Auf das Osttiroler Matterhorn der Schobergruppe

Eine wunderschöne Tour führt auf das Matterhorn der Schobergruppe, den 3206 Meter hohen Glödis, in Osttirol. Auf den letzten 300 Höhenmetern gibt es einen Klettersteig.

Ab der Lienzer Hütte beginnt das Abenteuer Glödis so richtig, rechts über den Grat erfolgt der Aufsteig zum Gipfel.
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Debant – 53 Dreitausender zählt die Schobergruppe im Nationalpark Hohe Tauern. Mit dem Petzeck (3283m) als Höchstem, gefolgt vom Roten Knopf (3281m), dem Großen Hornkopf (3251m) und dem 3242 Meter hohen Hochschober reiht sich an fünfter Stelle der Glödis (3206m) ein.

Was die Höhe betrifft, hat es Letztgenannter nicht unter die Spitzenreiter geschafft. Faktum ist: Den Titel als formschönster Gipfel der Schobergruppe nimmt ihm aber keiner seiner Kontrahenten. Den Beinamen „Matterhorn der Schobergruppe“ trägt er deshalb zurecht. Mächtig nämlich, ähnlich wie das „richtige“ Matterhorn in Zermatt, thront der Glödis ganz hinten im Debanttal. Als imposante, scharfkantige – im ersten Moment – schier unbezwingbare und zugleich furchteinflößende Pyramide.

Die Lienzer Hütte.
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Ganz so schlimm und schwierig, wie sich der Glödis zeigt, ist seine Besteigung aber nicht. Bis auf den finalen Gipfelanstieg führen mehr oder weniger rote, aber doch steile Bergwege hinauf. Auf den letzten 300 Höhenmetern hingegen gilt es, einen gut versicherten und nicht allzu schwierigen, aber doch ausgesetzten Klettersteig (A/B/C) zu überwinden. Konditionsstark sollte man daher sein, wenn man am Glödis stehen will. Vor allem als Tagestour ist der Glödis nicht zu unterschätzen. Von Seichenbrunn aus sind es hin und retour deutlich mehr als 15 Kilometer, gespickt mit 1550 Aufstiegshöhenmetern.

Tourentipp online

Den Track zur Tour finden Sie hier.

So kommt man hin: Wir starten die Tour beim kostenlosen Parkplatz in Seichenbrunn. Dort wo auch die Materialseilbahn zur Wangenitzseehütte hinaufführt. Unser Weg führt geradeaus ins Debanttal hinein. Es ist zeitig in der Früh. Der große Parkplatz ist gut besucht. Die ersten Sonnenstrahlen werfen ihr Licht auf die Spitzen der Schobergruppe.

Auch unser Ziel, der Glödis, der wie ein Koloss, aber noch ziemlich weit entfernt vor uns steht, erstrahlt im rötlich schimmernden Morgenlicht der aufgehenden Sonne. Wir sind bereit für die Tour. Entlang der Forststraße (auch mit dem Bike möglich) führt uns der erste Abschnitt etwas mehr als 100 Höhenmeter leicht ansteigend (kinderwagentauglich) bis zur Lienzer Hütte und zu den Wirtsleuten Bernadette „Berni“ und Georg Baumgartner.

Links hinter der Hütte folgen wir nun einem Steig in nordwestlicher Richtung weiter. Zuerst noch kupiert, aber teilweise bereits über größere Felsbrocken, wandern wir bis zu einem Wegweiser. Links geht’s in Richtung Hochschober (Hochschoberhütte), rechts zum Glödis.

Die Passage des Klettersteigs kann auch umgangen werden.
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Unsere Aufstiegsrichtung dreht nach Norden. Ein kurzes Stück leicht bergab, überqueren wir über eine kleine Holzbrücke die Talseite und den Debantbach und marschieren den steiniger und steiler werdenden Pfad nach oben. Es zieht sich. Das Terrain wird zunehmend schroffer und noch steiler, bleibt aber reines Gehgelände. Auch der Moränenrücken mit einigen großen, abgeschliffenen und glatten Felsplatten stellt kein Problem dar.

Entlang des noch unversicherten Südostgrades folgen wir so lange dem Rücken weiter, bis uns ein weißes Schild den Einstieg in den Klettersteig markiert. „Süd-Ostgrad – Normalweg – 300 Höhenmeter, Einstieg 2900 Meter, seilversichert“, weist uns dieser Wegweiser auf den weiteren Routenverlauf hin.

Ein Klettersteigset ist auf jeden Fall zu empfehlen. Nicht jeder geübte Bergsteiger wird dieses aber möglicherweise verwenden. Über den versicherten Felsenrücken geht’s weiter. Herrlich ist der Tiefblick vom Grad des Glödis hinunter ins Debanttal. Und irgendwie fühlt man sich wirklich, als wäre man am echten Matterhorn unterwegs. Nur die Menschenmassen fehlen. Und das ist gut so. Doch diese findet man bei Bergtouren in der Schobergruppe ohnehin eher selten.

Am Gipfel des Glödis beeindruckt ein schönes Kreuz.
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Etwa nach 150 Höhenmetern am Klettersteig gibt es eine recht spektakuläre und leicht wackelige Seilbrücke, die aber einfach umgehen werden kann. Geschafft. Das geräumige Gipfelplateau ist erreicht. Bezwungen ist der Glödis aber noch lange nicht, denn eine Tour ist erst dann beendet, wenn man wieder sicher zurück im Tal ist. Eine alte Bergsteiger-Weisheit.

Besser könnte das Wetter nicht sein. Keine einzige Wolke ziert bei angenehmen Temperaturen den makellosen Himmel. Der Glödis mit seinem unverkennbaren Gipfelkreuz und seinem 360-Grad-Panoramablick zeigt sich heute von seiner besten Seite. Direkt vor uns, und nur ein Tal entfernt, zeigt sich Österreichs höchster Berg, der Großglockner, unweit davon der Großvenediger.

Wir würden es noch länger am Gipfel aushalten, aber es geht zurück. Entlang der Aufstiegsroute erfolgt der Abstieg zurück zur Lienzer Hütte und von dort nach Seichenbrunn. Doch der Einkehrschwung bei Berni auf der Lienzer Hütte darf freilich nicht fehlen.

Seit 34 Jahren sorgen die Baumgartners für das leibliche Wohl ihrer Gäste. Im Debanttal zuhause ist Berni Baumgartner aber schon viel länger. Bereits als Zweijährige verbrachte sie den Almensommer bei ihrer Oma auf der Gaimberger Alm.

Als Ferialkraft lernte sie die Lienzer Hütte kennen, ehe sie im Alter von 25 Jahren die Hütte selbst übernahm. Seither ist sie der Hütte verbunden und findet als Gastwirtin noch immer große Freude. Und diese fast 60-jährige Verbundenheit mit dem Debanttal und den zahlreichen Dreitausendern der Schobergruppe soll noch lange bestehen bleiben. (flex)

© TT-Grafik

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