Zukunft der Hahnenkamm-Seilbahnen: „Heute muss Tacheles geredet werden“

Die Nachricht, dass der Liftbetrieb am Hahnenkamm sofort eingestellt wird, lässt im Talkessel Reutte die Wogen gerade hochgehen. Heute treffen sich die Konfliktparteien zum Gespräch am runden Tisch.

Die Nachricht, dass der Liftbetrieb am Hahnenkamm sofort eingestellt wird, lässt im Talkessel Reutte die Wogen gerade hochgehen. Heute treffen sich die Konfliktparteien zum Gespräch am runden Tisch.
© Paschinger

Von Simone Tschol

Höfen –Das Gesprächsklima zwischen der Gemeinde Höfen und dem Betreiber der Reuttener Seilbahnen, Peter Gerber, ist schon lange unterkühlt. Am Donnerstag erreichte der Konflikt aber seinen Höhepunkt. Gerber kündigte um 16.30 Uhr in einem mehrseitigen offenen Brief auf der Homepage der Reuttener Seilbahnen an, den Liftbetrieb am Hahnenkamm in Höfen sofort einzustellen (die TT berichtete).

Seither geht es am Gemeindeamt in Höfen rund. „Im Moment läuft bei uns alles heiß. Die Telefone stehen nicht mehr still und es trudeln jede Menge Mails ein“, kommentiert Bürgermeister Vinzenz Knapp die Situation.

Trotz fehlender Gesprächsbasis kommt die Ankündigung Gerbers für ihn überraschend. „Das war so nicht zu erwarten. Die Kollaudierung, also die behördliche Abnahme der Beschneiungsanlagen, ist in das Ganze hineingeplatzt“, sagt der Gemeindechef. Mit „das Ganze“ meint Knapp eine laufende Feststellungsklage, die im November vom Gemeinderat einstimmig beschlossen wurde und welche Gerber die Benützung der im Eigentum der Gemeindeguts- agrar befindlichen Pisten untersagt.

Wie Gerber in seinem Schrei­ben erklärt, habe sich „Bürgermeister Knapp, als Vertreter des größten Grundbesitzers am Hahnenkamm, als Einziger gegen die wasserrechtliche Wiederverleihung der Beschneiungsanlage und gegen die naturschutzrechtliche Bewilligung der Anlagen ausgesprochen“.

Knapp verweist darauf, dass er nicht gegen das Wasserrecht gestimmt habe, weil es keine Abstimmung gab: „Wir haben lediglich bei der Verhandlung deponiert, dass diese andere Klage im Hintergrund läuft. Das müssen wir. Sonst wird die Agrar im Zivilrechtsverfahren zu Recht gefragt, was man jetzt eigentlich will. Wir können nicht die Überfahrt untersagen, aber die Beschneiung erlauben. Das macht doch keinen Sinn.“

Eine verzwickte Situation. Liftbetreiber Gerber sieht den Bürgermeister und den gesamten Gemeinderat klar in der Pflicht. Knapp wollte gestern nicht darüber orakeln, wie es weitergehen wird.

Einer, der in der Sache Nägel mit Köpfen machen will, ist Planungsverbandsobmann Wolfgang Winkler. Der Ehenbichler Bürgermeister steht auch mit dem Land in engem Kontakt. „Wir haben uns bemüht, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen und über einen Lösungsvorschlag zu diskutieren, den wir dort präsentieren werden.“ Der runde Tisch soll heute Samstag über die Bühne gehen. Wie die mögliche Lösung im Detail aussehen soll, dazu will Winkler sich nicht äußern, nur so viel: „Wenn alle an einem Tisch sitzen, muss Tacheles geredet werden. Die Gemeinden des Planungsverbandes haben bereits im Jahr 2009 den Skibetrieb am Hahnenkamm gerettet und mit 5,8 Millionen Euro wesentlich zum Fortbetrieb der Seilbahn beigetragen. Beim Eigentümerwechsel hat uns keiner ins Boot geholt und jetzt stehen wir vor dem gleichen Dilemma.“ Bürgermeister Knapp habe die Kollegen über alle Hintergründe seines Handelns informiert. Winkler verweist auch auf die zwischen der Grundeigentümerin und dem Seilbahnbetreiber bestehenden Verträge: „Letztlich müssen alle Rechtsfragen umfassend geklärt werden.“ Winkler hofft, dass der runde Tisch eine Lösung bringen wird. „Die Zeit drängt. Die Skisaison steht vor der Tür und wir brauchen andererseits auch nicht über eine Verkehrsproblematik auf der B179 diskutieren, wenn dann jeder Reuttener zum Skifahren nach Bichlbach fahren muss“, so Winkler abschließend.

Auch TVB-Obmann Hermann Ruepp bereiten die jüngsten Geschehnisse Sorgen: „Wir bedauern sehr, was da passiert, aber wir haben keinerlei Einfluss darauf.“


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