„Manuelas Tierhoamat“: Alles Gute kommt von oben

Eine private Rehkitz-Rettung will Manuela Prantl auf die Beine stellen. Drohne und Wärmebildkamera gibt es schon, nun sucht die Wennerin nach Unterstützern und Sponsoren.

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Im Garten fliegt die Drohne bereits: die Tiroler Kitz-Retter Manuela Prantl und Drohnenpilot Bruno Perktold.
© Thomas Boehm / TT

Von Irene Rapp

Wenns –Toni hatte so gut wie keine Chance. Als er zu Manuela Prantl kam, fehlte ihm ein Bein, ein anderes hing nur noch an wenigen Sehnen. Drei Operationen später bekam das Rehkitz Wundbrand. „Dann mussten wir Toni doch einschläfern lassen“, berichtet Manuela Prantl.

Solche Geschichten kann die Leiterin des Tierheims „Manuelas Tierhoamat“ in Wenns im Pitztal einige erzählen. Im Mai und Juni, wenn die neugeborenen Kitze in den Feldern liegen und die Bauern mit der Mahd beginnen, ereignet sich tausendfaches Tierleid. „Wir schätzen, dass in Tirol jährlich 600 bis 800 junge Rehe getötet werden. Entweder sofort oder später aufgrund amputierter Gliedmaßen“, sagt Tierheim-Mitarbeiter Bruno Perktold.

Dass die von ihren Müttern in Wiesen und Feldern abgelegten Jungtiere vor den Maschinen nicht davonlaufen, wird ihnen dabei zum Verhängnis. „Bei Gefahr kauert sich das Kitz flach auf den Boden. Und weil es in den ersten Wochen noch keinen Eigengeruch hat, kann man es auch mit einem Hund nicht aufspüren“, erzählt der Arzler.

Die Wärmebildkamera zeigt, wo sich Lebewesen befinden – eingekreist Perktold und eine zweite Person.
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Mit der momentanen Situation wollte sich die engagierte Tierschützerin jedoch nicht abfinden. Auch nicht damit, dass es vereinzelt Initiativen von Bauern und Jägern gibt, die die Felder vor der Mahd kontrollieren – diese bringen leider wenig. Es geht aber auch anders, wie der Blick über die Grenze zeigt.

In der Schweiz engagiert sich seit Jahren ein privater Verein in Sachen Kitz-Rettung. „Wir haben mit den Verantwortlichen Kontakt aufgenommen und dann ging es los“, sagt Prantl. An diesem Wochenende werden Prantl und Perktold daher das erste Mal ebenfalls als mögliche Kitz-Retter unterwegs sein.

Die wichtigste Information dafür liefert ihnen eine sechsrotorige Drohne, ausgestattet mit einer speziellen Wärmebildkamera.

Letztere musste sogar aus den USA importiert werden, weil es hierzulande nichts Ähnliches gibt. „Ich habe dafür ein Schreiben unterzeichnen müssen, dass ich die Kamera nicht für terroristische Zwecke verwende“, erzählt Prantl lachend.

© Thomas Boehm / TT

Zu zweit wird dann das Feld abgegangen, die Drohne fliegt in einer Höhe von 50 bis 80 Metern. Noch vor Sonnenaufgang und bei niedrigeren Temperaturen aufstehen ist jedoch angesagt, damit mit der Wärmebildkamera eindeutige Ergebnisse erzielt werden können.

Wird dann auf dem Bildschirm, den der Drohnenpilot bei sich trägt, ein Fleck angezeigt, weiß die zweite Person, was zu tun ist.

Zwei Rettungsmöglichkeiten stehen zur Auswahl: Ist das Kitz noch sehr jung, wird ein Wäschekorb über das Tier gestülpt und ein Wimpel darauf fixiert, damit der Bauer herumfahren kann. „Ist das Tier größer, trägt man es mit Handschuhen an den Feldrand, wo es die Mutter wiederfindet“, sagt Prantl. 2018 konnten auf diese Art und Weise in der Schweiz 394 Kitze gerettet werden. „Wenn es bei uns in diesem Jahr nur ein paar sind, haben wir schon etwas bewirkt“, sagt Prantl.

Bauern, die vom Angebot der Tiroler Kitz-Retter Gebrauch machen wollen, können das eigens dafür initiierte Drohnentelefon anrufen. Einige Anfragen gibt es bereits. In den nächsten Tagen wird auch eine Homepage in Betrieb gehen. Prantl hat allerdings noch größere Pläne: „Wir suchen Freiwillige, die uns bei unserer Arbeit unterstützen – etwa Drohnenpiloten“, ist ihre Vision.

Sponsoren sind ebenfalls willkommen. Bislang hat die Wennerin nämlich ihr Privatgeld in die Drohne gesteckt – womit man mit Gerät, Bewilligungen und der Ausbildung Perktolds zum Drohnenpiloten bei 10.000 Euro liegt. Doch Prantl ist zuversichtlich: „Gespräche mit Land, Landwirtschaftskammer und Jägerverband sind geplant.“

Für die Bauern ist die Suche der Tiroler mit keinen Kosten verbunden. Perktold geht es vielmehr um jedes gerettete Kitz. In ihrem Haus in Wenns tummeln sich auch noch 70 andere Tiere: von Hunden über Katzen, Esel und Pferde bis zu zahlreichen Tauben.

Das Besondere dabei: Bei „Manuelas Tierhoamat“ handelt es sich um das erste Altenheim für Tiere in Tirol. Prantl, Perktold und zwei weitere Mitarbeiter kümmern sich um die in die Jahre gekommenen Kreaturen – und über jedes Tier ließe sich eine eigene Geschichte erzählen.

Tonis Geschichte war nur eine kurze. Mit der Rettung aus der Luft fängt hoffentlich eine neue, schönere an.

Infos: Tel. 0650/9101510 bzw. www.drohnenrettung.at

Im Tierheim leben auch noch alte Katzen und sechs Hunde.
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