Mobilität der Zukunft: “Erlebnis Auto geht verloren“

Peter Cöllen von Vorwerk & Sohn spricht am MCI über die Zukunft der Autoindustrie.

Peter Cöllen von Vorwerk & Sohn hat zahlreiche Veränderungen erlebt.

Von Verena Langegger

Innsbruck –Peter Cöllen, Geschäftsführer des Autozulieferers Vorwerk & Sohn GmbH & Co. KG ist ein Optimist. Und seine Berufslaufbahn gibt ihm jedes Recht dazu. Das mittelständische Familienunternehmen Vorwerk – aktuell übernimmt Cöllens Sohn in achter Generation die Leitung – hat in den vergangenen 200 Jahren Veränderungen immer erfolgreich gemeistert. Den Grund dafür sieht Cöllen auch in der Familie: „Einen Nachfolger zu finden, war nie ein Problem“, und: „Als nicht börsennotiertes Familienunternehmen sind wir nicht abhängig von Kursschwankungen.“

Cöllen beschreibt die Geschichte des Unternehmens von der Handweberei zu den Teppichwerken inklusive Staubsaugern und die Abspaltung jener Sparte, die sich um 1900 entschied, Schweißblätter herzustellen und schließlich zum Zulieferer der Autoindustrie wird, denn „Autos haben viel Gummi“.

Cöllen erkennt den Zeitgeist, aber „wir wollen mit unseren alten Produkten noch so viel Geld verdienen wie möglich“. Globalisierung, Digitalisierung und Klimaschutz seien aktuell die größten Herausforderungen für die (deutsche) Autoindustrie. Vorwerk hat bereits ein Werk in China, aktuell sind Technologiezentren in den USA und China geplant.

Was wirklich in puncto Mobilität passieren wird, sei noch nicht klar, nur: Der Automarkt in Europa und den USA sei gesättigt. Und: „In Peking wird nicht auf zwei-, sondern auf achtspurigen Stadtautobahnen gestaut.“ Die Zukunft des Automobils ist für Cöllen unsicher. Und keinesfalls wird Autofahren das sein, was es war. Für autonomes Fahren brauche es etwa kein Lenkrad. Damit gehe das Erlebnis Auto aber verloren. Für Cöllen ist „das Auto auf dem Weg vom Statussymbol, vom Zeichen für Sportlichkeit zum Fortbewegungsmittel“. In naher Zukunft werde sich in Deutschland zeigen, wer mit wem kooperiert, wenn es um autonome Systeme gehe. Die hohe Qualität der deutschen Autoindustrie (mit ihrem hohen Preis) brauche es dann wohl eher nicht mehr.


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