Eine optimistische Reise ins Glück

Erwin Wagenhofer macht sich in „But Beautiful“ auf die Suche nach dem Glück und den Grenzen des Wachstums.

Waldliebhaber Erwin Thoma aus Goldegg im Pongau schaukelt in seinem Holzhaus.
© Filmladen

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –Glück ist vielseitig. Deshalb sucht es Erwin Wagenhofer in seinem neuen Dokumentarfilm auch nicht bei einem Protagonisten. Porträts von drei Orten mit ihren Menschen kombiniert er mit drei musikalischen Glückserfahrungen. Und auch Tenzin Gyatso, besser bekannt als aktueller Dalai Lama, und seine Schwester Jetsun Pema dürfen ihre buddhistischen Lebensweisheiten beisteuern, die auch den Untertitel des Films liefern: „Nichts existiert unabhängig.“ Die Reise geht von Goldegg im Pongau und La Palma über New York und Mexiko bis nach Rajasthan und das tibetische Exil-Zentrum in Dharamsala in Indien.

Wofür sich Wagenhofer – nach seinen kritischen Erfolgs-Dokus „We Feed the World“, „Let’s Make Money“ und „Alphabet“ – am Anfang dieser Reise genau interessiert hat, ist im Endergebnis dieses Collage-Films nicht mehr auszumachen. Das abstrakte Thema von „But Beautiful“ ergibt sich aus dem Zusammenspiel zunächst so unterschiedlicher Teile.

Da spricht der Pongauer Förster und Holzhausbauer Erwin Thoma über das „Geheimnis, den Zauber vom Wald“ und erklärt anhand der Ringe das 200-jährige Leben eines Baumes. Sanjit Bunker Roy führt durch sein „Barefoot College“, wo er Frauen aus aller Welt in bester Empowerment-Philosophie zu praktischen Solartechnik-Ingenieurinnen ausbildet. Und die Schweizer Barbara und Erich Graf erzählen von ihrem Leben als autarke Aussteiger in La Palma. Sie sind nun Selbstversorger und Perma­kultur-Landwirte. Sie alle erzählen über ihren Weg zu einem guten Leben.

Erwin Wagenhofer und seine Mitstreiterin Sabine Kriechbaum bleiben auf der Suche nach dem Glück unsichtbar, ohne Voice-over oder Fragen aus dem Off.

Damit bleiben zuweilen einzelne, allzu einfache Sätze der Protagonisten unhinterfragt stehen, die durchaus neugierig auf weitere Ausführungen machen und von ein wenig Kontrast und Widerspruch profitieren würden.

Was „But Beautiful“ aber über das recht simpel gehaltene Inhaltlich-Dokumentarische hinaus zu einem Filmerlebnis macht, ist die beeindruckende, dynamisch-entspannte Montage. Fast wie in einem Terrence-Malick-Spielfilm fließt die Erzählung über das gute Leben und nützt Musiker als gefühlvolle Begleitung. Diese spielen und singen nicht nur, sondern sprechen auch über ihren unakademischen, emotionalen Musik-Zugang.

„But Beautiful“ wendet sich anders als so viele Dokus positiven Beispielen zu. Ein konflikt­freier, aber zutiefst optimistischer Film.


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