45-jähriger Unterländer wegen Zuhälterei verurteilt

Der Mann aus dem Tiroler Unterland brachte zwei Frauen zur Prostitution und lebte nur von deren Verdienst.

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Innsbruck — Kein Einkommen, dafür aber ein Berg an Schulden — diese Lebenslage benannte ein 45-Jähriger als Grund für jene Taten, deretwegen er sich gestern am Landesgericht in Innsbruck verantworten musste. Ab Ende des Jahres 2016 soll er erst seine damalige Lebensgefährtin und später deren Cousine, beide stammen aus Serbien, zur Prostitution gebracht und ausschließlich von deren Verdienst gelebt haben. Das wäre Zuhälterei. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, drei gefälschte bulgarische Pässe erworben und sich am grenzüberschreitenden Prostitutionshandel beteiligt zu haben.

Der 45-Jährige wurde in Tirol geboren, besitzt aber die serbische Staatsbürgerschaft. Und er sollte gestern eigentlich nicht alleine auf der Anklagebank sitzen. Ein 51-Jähriger, der ähnlicher Delikte beschuldigt war und mit dem der Mann aus dem Unterland hin und wieder wegen Geschäften im Rotlichtmilieu in Kontakt stand, war beim Prozess verhindert.

Ja, er habe drei gefälschte bulgarische Pässe erworben, gab der Angeklagte gleich zu Beginn des Prozesses zu. „Ein Bekannter hat sie auf Facebook angeboten, 1000 Euro habe ich pro Stück bezahlt." Mit den Papieren wollte er seiner damaligen Freundin, deren Tochter und der Cousine der Lebensgefährtin ermöglichen, sich in Österreich aufzuhalten und hier arbeiten zu können. Ebenso gestand er nach anfänglichem Hin und Her zu, dass er sich wohl der Zuhälterei schuldig gemacht habe. „Denn wenn Sie vom Geld leben, das Frauen durch Prostitution verdienen, dann ist es nichts anderes als das", erklärte ihm die Richterin. Erst im Mai 2018, nachdem er von der Polizei verhaftet worden war, suchte er sich wieder einen Job.

Die im Tatzeitraum Freundin und inzwischen Ex erschien nicht zur Verhandlung in Innsbruck. Deren 24 Jahre alte Cousine sagte hingegen vor Gericht aus und behauptete, dass der Angeklagte sie zur Prostitution gezwungen und ihr mit dem Umbringen gedroht habe. „Das stimmt so nicht", stellte dieser klar. Der Verdacht, dass der 45-Jährige die junge Frau mit dem Ziel, sie zur Prostitution zu bringen, nach Tirol holte, erhärtete sich jedenfalls nicht.

Deshalb wurde er von diesem Anklagepunkt auch freigesprochen. Schuldig machte er sich hingegen der Beschaffung gefälschter Dokumente und der Zuhälterei. Das Urteil: eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, die bedingt nachgelassen wurde, sowie eine Geldstrafe von 1920 Euro. Da der Staatsanwalt keine Erklärung abgab, ist das Urteil nicht rechtskräftig. (bfk)


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