Tiroler Gschwentner will auf der Welle des Erfolgs weiterschwimmen

Mit Silber beim Schwimm-Weltcup in Doha zeigte der Tiroler Xaver Gschwentner international auf – und er bekam Lust auf mehr Medaillen.

Delfinspezialist Xaver Gschwentner streckte seine Arme in Richtung Weltspitze.
© gepa

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –Selbst im Schwimmen gibt es Durststrecken. Auch langatmige. Seit August 2017 vermochte Xaver Gschwentner seine Bestzeit über 200 m Delfin nicht mehr zu unterbieten. Ein Jahr später bei seiner ersten Langbahn-EM in Glasgow gelang ihm zumindest noch eine Verbesserung um sechs Hundertstelsekunden. „Aber das ist praktisch gar nichts über diese Strecke“, sagt der 20-Jährige. Als diesen Sommer auch noch sein Vertrag als Heeressportler nicht verlängert wurde, schien der Tiefpunkt erreicht. „Die Sinnfrage stellte ich mir zwar nicht, aber natürlich muss man sich überlegen, wie es auch finanziell weitergehen soll“, beschreibt der Innsbrucker, der seit drei Jahren im BLZ Südstadt trainiert.

Gschwentners Eltern springen als Sponsoren ein, wenn mit Ende November seine HSZ-Zeit ausläuft. „Sie unterstützen mich noch einmal. Ich habe letztes Jahr so gut trainiert, aber es ist leider nicht aufgegangen“, sagt der SCI-Schwimmer, Junioren-WM- und -EM-Starter. Ein Studium wolle er beginnen, auch versuchen, einen Job für Samstagnachmittag zu finden – einer der wenigen Halbtage, an denen er nicht trainiert.

Nur der Olympiasieger war schneller: Xaver Gschwentner (l.) beim Weltcup in Doha neben dem Südafrikaner Chad le Clos.
© Privat

Abzutauchen kam für Gschwentner aber nie in Frage, sagt er: „So kann ich das alles nicht stehen lassen. Ich will mir nicht vorwerfen, nicht alles gegeben und probiert zu haben.“ Vergangenen Freitag tauchte der Tiroler aber ohnehin groß auf: Beim Weltcup in Doha schwamm er in 1:58,66 Min. zu Silber und unterbot erneut das Limit für die Langbahn-EM (Mai/Budapest). Schon bei den Weltcups in Berlin war als Vierter und in Kazan als Fünfter das Podest mit Bestzeiten (Tiroler Rekorde) in Reichweite gelegen: „Ich bin so erleichtert, dass es geklappt hat. Das war das bislang Coolste überhaupt, das ich erlebt habe.“

Einzig Chad le Clos, Olympiasieger von 2012 und zweifacher Silbermedaillengewinner in Rio, war schneller – um eine Sekunde. „Ich habe ihn während des Rennens nicht gesehen, mich darauf konzentriert, vor den anderen zu bleiben“, erzählt Gschwentner. Die letzten 50 m seien dann perfekt gelaufen. „So wie auch die Siegerehrung“, sagt er lachend.

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Warum es ausgerechnet jetzt so gut lief, kann er sich nicht eindeutig erklären. Er sei heuer nie krank gewesen, vielleicht habe das Höhentrainingslager zuvor in der Sierra Nevada den Ausschlag gegeben: „Und ich war auch frei im Kopf, der Druck wegen des HSZ weg.“ Längst hat ihn allerdings der Trainingsalltag wieder, die Welle des Erfolgs will er aber mitnehmen – zur Kurzbahn-EM im Dezember in Glasgow und dann eben zur Langbahn-EM im Mai. Und das Olympia-Limit? Das liegt bei 1:56,48 Min.: „Da fehlt schon noch ein bisschen was, aber ich werde weiterhin alles geben.“


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