Orangenes Dachl: Tirol setzt Zeichen gegen Gewalt an Frauen

16 Tage machen das Goldene Dachl und der Innsbrucker Stadtturm mit oranger Beleuchtung darauf aufmerksam, dass die Zahl der von Gewalt betroffenen Frauen sehr hoch ist.

Markante Gebäude wie das Goldene Dachl in Innsbruck werden als Zeichen gegen Gewalt an Frauen orange angestrahlt.
© Thomas Böhm

Innsbruck, Kufstein – Die Zahlen sind erschreckend. Heuer wandten sich bereits 1211 Opfer von häuslicher Gewalt an das Gewaltschutzzentrum Tirol. Mitbetroffen waren auch über 700 Kinder. Für Frauen sind die eigenen vier Wände der gefährlichste Ort. Frauenorganisationen und -institutionen wollen landesweit darauf aufmerksam machen. Am Montag, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, fiel der Startschuss für eine 16-tägige Aktions- und Veranstaltungsreihe.

16 Tage machen das Goldene Dachl und der Innsbrucker Stadtturm mit oranger Beleuchtung darauf aufmerksam, dass die Zahl der von Gewalt betroffenen Frauen sehr hoch ist.
© Thomas Böhm / TT

Es werden beispielsweise in den kommenden zwei Wochen Wahrzeichen in ganz Tirol – vom Goldenen Dachl in Innsbruck bis zur Festung in Kufstein – nach Einbruch der Dämmerung orange beleuchtet. Fahnen an einigen Rathäusern im Land sollen auf die prekäre Situation hinweisen. Besonders aktiv sind die Einwohner Kufsteins, so forderten Schüler der HLW FE gestern bei einer Demonstration am Oberen Stadtplatz, nicht mit Scheuklappen durchs Leben zu gehen.

In Kufstein gingen am Montag zahlreiche Aktivisten auf die Straße.
© Hrdina

Brigitte Winkler, Geschäftsführerin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Kufstein, berichtet, dass ihre Einrichtung etwa 300 Klientinnen jährlich betreut. Etwa ein Viertel davon sei Opfer von Gewalt, „ob physisch, psychisch oder ökonomisch“, weiß sie. Winkler will besonders die Politik zur Verantwortung ziehen: „Die aktuellen Strafrahmen bei Gewalt an Frauen gehören erhöht und ausgeschöpft.“

Und auch in Innsbruck wurde demonstriert.
© Thomas Boehm / TT

„Gerade bei Gewalt in Familie, Ehe oder Partnerschaft zeigen sich die Nähe und die Abhängigkeit zwischen Opfer und Täter deutlich“, betont Frauenlandesrätin Gabriele Fischer. Gefährdet seien daher besonders Frauen ohne existenzsicherndes Einkommen, aber auch solche mit Behinderungen oder im hohen Alter.

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Frauen und Mädchen mit Behinderungen würden beispielsweise signifikant häufiger missbraucht, erklärt Sozialwissenschafterin Petra Flieger. „Sie benötigen im Alltag immer wieder Unterstützung – für Körperpflege, für persönliche Mobilität oder Kommunikation. Je nachdem, wie ihnen ihr Umfeld diese Unterstützung gewährt, erleben sie Abhängigkeit“, sagt Flieger. Ein starkes Abhängigkeitsverhältnis erhöhe das Risiko, Gewalt zu erleben.

Beratungsstellen, Informations- und Sensibilisierungsarbeit könnten helfen, Gewalt zu verhindern, bevor sie zur Anwendung kommt, glaubt Landesrätin Fischer. „Die 16 Tage gegen Gewalt sind ein Teil davon. Doch eigentlich sollten 365 Tage gegen Gewalt die Normalität sein.“ (TT, jazz)


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