Bürgerservice bis Inntalcenter: In Telfer Ortskern kommt Bewegung

Die Marktgemeinde plant ein neues Bürgerservicebüro im Obermarkt – auch als Frequenzbringer. Mit dem Bau der Begegnungszone wird im März 2020 begonnen. Die Inntalcenter-Erweiterung ist nun auf Schiene.

In der ehemaligen „Triumph“-Filiale in der Obermarktstraße soll ein neues Bürgerservicebüro einziehen.
© Domanig

Von Michael Domanig

Telfs –Die Belebung des Ortskerns ist eines der zentralen Ziele, das sich die Telfer Gemeindepolitik auf die Fahnen geheftet hat. In der jüngsten Gemeinderatssitzung fiel gleich eine ganze Reihe von Beschlüssen mit direkten oder indirekten Auswirkungen auf den Ortskern.

1Neues Bürgerservice: Die Marktgemeinde plant (analog etwa zur Bezirkshauptmannschaft Innsbruck) die Schaffung eines neuen Bürgerservice-Büros. „Alle bürgerrelevanten Anliegen – von Pass über Müllsack bis Hundemarke – sollen dort an einem Ort gebündelt behandelt werden“, erklärte BM Christian Härting (Wir für Telfs, WFT). Die drittgrößte Gemeinde Tirols brauche einen solchen zeitgemäßen „One-Stop-Shop“ – zumal die Raumsituation im zweiten und dritten Stock des Rathauses nicht optimal sei, vor allem für ältere Bürger.

Geplant ist daher, im Haus Obermarktstraße 1 (ehemalige Triumph-Filiale) ein neues Bürgerservicebüro auf 130 m2 einzurichten. „Dort wären auch erweiterte Öffnungszeiten möglich, etwa am Freitagnachmittag“, meinte Härting, Zugleich soll die Gemeindeeinrichtung die Frequenz im Obermarkt steigern, „der in Sachen Leerstand schwächelt“, und die „Spange“ zum Inntalcenter verkleinern.

GR Norbert Tanzer (PZT/SPÖ) zeigte sich vom Standort nicht überzeugt, dieser sei „etwas abgekoppelt von der Gemeinde“. Zudem benötige es eine Kostenkalkulation, ehe der Gemeinderat eine solche Entscheidung treffen könne. Auch GV Angelika Mader (ÖVP) oder Ersatz-GR Wolfgang Mader (FPÖ) traten für Alternativen ein.

Für die geplante Begegnungszone im Unter- und Obermarkt wurde eine verkehrsrechtliche Prüfung in Auftrag gegeben.
© Domanig

Härting bezifferte die Planungskosten mit ca. 35.000 Euro, eine Kostenschätzung für die Adaptierung könne er noch nicht nennen, vorher wolle man sich noch weitere Bürgerservicebüros in anderen Gemeinden anschauen. Jedenfalls sei nach fünf Jahren ein Ausstieg aus dem Mietvertrag möglich, wenn sich räumlich etwas Neues ergeben sollte – etwa in den derzeitigen Räumen der Raika. Am Ende wurde mit 17 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen der Grundsatzbeschluss getroffen, das Bürgerservice im Obermarkt einzurichten. Die Anmietung soll ab 1. September erfolgen, danach die Adaptierung beginnen.

2Begegnungszone: Für die – im Rahmen des „Verkehrskonzepts 2035“ beschlossene – 20-km/h-Begegnungszone im Ortszentrum braucht es u. a. eine Prüfung durch einen Verkehrsgutachter, dieser wurde in der Sitzung beauftragt. Die Zone soll sich, wie berichtet, vom Restaurant Doremi im Untermarkt bis zur Volksbank (Obermarkt) erstrecken. Die bauliche Umsetzung soll schrittweise ab März 2020, nach der Fasnacht, erfolgen.

„Die Begegnungszone ist keine reine verkehrstechnische Maßnahme, sondern dient vor allem der Verschönerung des Ortskerns“, betonte GV Alexander Schatz (WFT), Obmann des Ausschusses für Wirtschaft und Ortszentrum. „Sie ist keine eierlegende Wollmilchsau, aber die Telfer werden sich länger und lieber im Ortszentrum aufhalten.“ Sitzmöbel, Pflasterung oder die Bespielung durch Kulturschaffende sollen dazu beitragen. Auch der angrenzende Wallnöfer-Platz soll attraktiviert werden, u. a. wird die Bücherei Telfs dorthin übersiedeln.

Schatz freut sich auch, dass mehrere private Hausbesitzer „viel Geld in die Hand nehmen“, um Häuser im Ortskern zu sanieren: Der neue Eigentümer des „Dollingerhauses“ mit der Josef-Schöpf-Büste will das markante Gebäude äußerlich so wiederherstellen, wie es sich um 1900 präsentierte. Die Übersiedlung einer Arztpraxis (vom Ärztehaus), Büro- und Wohnräume sowie ein Mehrzwecksaal sind vorgesehen. Auch das Telfer Apothekerhaus wird ausgebaut. Der Gemeinderat segnete beide Bebauungspläne ab – und traf privatrechtliche Vereinbarungen, wonach die Gemeinde die Flächen vor den Häusern für die Gestaltung der Begegnungszone nützen kann.

Die Zufahrt zum Zentrumsparkplatz soll künftig von zwei Seiten möglich sein.
© Domanig

3Zentrumsparkplatz: Künftig soll die Zufahrt auf den Zentrumsparkplatz (vormals: „Schreier-Parkplatz“) nicht nur über den Untermarkt, sondern zusätzlich auch über die Josef-Schöpf-Straße möglich sein, berichtete Verkehrsreferent Vize-BM Christoph Walch (Grüne). Für den mittleren Teil des Parkplatzes ist ein Einbahnsystem geplant.

4Inntalcenter: Die Betreiber des Einkaufszentrums planen, wie berichtet, eine Erweiterung der Kunden- und Gangflächen, ebenso ein zusätzliches Parkdeck samt Rampe und zwei zusätzliche Ausfahrten. Nach dem Einspruch eines Anrainers – der u. a. zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelastung befürchtet und die geplante Rampe als zu steil ansieht – war im Gemeinderat ein Beharrungsbeschluss nötig. GR Tanzer und GV Mader teilten hingegen die Bedenken.

Härting erklärte dagegen, dass „alle notwendigen verkehrs- und schalltechnischen Fachgutachten schon vor dem Erstbeschluss vorlagen“, alle Einwände ließen sich dadurch entkräften. Am Ende votierten 17 von 21 Gemeinderäten für den Beharrungsbeschluss.

Die Einwendungen eines Anrainers gegen die Erweiterung des Inntalcenters wurden zurückgewiesen.
© Domanig

Kommentieren


Schlagworte