns beseitigen.“

Während die FPÖ der SPÖ-Chefin keine Erwähnung wert war, schoss sie sich frontal auf Kanzler Kurz ein. Dieser habe bewiesen, dass er Verantwortung nicht nachkommen könne, so Rendi-Wagner unter Johlen des Publikums: „Er ist ihr nicht gewachsen, er ist nicht reif dafür.“

Die SPÖ-Vorsitzende warf dem VP-Obmann vor, nicht auf die Opposition zugegangen zu sein. Es habe nur PR-Maßnahmen und Scheinangebote gegeben: „Er will diktieren.“

Rendi-Wagner versuchte Zuversicht auszustrahlen, was den Wahlsonntag angeht: „Die Menschen spüren, dass sie den Weg mit uns gehen müssen, weil sonst niemand den Weg mit ihnen geht.“ Auch Bürgermeister Ludwig ging in seinem kurzen Redebeitrag von einem Sieg aus. Zudem warb der Stadtchef dafür, dass Schieder in Zukunft auch in der europäischer Sozialdemokratie in leitender Funktion tätig sein sollte.

Wirklich abgeschlossen wird der SPÖ-Wahlkampf freilich erst Samstagvormittag, und zwar am Wiener Victor-Adler-Markt. Stargast ist dort der Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten Frans Timmermans.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA537 2019-05-24/18:47


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