Die Nachlese: Lungenfacharzt Puelacher beantwortete Leserfragen im TT-Chat

400.000 Österreicher sind an COPD erkrankt. Lungenfacharzt Christoph Puelacher beantwortete am Dienstag dazu Leserfragen im TT-Chat.

Christoph Puelacher zu Gast im TT-Chat.
© Rauth

Von Theresa Mair

Innsbruck — 283 Stufen führen auf die Innsbrucker Bergiselschanze. Monika Oberdorfer aus Zirl will am 20. November ganz nach oben steigen. „Egal, wie lange ich dafür brauche", sagt sie. Hauptsache, sie bekommt genug Luft und gerät nicht außer Atem. Denn die Lunge ist die Schwachstelle der Zirlerin. Wie jeder zehnte Österreicher über 40 ist sie nämlich an der chronischen Lungenkrankheit COPD erkrankt. Doch davon lässt sich die 70-Jährige nicht unterkriegen. Mit ihrer Aktion will sie zeigen, dass man trotz COPD noch leistungsfähig ist und mit körperlichem Training das Beste für die Gesundheit herausholen kann. Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht.

TT-Chat

Christoph Puelacher beantwortet heute von 13 bis 14 Uhr Ihre Fragen zu COPD im TT-Chat. Sie können uns bereits jetzt Ihre Fragen via E-Mail an forum@tt.com schicken.

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Vor einem Jahr hat Oberdorfer aus der Zeitung von der MyCOPD-Challenge erfahren. Der Wiener Eberhard Jordan, selbst COPD-Betroffener, hat die Aktion ins Leben gerufen, um Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen. Er hat im vergangenen Jahr den Südturm des Stephansdoms über die Treppe erklommen. Heuer will er mit der Besteigung des Donauturms noch eins drauflegen. Das hat Monika Oberdorfer beeindruckt. Sie ist mit Jordan in Kontakt getreten und hat auf seine Anregung hin die MyCOPD-Challenge auch nach Tirol geholt. Unterstützung dafür fand sie bei Christoph Puelacher, Lungenfacharzt in Telfs und Innsbruck.

Mit Günter Krug, Gerhard Baumann und einer COPD-Betroffenen aus Vorarlberg hat Oberdorfer bereits Mitstreiter gefunden, die sie am Welt-COPD-Tag bei ihrem Vorhaben begleiten werden. „Wer uns anfeuern will, ist bei der MyCOPD-Challenge herzlich willkommen", freut sich Oberdorfer auf Zuschauer.

283 Stufen führen auf die Innsbrucker Bergiselschanze.
© Thomas Boehm / TT

Selbstverständlich werden alle Teilnehmer von Therapeuten überwacht, die Puls, Sauerstoffsättigung im Blut sowie den Blutdruck ständig im Auge behalten. „Die Therapeuten sind die Schrittmacher. Wenn man nicht hudelt und nicht in Panik gerät, dann kann man das schaffen", sagt Puelacher.

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7-wöchiges Trainingsprogramm zur Vorbereitung

Im Vorfeld haben sich die COPD-Patienten zusammen mit ihm im ambulanten Reha-Zentrum „Reha Innsbruck" ein ambitioniertes 7-wöchiges Trainingsprogramm zurechtgelegt. Oberdorfer, die zufällig von ihrer Erkrankung erfahren hat, nachdem sie sich von einer Lungenentzündung nur schwer erholte, geht dreimal pro Woche trainieren, um Ausdauer, Kraft und Atemtechnik (Atem- und Atemmuskeltraining) zu verbessern.

Letztere ist für COPD-Erkrankte essenziell. Langes Einatmen und noch längeres, sauberes Ausatmen über die Lippenbremse verhindern etwa, dass die Lunge überbläht. „Bewegung ist das effektivste Medikament bei COPD — in jedem Stadium. Gleichzeitig tut man etwas gegen Osteoporose, gegen Muskelschwäche und für die Stimmung", betont Puelacher. Man könne die Krankheit zwar nicht heilen, aber stoppen. Es gehe darum, mit COPD gut umgehen zu lernen und sozialen Rückzug zu verhindern. Denn die Diagnose COPD setze oft eine Abwärtsspirale in Gang, an deren Ende Pflegebedürftigkeit stehe — wenn man nichts dagegen tut.

COPD ist eine schleichende Erkrankung, bei der die Lungenbläschen als auch die Bronchien zugrunde gehen. „Während bei einem Gesunden die Oberfläche der Lungenbläschen noch jener des Tivoli-Stadions entspricht, bleibt bei COPD IV nur noch der Raum vor dem Tor", vergleicht Puelacher. Oft sind Raucher betroffen, aber — wie im Fall von Oberdorfer — nicht immer. Ein Auslöser kann z. B. auch ein Reflux sein. Die ersten Symptome treten in der Regel ab dem 40. Lebensjahr auf und äußern sich in Kurzatmigkeit, Husten und Auswurf. Wichtigstes Instrument zur Diagnose ist ein Lungenfunktionstest.


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