Raftingboot auf Salzach gekentert: Vermutlich zwei Tote

Ein Zeuge beobachtete in der Salzach ein gekentertes Raftingboot und zwei im Wasser treibende Personen. Sie wurden tot geborgen. Derzeit läuft eine Suchaktion nach möglichen Vermissten.

Die Salzachöfen gelten in der Wildwasser-Szene als besonders schwierige Stelle.
© APA

Golling – Bei einem Raftingunfall in den Salzachöfen beim Pass Lueg sind am Montag zwei Wassersportler ums Leben gekommen. Ein Zeuge, der ein gekentertes Boot und in der Salzach treibende Personen beobachtete, alarmierte die Einsatzkräfte. Die Verunglückten wurden in Golling im Bezirk Hallein geborgen. Für den 23-jährigen Serben und einen noch nicht identifizierten Mann kam jede Hilfe zu spät.

Weil zunächst nicht klar war, ob sich noch weitere Personen in dem Schlauchboot befanden, suchten mehr als hundert Wasserretter, Feuerwehrleute und Bergeretter die Salzach und den Uferbereich flussabwärts bis Hallein nach möglichen Vermissten ab. Dabei wurden auch sechs Boote eingesetzt. Gegen 14.30 Uhr wurde die große Suchaktion beendet. Man könne davon ausgehen, dass keine weiteren Personen verunglückt sind, erklärte Einsatzleiter Peter Schluet von der Freiwilligen Feuerwehr Golling gegenüber der APA.

Männer unmittelbar nach Kentern ertrunken

Die Wassersportler starteten die private Rafting-Tour vermutlich in Tenneck (Pongau). „Wie auf einer am Boot montierten Action-Kamera ersichtlich ist, kenterte das Raftingboot kurz vor 11 Uhr im Bereich der Salzachöfen“, informierte die Landespolizeidirektion Salzburg in einer Aussendung. Die beiden Männer dürften laut Sprengelarzt vermutlich unmittelbar nach dem Kentern ertrunken sein. Einen Rafting-Sportler spülte es im Bereich Lanzenweiher in Golling an eine Sandbank. Die zweite Person, die leblos im Bereich des Autobahnzubringers Golling in der Salzach trieb, wurde von Wasserrettern geborgen, ebenso das treibende Raftingboot samt diversen Ausrüstungsgegenständen.

Laut Polizei lebte der 23-jährige Serbe in Deutschland. „Die Unfallursache und die Nationale des zweiten Toten sind Gegenstand laufender Ermittlungen“, hieß es.

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Privates Rafting ist auf der Salzach generell verboten. Die enge Schlucht hat schon einigen Kanu- und Raftingfahrern das Leben gekostet. Die Gefahr gehe vor allem von den glatten und bauchig unterspülten Felswänden aus, sagte der Salzburger Wildwasserfahrer Thomas Rötzer zur APA. „Dort, wo die Strömung direkt auf den Fels trifft, zieht sie weit nach unten. Das kann Boote umschmeißen.“

Der Abtenauer Werner Bein, ein gerichtlich beeideter Sachverständiger für Wildwassersport, sagte zur APA, dass Schwimmer in den Salzachöfen nach einem Sturz ins Wasser trotz Neopren-Anzug und Schwimmweste wenig Chancen hätten, zu überleben. „Es gibt diffizile und gefährliche Strömungen, vor allem bei der Ein- und Ausfahrt. Zudem ändern sich die Verhältnisse durch die Form der Schlucht von Mal zu Mal.“

An der heutigen Rettungsaktion beteiligten sich Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Golling, Hallein, Kuchl sowie die Betriebsfeuerwehr Austrocell mit insgesamt 100 Leuten. Im Einsatz standen auch die Wasserrettungen St. Johann im Pongau, Bischofshofen, Hallein, Schwarzach und der Stadt Salzburg mit 21 Personen sowie die Bergrettung Golling mit zehn Freiwilligen Helfern und die Polizei bzw. Alpinpolizei mit sieben Einsatzkräften. Auch das Rote Kreuz war an Ort und Stelle. (APA)

Salzachöfen: Spektakuläre Klamm mit Gefahren für Wildwassersportler

Wo in Salzburg das Tennen- und das Hagengebirge aufeinandertreffen, hat sich die Salzach im Laufe der Jahrtausende einen spektakulären Weg durch den Fels gegraben. Entstanden ist ein bis zu 90 Meter tiefer Durchbruch, der sich auch bei erfahrenen Wildwassersportlern an Beliebtheit erfreut: die Salzachöfen. Die enge Schlucht hat dabei aber schon einigen Kanu- und Raftingfahrern das Leben gekostet.

„Die technische Schwierigkeit hängt auch vom Wasserstand und vom Training und der Erfahrung ab, sie ist aber mit der Stufe 4 von insgesamt sechs Stufen nicht die größte Herausforderung“, sagte der Salzburger Wildwasserfahrer Thomas Rötzer am Montag. „Die Konsequenzen bei einem Unfall können aber dramatisch sein.“ Die Gefahr in der Schlucht gehe vor allem von den glatten und bauchig unterspülten Felswänden aus. „Dort, wo die Strömung direkt auf den Fels trifft, zieht sie weit nach unten. Das kann Boote umschmeißen.“

Dabei bestehe die Gefahr, dass Kajak- oder Raftingfahrer zu lange unter Wasser bleiben oder unter der Oberfläche an Hindernissen hängen bleiben – etwa an Bäumen, wie sie möglicherweise auch vom Hochwasser der vergangenen Woche in die Salzachöfen gespült worden sein könnten. „Wegen der glatten Wände gibt es keine Möglichkeit sich festzuhalten“, erklärte Rötzer. „Es fahren darum sehr viele Leute nicht in die Salzachöfen ein, die das von ihrem Können her sehr wohl könnten.“

Auch der Abtenauer Werner Bein, ein gerichtlich beeideter Sachverständiger für Wildwassersport, sagte, dass Schwimmer in den Salzachöfen nach einem Sturz ins Wasser trotz Neopren-Anzug und Schwimmweste wenig Chancen hätten, zu überleben. „Es gibt diffizile und gefährliche Strömungen, vor allem bei der Ein- und Ausfahrt. Zudem ändern sich die Verhältnisse durch die Form der Schlucht von Mal zu Mal.“ Der schwierige Abschnitt ist für kommerzielle Anbieter gesperrt. (APA)


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