Die Zukunft ist elektrisch: Dem „E“ drückte Mercedes den Stempel auf

Der Formel-E-Auftakt in Saudi-Arabien brachte neue Sieger, aber auch alte Problematiken mit sich. Das große Plus sind die begrenzten Kosten.

© imago images/Kräling

Von Daniel Suckert

Innsbruck — „Wir sind die zweitbeste Serie nach der Formel 1", sagte Formel-E-Promoter Alejandro Agag lange vor dem Saisonstart am vergangenen Wochenende in Saudi-Arabien. Das werden DTM- (Deutsches Tourenwagen Masters) oder Rallye-Anhänger wohl etwas anders sehen. Richtig ist aber Agags zweite Ansage: „Die Zeiten, in denen es um das nackte Überleben geht, sind vorbei. Jetzt geht es darum, den nächsten Schritt zu machen. Die Zukunft ist elektrisch." Die Rennserie erfreut sich vor allem unter den Autobauern größter Beliebtheit — das erste PS-Wochenende 2019/2020 brachte viel Neues, aber auch einige alte Problemherde mit sich.

Vorrang Silber: Vom Siegerpodest lächelten zwar die Briten Sam Bird (Virgin) und Alexander Sims (BMW), doch in Sachen restliche Podestplätze unter den Rennställen hieß es „Vorteil deutsche Autobauer". BMW jubelte am Samstag über den Sieg, Porsche schnappte sich beim Debüt Rang zwei und am lautesten wurde bei Mercedes gejubelt: Die Silberpfeile, die wie Porsche in Riad ihre ersten zwei Rennen absolvierten, fuhren gleich zweimal auf den dritten Platz und liegen in der Gesamtwertung (38 Punkte) bereits in Front. Zustände wie in der Formel 1, könnte man sagen. „Ich bin wahnsinnig stolz auf unser Team", sprudelte es aus Teamchef Ian James heraus. „Wir werden nicht aufhören und weiter dranbleiben."

The sound of silence: „Wir wissen noch nicht so richtig, was die Formel E ist", hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einmal gesagt. Sport oder Event? Diese Frage kann man auch nach dem Start der sechsten Saison noch nicht beantworten. Fehlende Soundkulisse, künstliche Spannungselemente wie der Attack Mode (mehr Leistung für begrenzten Zeitraum) oder fehlende Aushängeschilder auf Seiten der Piloten — das sind Dinge, mit denen der Motorsport-Hardcore-Fan wenig anfangen kann. Dafür sind die Vor-Ort-Zuschauer begeistert, wenn 24 Boliden um den Platz an der Sonne kämpfen.

Für eine Handvoll Kleingeld: Das große Plus der elektrifizierten PS-Klasse ist aber nicht nur die große Anzahl an Autoherstellern (u. a. Audi, BMW, Mercedes, Nissan, Jaguar oder Porsche), sondern auch die überschaubaren Kosten. In puncto Gesamtkosten für die Rennautos bleibt man unter einer Million Euro. Und geht es nach den Teilnehmern, will man das so belassen, damit es zu keinem Wettrüsten kommt. Die (noch) kleine elektrifizierte Serie kann zudem schnelle Regelentscheidungen treffen. Für den Wiener Wolff eine Wohltat: „In der Formel 1 haben wir Verantwortung für das Vermächtnis der Serie. Wir haben zwei Milliarden Zuschauer pro Jahr und deshalb können Entscheidungen nicht so spontan getroffen werden wie in solch einem Start-up." Die Michelin-Reifen überstehen einen gesamten Renntag und punkten bei der Nachhaltigkeit.

Formel E in Zahlen

Fahrer-Gesamtwertung:

1. Sims (GBR, BMW) 35 Punkte

2. Vandoorne (BEL, Mercedes) 30

3. Bird (GBR, Virgin) 26

Team-Wertung:

1. Mercedes 38 Punkte

2. Virgin 36

3. BMW 35

Kalender:

Chile (1 Rennen) 18. Jänner 2020

Mexiko (1) 15. Februar

Marokko (1) 29. Februar

China (1) 21. März

Italien, Rom (1) 4. April

Frankreich, Paris (1) 18. April

Süd-Korea (1) 3. Mai

Indonesien (1) 6. Juni

Deutschland, Berlin (1) 21. Juni

USA, New York 11. Juli

England, London (2) 25./26. Juli


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