Drei Tote in Tirols Bergen: Wetter und Kondition als Risiko

Zwei tote Alpinisten, ein toter Kletterer. Schlechtes Wetter und zu wenig Zeit- und Kraftreserven erhöhen das Risiko bei Bergtouren enorm.

Neuschnee und schlechte Sicht gefährdeten die Bergretter bei der Bergung von drei Alpinisten auf der Wildspitze.

Von Thomas Parth

Sölden, St. Leonhard i. P., Häselgehr, Nassereith – Am Freitag um 15.30 Uhr stürzte ein Deutscher in Häselgehr auf dem Weg zur Karlesspitze ab. Der Bergsteiger war in Begleitung dreier Kammeraden, als er am Grat des Lagjochs stolperte und rund 250 Meter durch felsdurchsetztes Gelände fiel und starb. 17 Mann der Bergrettung Elbigenalp waren im Einsatz, als der Bergrettungsarzt um 20 Uhr den Tod des Verunglückten feststellte.

Ebenfalls am Freitagnachmittag stürzten drei Bergsteiger unterhalb der Nordwand der Wildspitze in eine Gletscherspalte, die TT berichtete bereits. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften im Ötz- und Pitztal konnte die Verunglückten schließlich bergen, wobei einer der Seilschaft so schwer verletzt war, dass er in der Klinik in Innsbruck verstarb.

Auch das Überqueren der Gletscherspalten war für die Bergretter gefährlich.
© ZOOM.TIROL

In beiden Fällen war eine Rettung per Helikopter aufgrund des Schlechtwetters mit Nebel und Niederschlägen sowie Dunkelheit unmöglich. „Noch vor wenigen Jahren galt das Bergsteigen im alpinen Gelände im Sommer, genauso wie das Skitourengehen im Winter, als Randsportart. Verbesserte Ausrüstung und der Trend zum Bergerlebnis erhöhen die Anzahl der Menschen auf den Bergen. Damit steigt auch die Anzahl der Unfälle“, beurteilt der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Hermann Spiegl, die Situation am Berg nüchtern. Erfahrungsgemäß seien der Tag vor einer Schlechtwetterfront sowie die ersten drei Tage danach die risikoreichsten im alpinen Gelände.

Bergführer sind Profis im Führen von Leuten, die entscheiden, wann Zeit zum Umkehren ist.
Hermann Spiegl (Landesleiter Bergrettung)

„Einerseits will man vor dem Schlechtwetter noch die Tour erledigen. Andererseits fallen Orientierung und das Erkennen von Spalten und anderen Gefahren nach Schneefällen schwerer“, begründet Spiegl. Speziell Ortsunkundigen rät er daher, „einen Bergführer mitzunehmen“, da dieser die Wettersituation in Ortskenntnis am besten einschätzen kann. „Das sind Profis im Führen von Leuten, die auch entscheiden, wann es Zeit zum Umkehren ist“, so Spiegl. Der Bergretter gibt bei der Tourenplanung zu bedenken, dass oft die zeitlichen wie körperlichen Reserven zu knapp berechnet sind. „Die Bergtour im Sommer sollte so rasch wie möglich beendet sein, um der Nacht und den schwindenden Kräften zuvorzukommen.“

In Nassereith ist ebenfalls dieses Wochenende ein 60-Jähriger bei einer Klettertour aus unbekannter Ursache zu Tode gekommen.

Gletscher: Mehrere Gefahren

Momentan sind jene Wochen, in denen die meisten Menschen im (hoch)alpinen Gelände unterwegs sind. Nicht nur deshalb erhöht sich das Risiko für Unfalleinsätze. Generell beobachten Experten mehr Gefahren auf den Gletschern: Durch den Rückgang der Gletscher (Stichwort: Klimawandel) nehme die Steinschlaggefahr zu. Gleichzeitig gebe es wegen häufiger vorkommenden Plusgraden in den Nächten mehr Flächen ohne Firnauflage (das erhöht die Absturzgefahr), erklärt Michael Larcher vom Alpenverein. Dramatisch verschlechtert hätten sich etwa die Übergänge zu Jöchern.

Der Heli barg in Häselgehr ein anderes Bergopfer.
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