Kampf gegen hellen Wahnsinn: „Noch viel Handlungsbedarf in Tirol“

Einleitung: Seit 20 Jahren sensibilisiert Tirols Umweltanwaltschaft zum Thema Lichtverschmutzung. Laut Johannes Kostenzer ist noch längst nicht alles erledigt.

Kaum ein dunkler Fleck bleibt, wie der Blick auf Innsbruck zeigt. Zu viel oder falsches Licht schadet Menschen und Tieren.
© Christoph Malin

Innsbruck –Besonders jetzt, in den letzten Wochen des Jahres, wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, blinkt und funkelt es in allen Straßen und an vielen Häusern. Lampen und Lichterketten wollen die Menschen in die richtige Stimmung bringen, immerhin steht Weihnachten vor der Tür. Doch das viele Licht hat auch seine Schattenseiten. Die völlige Abwesenheit von Dunkelheit wird auch Lichtverschmutzung genannt und kann viele negative Folgen für Tiere und Menschen haben.

In Tirol wurde das Problem bereits vor langer Zeit als solches erkannt. Auf Betreiben der Landesumweltanwaltschaft und gemeinsam mit dem Tiroler Landesmuseum wurde im Jahr 1999 die Initiative „Helle Not“ gestartet, um auf das Phänomen hinzuweisen und die Bevölkerung für die Gefahren zu sensibilisieren.

Johannes Kostenzer hätte bei seinem Amtsantritt als Umweltanwalt vor inzwischen elf Jahren das Projekt fast eingemottet, wie er selbst zugibt. „Es kam mir verstaubt und nicht mehr zeitgemäß vor.“ Nachdem er sich aber in die Materie eingelesen hatte, sei ihm bewusst geworden, wie wichtig das Thema ist. Und aufgrund fortschreitender Technisierung in den wachsenden urbanen Gebieten werde es „sogar immer wichtiger“. Laut Kostenzer sei die Initiative breiter aufgestellt. „Zu Beginn beschäftigte sich ‚Helle Not‘ vor allem mit den Auswirkungen von Licht auf die Population von Schmetterlingen und Faltern.“ Vor zehn Jahren habe er angefangen, den Fokus auch auf die Störungen anderer Tiere und des Menschen zu legen.

Unter Lichtverschmutzung ist die Überlagerung von natürlichem durch Kunstlicht zu verstehen. Dadurch werden die Lichtverhältnisse in den Dämmerungs- und Nachtstunden beeinflusst. Die Nachtruhe und der menschliche Hormonhaushalt können belastet werden, sogar ganze Ökosysteme. Auch Schäden der Netzhaut sind nicht ausgeschlossen. Lichtsmog, vor allem bei großen Städten wie Innsbruck, bringt den Sternenhimmel zum Verschwinden.

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„In klaren Nächten kann man von einigen Tiroler Bergen aus den Lichtkegel von München erkennen“, umreißt Umweltanwalt Kostenzer die dramatische Situation. Zwar habe in den vergangenen 20 Jahren viel Bewusstsein geschafft werden können, „es hat sich sehr viel Gutes getan“. Es seien beispielsweise – auch durch Anregungen der Tiroler Licht-Initiative – bundesweite Leitfäden und Richtlinien für Beleuchtung im öffentlichen Raum herausgegeben worden. Aber, gibt er zu bedenken: „Es ist nicht so, dass alles erledigt ist. Viel Handlungsbedarf besteht noch. In der nahen Zukunft wollen wir verstärkt auf das Verschwinden des natürlichen Nachthimmels hinweisen.“ (bfk)


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