Landesweite Streiks in Frankreich: Worauf Reisende achten sollten

Gebannt hat Frankreich auf diesen Tag gewartet: Zehntausende wollen ihre Arbeit niederlegen und bei einem großem branchenübergreifenden Streik gegen Macrons Rentenreform protestieren. Einige glauben, der Aufstand könnte historische Dimensionen annehmen.

Wegen Streiks bei der staatlichen Bahngesellschaft SNCF und der Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP kommt es in Frankreich zu massiven Verkehrsbehinderungen.
© AFP

Paris — In Frankreich hat der Generalstreik gegen die geplante Pensionsreform von Präsident Emmanuel Macron zu massiven Verkehrsbehinderungen geführt. Neben dem Bahnverkehr waren auch Flugverbindungen betroffen.

Insbesondere im Schienenverkehr dürften die Proteste fortgesetzt werden. „Ich denke, dass diese (Protest-)Bewegung in den kommenden Tagen andauern wird", sagte Verkehrsstaatssekretär Jean-Baptiste Djebbari dem Nachrichtensender BFMTV.

Dem Ausstand bei der Bahn und im Pariser Nahverkehr wollen sich am Donnerstag unter anderem Feuerwehrleute sowie Mitarbeiter von Schulen, Krankenhäusern und der Müllabfuhr anschließen. Es wurde mit den größten Protesten seit Beginn der „Gelbwesten"-Krise vor gut einem Jahr erwartet. Fast 250 Kundgebungen sind angemeldet.

Fahrzeuge in Flammen, Aktivisten blockieren E-Tretroller

Bei den Demonstrationen gegen die geplante Pensionsreform in Frankreich ist es in Paris zu Ausschreitungen gekommen. Fahrzeuge gingen am Donnerstagnachmittag in Flammen auf und Vermummte schlugen Scheiben ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Stimmung während der Großdemonstration in der französischen Hauptstadt war sehr angespannt.

Die große Präsenz der Polizei war deutlich spürbar. Die Beamten gingen gegen vermummte Protestteilnehmer vor und setzten Tränengas ein. Der Demonstrationszug war am frühen Nachmittag am Bahnhof Gare du Nord gestartet.

Randalierer versammelten sich am Nachmittag vor allem auf dem Place de la République im Zentrum der Stadt. Die Polizei nahm bis 15.30 Uhr 31 Menschen fest und kontrollierte mehr als 9000. Auch im westfranzösischen Nantes kam es Berichten zufolge zu Ausschreitungen. Die Behörden rechneten vor allem in der Hauptstadt mit Krawallen; 6000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Aktivisten der Umweltbewegung Extinction Rebellion (XR) in Frankreich machten nach eigenen Angaben im Rahmen der massiven Streiks Tausende Elektro-Tretroller in mehreren französischen Städten fahrunfähig. In Paris sowie in Lyon und Bordeaux seien rund 3600 Tretroller sabotiert worden und nun "außer Betrieb", teilte der französische Ableger der Bewegung am Donnerstag auf Twitter mit.

Von XR veröffentlichte Fotos zeigten Roller, deren QR-Codes übermalt waren und deshalb nach Angaben der Aktivisten nicht mehr gescannt werden konnten. XR wolle damit den Umwelteinfluss von Elektro-Tretrollern anprangern und den Streik gegen die Rentenreform unterstützen, erklärte die Bewegung.

Die Proteste richten sich gegen Macrons Pensionsreform-Pläne. Er will Vorrechte für viele Berufsgruppen abschaffen. Die genauen Pläne sollen Mitte Dezember vorgestellt werden.Das Innenministerium befürchtet Ausschreitungen und hat die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft. Allein in Paris sind rund 6000 Polizisten im Einsatz. (APA/AFP/dpa)

Worauf Reisend angesichts der Streiks in Frankreich achten sollten

Bahnreisen: Die Arbeitsniederlegungen wirken sich nicht nur auf den Nahverkehr vor Ort aus. Die französische Bahngesellschaft SNCF strich am Donnerstag nach eigenen Angaben 90 Prozent der TGV-Schnellzüge, auch die Deutsche Bahn warnte ihre Kunden: "An den Streiktagen finden im Fernverkehr keine Zugfahrten von und nach Frankreich statt." Sie bat Reisende, sich entsprechend auch in den kommenden Tagen online über ihre Verbindungen zu informieren.

Fahrten bis einschließlich Mittwoch kommender Woche können nach Angaben der Bahn kostenfrei auf die gleiche Verbindung an einem anderen Reisetag umgebucht werden. Zudem können sich Kunden ihre Fahrkarten für Reisen nach Frankreich in diesem Zeitraum, die nicht mehr genutzt werden, erstatten lassen. Auch die SNCF-Verkaufsstellen in Frankreich buchen Verbindungen nach Deutschland nach Angaben der Bahn kostenlos um.

Flugreisen: Die Lufthansa konnte die Gesamtzahl der Flugausfälle am Donnerstag vorerst nicht beziffern, allein zwischen Frankfurt und Frankreich wurden demnach aber insgesamt 18 Flüge annulliert. Überflüge, zum Beispiel auf die Iberische Halbinsel, könnten "zwar verkehren, sich aber verspäten". Die Airline versuche, betroffene Kunden "aktiv anzusprechen". Die Lufthansa-Tochter AUA sagte am Vormittag zwei Flüge zwischen Wien und Paris ab, ein weiterer Flug war verspätet.

Flugreisende sollten sich aber in jedem Fall so früh wie möglich selbst informieren. Erster Ansprechpartner ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen ist es der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornieren oder umbuchen: Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Ist ein Ersatzflug erst am kommenden Tag oder später möglich, besteht Anspruch auf Übernachtung im Hotel inklusive Transfers.

Übernachten ja, Entschädigung nein: Ab einer Verspätung von zwei bis vier Stunden je nach Flugstrecke haben Betroffene zusätzlich Anspruch auf Betreuungsleistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere aber immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und Reisende ihn dann verpassen.

Zwar haben Passagiere laut EU-Verordnung bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden auch Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro je nach Flugstrecke - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Als ebensolchen werten die Fluggesellschaften Streiks, eine Ausgleichszahlung gibt es daher nicht. Verbraucherschützer haben an dieser Sichtweise allerdings rechtliche Zweifel.

Autofahrten: Nach Angaben des deutschen Autofahrerclubs ADAC wird es "auf den Autobahnen und Straßen natürlich voller", zusätzlich muss in Frankreich lokal mit einzelnen Straßenblockaden und Wartezeiten gerechnet werden. Auf größere Behinderungen stelle sich der ADAC jedoch nicht ein, hieß es. Er riet Autofahrern aber nach Erfahrungen mit früheren Großkundgebungen in Frankreich, sicherheitshalber "einen großen Bogen um Menschenansammlungen und Demonstrationen zu machen".


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