Schönes „Cinderella“-Gastspiel aus Monte Carlo in St. Pölten

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Einen märchenhaften Start in die neue Saison setzte das Festspielhaus St. Pölten am Samstagabend mit einem hochkarätigen Gastspiel: Sergej Prokofjews „Cinderella“, choreografiert von Jean-Christophe Maillot für Les Ballets de Monte-Carlo, beeindruckte mit einem wahren Füllhorn an wunderschönen Szenen.

„Ohne Märchen ist das Leben viel zu traurig“, wird Maillot im Programmheft zitiert. Auch wenn die Produktion schon 20 Jahre alt ist, wirkt sie immer noch frisch und vital und erzählt die Geschichte vom Aschenputtel mit viel Fantasie und köstlicher Ironie auf originelle Weise nach. Dabei erstaunt - neben Einfallsreichtum und Virtuosität - die Präzision in all den turbulenten Konstellationen. Ließe man eine Filmaufnahme des Abends ablaufen, ergäbe wahrscheinlich jedes beliebige Filmstill ein gelungenes Setting.

Die Personen sind überaus facettenreich gezeichnet (bisweilen herrlich skurril überzeichnet), das nuancierte körpersprachliche und mimische Ausdrucksrepertoire des Ensembles scheint unbegrenzt. In der Titelrolle bezaubert Anjara Ballesteros mit einer Mischung aus Fragilität und Lebensfreude, Simone Tribuna ist ein überzeugender Prinz, Matej Urban ein charaktervoller Vater.

Sehr raffiniert sind die Kostüme entworfen, die mit froher Farbigkeit und kessen Perücken im von teilweise spiegelnden mobilen Wänden geprägten Bühnenbild von Ernest Pignon-Ernest hervorragend zur Geltung kommen. Der gläsernen Schuhe bedarf es übrigens nicht, denn an Cinderellas Füßen haftet zarter Feenstaub: eine schöne, poetische Abwandlung des Motivs.

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