Islam-Verband diskutiert über Moschee-Steuer

Vor einem Jahr hat sich der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Ümit Vural gegen eine Moschee-Steuer ausgesprochen. Nun ist das nicht mehr so.

Ümit Vural ist seit Dezember 2018 Präsident der IGGÖ.
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Von Serdar Sahin

Wien –Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), die rund 500.000 Muslime vertritt, finanziert sich derzeit durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. IGGÖ-Präsident Ümit Vural reicht das nicht. „Wir diskutieren intern über eine Moschee-Steuer“, sagt er im TT-Interview.

Der Grund: „Es fehlt derzeit die Attraktivität des Imam-Berufs.“ Menschen, die als Imam arbeiten wollten, würden berufliche Sicherheit benötigen, sagt Vural. „Diese Sicherheit könnten wir ihnen bieten, wenn wir die Imame bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft beschäftigen und sie ihr Gehalt von uns bekommen.“

Zudem habe die Islamische Glaubensgemeinschaft 2015 – seitdem das neue Islamgesetz gilt – die Agenden der Vereins­polizei übernommen. „Das haben früher Beamte im Innenministerium gemacht. Wir bekommen dafür keine finanzielle Vergütung vom Staat. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir diese Institution weiter professionalisieren wollen. Dafür sind finanzielle Ressourcen nötig.“

Vural hat deshalb eine interne Diskussion angestoßen, „um die IGGÖ fit für die Zukunft zu machen – und den Imamen eine bessere berufliche Perspektive zu bieten“.

Den Ausgang nahm die Debatte über eine Moschee-Steuer Ende 2018 in Deutschland – und sie schwappte bald nach Österreich über. Ex-ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz befürwortete eine solche Steuer. Doch Vural winkte damals ab. Der nunmehrige Schwenk sei dem Mangel an Imamen geschuldet – wegen des Verbots der Auslandsfinanzierung, heißt es. Zudem würden Religionslehrer vom Staat bezahlt, Imame direkt von der jeweiligen Moschee-Gemeinde finanziert. Letzteren würde damit Sicherheit fehlen.


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