Der Kampf gegen Menschenhändler: Ermittler auf der Spur des Geldes

In Wien wurde eine Anleitung für ermittelnde Behörden im Kampf gegen Menschenhändler vorgestellt, die neben einer umfassenden Analyse auch konkrete Empfehlungen für den Aufbau und die Ausgestaltung von kriminalistischer Arbeit beinhaltet.

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Wien – Menschenhandel gehört zu den profitabelsten „Sparten“ der organisierten Kriminalität, mit einem geschätzten Profit für die Täter von rund 135 Milliarden Euro weltweit jährlich, lukriert durch Ausbeutung der Opfer als moderne Sklaven. Hand in Hand damit geht Geldwäsche. „Folge dem Geld“ empfiehlt daher die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) den Ermittlern.

In der Wiener Hofburg wurde am Montag eine Anleitung für ermittelnde Behörden im Kampf gegen Menschenhändler vorgestellt, die neben einer umfassenden Analyse auch konkrete Empfehlungen für den Aufbau und die Ausgestaltung von kriminalistischer Arbeit beinhaltet. Der Fokus liegt auf der Spur des Geldes, die zu den Tätern und deren Hintermännern führt.

Jeder OSZE-Staat betroffen

Denn Menschenhandel gilt als Paradebeispiel für von Gewinnsucht motiviertes Verbrechen, und die hohen Einnahmen stammen direkt aus der Ausbeutung von Menschen – jeweils Tausenden Frauen, Männern und Kindern, die Tag für Tag rund um den Globus für verschiedene Zwecke, zumeist aber Arbeits- und/oder sexuelle Ausbeutung, missbraucht werden. Betroffen sei jeder einzelne der 57 OSZE-Teilnehmerstaaten und darüber hinaus sowie im Grunde jeder Bereich des wirtschaftlichen Systems, so die OSZE.

Das Element Ausbeutung – ermöglicht durch Nötigung oder Gewalt – unterscheidet den Menschenhandel von der Schlepperei. Menschenhändler operieren mit den Mitteln von Schuldknechtschaft oder Leibeigenschaft, Zwangsarbeit und sexueller Ausnutzung. „Jeder kann ein Opfer sein, ungeachtet von Herkunft, Geschlecht, Alter oder Rechtsstellung“, erläuterten die Experten in ihrem Bericht. Zudem müssen Betroffene nicht zwingend Landesgrenzen überqueren, Menschenhandel kann sich auch innerhalb eines Staates abspielen. Demgegenüber steht der Menschenschmuggel. Betroffene entscheiden sich, auf illegalem Weg zu migrieren. Die Straftat umfasst in jedem Fall den unrechtmäßigen Grenzübertritt oder das Gewähren von Unterschlupf für jemanden, der so ins Land gelangt ist.

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Kampf gegen Menschenhändler organisieren

Wie man als Ermittlungsbehörde den Kampf gegen die Menschenhändler organisieren kann, erläutert die OSZE in elf Punkten, vom Aufbau einer zentralen Stelle, die alles im Blick hat, über digitales Fall-Management und ausreichende Ressourcen bis hin zur Möglichkeit, auf externe Experten etwa für Steuern und Immobilien zurückzugreifen. Enthalten ist auch eine umfangreiche Checkliste, die potenziell verdächtiges Verhalten aufzeigt.

So sollten die Alarmglocken schrillen, falls eine Person Dokumente und Geld eines anderen Menschen besitzt, behauptet verwandt zu sein, ohne wichtige Details über den anderen zu kennen, und generell für ihn oder sie spricht und bei allen Interaktionen anwesend sein will; ebenso falls Formulare in verschiedenen Handschriften ausgefüllt wurden oder versucht wird, ein Bankkonto mit Dokumenten eines nicht anwesenden Dritten oder für einen Minderjährigen zu eröffnen. Auf Betroffene können laut den Experten u.a. folgende Merkmale zutreffen: ärmliche Kleidung oder mangelnde Hygiene, blaue Flecken und andere Anzeichen für Gewalt, ebenso wie Angst oder Depression, Unterernährung und verwirrtes Auftreten.

Genaueres Hinsehen kann helfen

Genauer hinsehen sollte man weiters, wenn Umstände wie zum Beispiel folgende zutage treten: Eine Vielzahl von Personen mit unterschiedlichen Nachnamen ist an derselben Adresse gemeldet. Vermögen wird unter verschiedenen Namen registriert, für Geschäftskonten werden Strohmänner vorgeschoben, eine hohe Anzahl von Bankkonten wird gleichzeitig eröffnet und geschlossen, Verdächtigen verwenden zahlreiche Mobiltelefone, auch hohe Beträge werden bar bezahlt.

„Was verknüpft die folgenden Vorgänge?“, fragt die OSZE, und zählt auf: Bareinzahlungen bei verschiedenen Banken oder Bankomaten, Hotelbuchungen von derselben Person für zwei getrennte Zimmer zum selben Datum, exzessives Nutzen von Fahrgemeinschaften nach Mitternacht, häufige Einkäufe in kurzer Zeit in Drogerien, Bekleidungs- und Kosmetikgeschäften. Es handle sich möglicherweise um Hinweise, dass hinter verdächtigen Transaktionen Menschenhandel steckt. Die Publikation werde hoffentlich das Bewusstsein stärken, wie zentral die finanztechnischen Ermittlungen im Kampf gegen die Machenschaften seien, sagte der zuständige OSZE-Koordinator Valiant Richey. (APA)

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