Weiteres Schiff darf nicht in Italien anlegen, wieder Tragödie vor Libyen

Das deutsche Rettungsschiff „Eleonore“ darf nicht in Italien anlegen. Rund 100 aus Seenot gerettete Migranten befinden sich an Bord. Vor Libyen ging ein Schiff unter, mehrere Menschen starben.

Symbolfoto.
© APA/AFP/GABRIEL BOUYS

Rom – Italiens Innenminister Matteo Salvini hat dem deutschen Rettungsschiff „Eleonore“ mit rund 100 Migranten an Bord die Einfahrt in einen italienischen Hafen untersagt. Das verlautete am Dienstag aus dem Innenministerium. Die Menschen waren am Montag gerettet worden, während ihr Boot am Sinken gewesen sei, sagte die Hilfsorganisation Mission Lifeline, die die „Eleonore“ unterstützt.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) berichtete am Dienstag von einem Schiffbruch vor der Küste der libyschen Stadt Khums. 60 Migranten seien gerettet und nach Libyen zurückgeführt worden. Mehrere Leichen, darunter jene von Kindern, seien geborgen worden, twitterte die IOM am Dienstag.

Die Hilfsorganisation „Alarm Phone“, die Seenotfälle meldet, hatte davor schon den Schiffbruch im Mittelmeer gemeldet. Die Hilfsorganisation berichtete, sie habe den Anruf von einem in Seenot geratenen Boot mit 100 Personen an Bord erhalten. Das Boot befinde sich nahe der libyschen Küste. Italien und die libyschen Behörden seien benachrichtigt worden, so die Hilfsorganisation am Dienstag.

Anzahl der Opfer bisher nicht bekannt

Libysche Behörden bestätigten, es seien mehrere Menschen gestorben, noch unklar sei jedoch wie viele. „Diese Toten sind eine Verantwortung Europas. Seine Einwanderungspolitik tötet“, twitterte „Alarm Phone“.

Italiens Innenminister Salvini, der einen harten Kurs in der Einwanderungspolitik vertritt und die Aufnahme von Migranten drastisch begrenzen will, hatte zuletzt immer wieder gegen die an der Seenotrettung beteiligten Hilfsorganisationen Stimmung gemacht. Rettungsschiffen, die in Italien eintreffen, droht die Konfiszierung und eine hohe Geldstrafe. (APA, TT.com)

Irakischer Flüchtling im Ärmelkanal ertrunken

Ein irakischer Flüchtling ist offenbar bei dem Versuch ertrunken, von Frankreich durch den Ärmelkanal nach Großbritannien zu schwimmen. Die Leiche des 48-Jährigen wurde vor der belgischen Küste nahe der Stadt Seebrügge entdeckt, wie die Behörden am Montag mitteilten. Der Mann trug eine selbstgebaute Schwimmweste aus leeren Plastikflaschen sowie eine Tasche mit seinen Ausweispapieren.

„Es ist das erste Mal, dass wir die Leiche eines Migranten finden“, sagte der Gouverneur der Provinz Westflandern, Carl Decaluwé. Die Behörden vermuten, dass der Iraker von einem Strand in Nordfrankreich nach Großbritannien schwimmen wollte und von der Strömung vor die belgische Küste getrieben wurde. Dort wurde die Leiche am Freitag entdeckt.

Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga wurde die Leiche nahe eines Offshore-Windparks gefunden. Der Mann hatte demnach vergeblich versucht, in Deutschland Asyl zu erhalten.

Migranten und Flüchtlinge nehmen immer größere Risiken auf sich, um von Frankreich aus nach Großbritannien zu gelangen. Seit Jänner haben die Küstenwachen Frankreichs und Großbritanniens nach französischen Angaben rund 1450 Flüchtlinge aufgegriffen, die den Ärmelkanal auf Booten überqueren wollten. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2018.

Die Route ist wegen des dichten Schiffsverkehrs, starker Strömungen, häufigen Nebels und Wassertemperaturen zwischen 17 und 19 Grad sehr gefährlich.

Derweil kamen im Norden Griechenlands sechs Migranten bei einem Verkehrsunglück ums Leben, als Menschenschmuggler einer Polizeikontrolle ausweichen wollten. Nach Angaben der Polizei transportierten die Schmuggler 16 Menschen in einem Fahrzeug. Als sie unweit der Grenze zur Türkei einen Kontrollposten der Polizei umfahren wollten, stürzte das Fahrzeug um.

Die Menschenhändler konnten zunächst fliehen, wurden dann aber festgenommen. Angaben zur Nationalität der Opfer machte die Polizei nicht.


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