Mader: „Planlos zu sein, war für mich das Schlimmste“

Turnerin Mader schaffte die Olympia-Qualifikation, ist als Zweitbeste Österreichs aber Ersatz. Auf ein Ticket zu hoffen, fällt ihr dennoch schwer.

Einmal mehr meisterlich am Stufenbarren: Österreichs Mehrkampf-Meisterin Jasmin Mader streckt sich weiterhin nach den Ringen.
© gepa

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –„Und wie geht’s bei dir jetzt weiter?“ Eine Frage, die Jasmin Mader zuletzt so gar nicht hören konnte. „Ich hoffte, dass mich keiner darauf anspricht. Planlos zu sein, war das Schlimmste für mich. Mit diesem Gefühl konnte ich gar nichts anfangen“, gesteht die 26-Jährige.

Trotz erfolgreicher WM platzte der große Traum von den Olympischen Spielen 2020: Nur eine Österreicherin darf in Tokio starten, Teamkollegin Elisa Hämmerle kam auf 0,79 Punkte mehr als Mader. Jetzt ist die Tirolerin Ersatzturnerin: „Es ist schräg. Irgendwie hofft man dabei zu sein und dann doch auch wieder nicht, weil dann müsste ja etwas mit Elisa sein.“ Konkurrentin Hämmerle ist eine jahrelange Freundin, zudem hatte die Vorarlbergerin bis zum Frühjahr knapp zwei Jahre lang in Innsbruck trainiert, ehe sie in die Niederlande wechselte.

Dabei ist die Situation für Mader nichts Neues: Schon 2016 war sie Olympia-Ersatzfrau gewesen, damals allerdings für die Qualifikation einen Monat vor den Spielen beim Test-Event in Rio. Und bekam einen überraschenden Einsatz, weil sich Hämmerle in Brasilien die Achillessehne gerissen hatte. „Das war zach. Ich war daheim, als das Telefon klingelte. Wenige Stunden später saß ich im Flieger, landete nach zehn Stunden in der Früh und musste am Abend turnen“, erzählt sie.

Nach zwei von vier Geräten war sie noch vor Lisa Ecker, Österreichs späterer Olympiastarterin, gelegen. „Was wäre gewesen, wenn ...? Solche Gedanken darf man sich aber nicht machen. Was vorbei ist, ist vorbei“, denkt Mader laut.

Ihre Karriere soll aber noch nicht vorbei sein, selbst wenn sie nach der WM im Oktober kaum Lust gehabt habe zu trainieren: „Aber das ist eigentlich immer so. Da geht es uns Turnern allen gleich. Zu diesem Saisonzeitpunkt ist die Luft raus.“ Dennoch holte sich die Innsbruckerin am Wochenende bei den Staatsmeisterschaften in Graz ihren zweiten Mehrkampftitel nach 2016: „Schön, dass es geklappt hat, weil die Staatsmeisterschaften noch nie so mein Wettkampf waren.“ Das Tief nach der WM scheint demnach überwunden, ein Ziel wieder da. „Außerdem“, so sagt sie, „würde ich mir wohl in den Allerwertesten beißen, wenn ich jetzt meine Karriere beende und sich dann doch eine Chance auf Tokio auftun würde.“

Mader macht also weiter. Zumindest bis 2020 und wohl auch noch darüber hinaus. „Wahrscheinlich werde ich nie aufhören“, glaubt sie lachend. Irgendwie blieben Turner dem Sport lebenslang verbunden. Auch mit ihrem inzwischen abgeschlossenen Studium (Bachelor Mode-Design) gebe es Verbindungen. Sie hilft bei der Auswahl der Dressen bzw. der Aufdrucke auf Nationalteamshirts. „Aber Turnanzüge zu gestalten ist nicht mein Berufsziel“, wehrt sie ab, sportliche Mode zu entwerfen, sei mehr das Ihre.

Um davon leben zu können, dauere es aber wohl noch, vermutet Mader, die als Erzieherin und beim Kinderturnen aushilft. Mit wenig auszukommen ist sie ja gewohnt: „Es glaubt einem ja keiner, dass man als Turner gar nichts verdient.“ Das sei ihr erst unlängst beim Studium wieder einmal bewusst geworden. Dabei traf sie auf einen Fußball-Profi und einen Eishockeyspieler. „Beide beziehen ein gutes Einkommen und waren überrascht: ,Du musst deinen Sport aber sehr lieben‘, sagten sie. Ja, das tue ich wirklich.“


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