Drei Almen und ein Marchkopf

Ob Pisten- oder Geländetour – in Hochfügen findet man beides. Deshalb ging es diese Woche ins Zillertal – auf den 2499 Meter hohen Marchkopf.

Der finale Anstieg zum Gipfelkreuz auf der Südseite ist ziemlich steil und erfordert sichere Verhältnisse.
© flex

Hochfügen –„Skitourengeher sind im Skigebiet Hochfügen gern gesehene Gäste“, erklärt der Geschäftsführer der Bergbahnen, Helmuth Grünbacher, selbst begeisterter Tourengeher. „Aber an die Spielregeln muss und soll sich jeder halten“, fügt der 41-Jährige hinzu. Die Benützung der Pisten ist zwar gratis, fürs Parken wird allerdings eine Gebühr von fünf Euro eingehoben. Ein Unkostenbeitrag, der der Infrastruktur (z. B. Toi­lettenbenützung etc.) zugutekommt. Diese Woche haben wir das Skigebiet Hochfügen besucht. Im Gegensatz zu vielen Pisten-Tourengehern, die zu Hunderten in Richtung Pfaffenbichl stürmten, ging es für uns ins Gelände: Hinauf auf den Marchkopf (2499 Meter), einem echten Klassiker mit rund 100 Höhenmetern im Aufstieg.

So kommt man hin: Wir starten die Tour beim Parkplatz der Bergbahnen Hochfügen. In südlicher Richtung, unter der Gondelbahn durch, folgen wir der Rodelbahn hinein bis zur Pfundsalm. Leicht ansteigend, 1,5 Kilometer und mit einem Höhengewinn von 150 Metern. Übrigens: Die abgesicherte Rodelbahn befindet sich in ausgezeichnetem Zustand. Wer also keine Lust auf eine Skitour hat – Rodeln geht auf dieser Bahn momentan richtig gut. Zum Rodeln kommen wir aber ein anderes Mal, heute sind wir mit den Tourenski unterwegs.

Hochfügen sieht man noch, die Pfundsalm auch.
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Zwischen den Hütten der Pfundsalm durch geht’s noch ein Stück und fast flach ins Finsingtal hinein, ehe wir nach links abzweigen. Leicht bergab, über eine Brücke drüber bis zu einem gelben Hinweisschild. „Marchkopf – Kraxentrager“. Ja, auch in Hochfügen gibt es einen Kraxentrager. Aber nicht mit jenem in Valsertal zu verwechseln. Diesem Wegweiser folgen wir und jetzt geht’s endlich stei- ler bergauf. Unser nächstes Etappenziel? Die Viertelalm – und zwar zuerst der Nieder-, etwas weiter oben der Hochleger: 1750 bzw. 2020 Meter. Dort hinauf führt ein Wirtschaftsweg. Das heißt, wer es etwas bequemer will, bleibt am besten auf diesem Zubringer. Fast immer aber führt im Gelände eine Zickzack-Spur hinauf zu den beiden Almen. Dieser Anstieg ist zwar steiler und man muss die Spitzkehrentechnik beherrschen, dafür erspart man sich ein bisschen Zeit.

Vom Gelände her ist die Tour auf den Marchkopf oder den Kraxentrager etwa mit Touren in der Wattener Li­zum (z. B. Grafennsspitze) zu vergleichen. Vorbei am Niederleger erreichen wir hoch über dem Finsingtal bald den Hochleger. Der Blick zurück ins Tal lässt schon erahnen, dass man sich hier normalerweise in richtig lässigem Skigelände befindet. Noch sollte bei der Abfahrt aber mit leicht angezogener Handbremse gefahren werden, denn ein bisschen mehr Schnee würde es im freien Gelände gut und gerne noch vertragen. So ehrlich muss man sein. Insbesondere an den Kuppen und Kanten hat der Wind (Südföhn) nämlich doch gute Arbeit geleistet.

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Ab dem Hochleger, wo wir kurz eine Trinkpause einlegen, wird es kurz etwas steiler. In östlicher Richtung steigen wir weiter hinauf. Mit ein bisschen Orientierungssinn kann man steilere Stufen aber auch gekonnt und in leichterem und kupiertem Gelände gut umgehen.

Der Schilderbaum zeigt den Weg zum Marchkopf.
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Ob die Entscheidung heute für diese Tour die richtige war? Was die Menschenmassen betrifft – ja. Mehr als sechs Gleichgesinnte, inklusive uns, sind nicht unterwegs. Leider bläst aber ein ziemlicher Föhnsturm und der wird später am Grat noch stärker. Na ja, Tuxer Alpen und Föhnbedingungen sind eigentlich keine gute Kombination. Das ist uns zwar bewusst, aber die Intensität hat uns doch ein wenig überrascht.

Unterhalb des Grates führt der Anstieg nach rechts zum Kraxentrager, nach links zum Marchkopf. Wir steigen also bis hinauf auf den ziemlich abgeblasenen Grat und folgen diesem hinüber bis zu einer Felsnase. Dort queren wir auf die Südseite des Kam- mes. Vorsicht: Bei heikler Lawinensituation ist diese sehr steile Querung tückisch und nicht immer machbar. Von der Südseite aus ist das Gipfelkreuz bereits gut sichtbar und man steht eigentlich recht schnell am höchsten Punkt.

Das Einzige, was heute am Gipfel zählt, ist eine Windjacke und eine Sturmhaube. Ein schnelles Foto muss aber sein, bevor es so schnell wie möglich wieder zurück in Richtung Hochfügen geht. Für die Abfahrt wählen wir die Route entlang und unweit der Aufstiegsspuren. Dort ist die Schneelage am besten.

Bei mehr Schnee ist die Abfahrt vom Marchkopf zurück nach Hochfügen jedoch ein Leckerbissen und man kann wirklich traumhaftes Skigelände genießen. Fazit: Die Tour auf den Marchkopf ist zwar machbar, ein makelloses Abfahrtsvergnügen darf man sich aber noch nicht erwarten.

Wer allerdings einen Ausflug nach Hochfügen plant, findet mit der Pistentour und dem Anstieg auf den Pfaffenbichl eine gute und schneesichere Alternative vor. Und rodeln lässt es sich in Hochfügen ja auch bestens. Und noch was: Immer freitags gibt es in Hochfügen einen Tourengeher-Abend. (flex)


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