Peter Kogler und Oswald Oberhuber: Invasion der schwarzen Ameisen

Statt Stillstand kreativer Aufbruch: Pas de deux von Peter Kogler und Oswald Oberhuber in der musealen Artbox.

Florian Waldvogel ließ die museale Artbox mit einer Arbeit von Peter Kogler tapezieren und mit der „Röhrenplastik“ Oberhubers möblieren.
© schlocker

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Dass das Ferdinandeum dringend umgebaut werden muss, bezweifelt inzwischen wohl niemand mehr. Ob sich diese Metamorphose allerdings bis zum 200. Geburtstag des Museums 2023 ausgehen wird, wird zunehmend unwahrscheinlicher, ist doch etwa von der Ausschreibung eines baukünstlerischen Wettbewerbs noch keine Rede.

Das in den vergangenen Monaten durch drei Kuratoren erneuerte museale Team ortet in dieser ungewissen Situatio­n allerdings eine Chance. Denn anstatt Stillstand bis zu einer während eines Umbaus notwendig werdenden Schließung des Hauses eintreten zu lassen, beginnt etwa Florian Waldvogel, der neue Kurator für die Kunst nach 1900, seinen Bereich kreativ umzukrempeln.

In einem überraschenden ersten Schritt hat der für die Moderne zuständige Kurator die bisher im obersten Geschoß präsentierte Kunst von heut­e vollkommen abgeräumt – und damit Platz geschaffen für eine Aula für diverse Veranstaltungen. In einen Spielplatz für die Moderne hat Waldvogel dagegen die bisher mit Wechselausstellungen bespielte Artbox verwandelt. In der zukünftig alle vier Monate eine oder zwei markante künstlerische Positionen ausgebreitet werden sollen. Den Anfang machen Peter Kogler und Oswald Oberhuber, zwei von ihrem Alter und ihrer künstlerischen Prägung her komplett unterschiedliche Künstler, die trotzdem perfekt harmonieren. Auf Kogler fiel die Wahl aber nicht zuletzt, um dessen 60. Geburtstag in seiner Heimatstadt nicht sang- und klanglos vorüberziehen zu lassen.

Weshalb die Artbox mit jener Tapete tapeziert wurde, mit der Kogler 1992 bei der Kasseler documenta für Aufsehen gesorgt hat. Um wie dort nun ein Heer schwarzer Ameisen die Wände der 25 x 8 Quadratmeter großen Artbox durchkrabbeln zu lassen. Was ganz wunderbar mit Oberhubers 1971 entstandener, aus Installationsmaterial gebauter „Röhrenplastik“ korrespondiert. Die nach ihrer Aufstellung in der Innsbrucker Chirurgie in den frühen 1970er-Jahren zu einem veritablen Kunstskandal geführt hat. Was sehr bald zu ihrer Demontage und Fast-Zerstörung führen sollte, bevor sie für Jahrzehnte im musealen Depot verschwunden ist. Nun ist sie, erstmals seit der großen Oberhuber-Retrospektive 2003 im Ferdinandeum, wieder in Tirol zu sehen.

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Nachdem Peter Scholz bereits vor einigen Monaten die musealen Sammlungen von Gotik und Renaissance fabelhaft neu konzipiert hat, stellt Waldvogel nun Highlights der Wiener und Münchner Sezession bzw. Beispiele Tiroler Kunst vor und nach 1945 ebenso schön wie klug gegenüber, bevor man in einen fast dunklen Raum eintaucht, in dem allein das 1898 von Albin Egger-Lienz gemalte monumentale Historiengemälde „Das Kreuz“ hängt. Mit der kompletten, durch Grafik stimmig ergänzten Neuaufstellung der musealen „Niederländergalerie“ soll es Mitte Jänner so weit sein.


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