Sprung mit Tochter vom Balkon: 36-Jährige wird eingewiesen

Bedingte Anstaltseinweisung nach Sprung mit Tochter vom Balkon für eine 36-jährige Tirolerin. Die Schizophrene hatte beim Stillen ihre Medikamente abgesetzt.

Landesgericht Innsbruck.
© TT/Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck — Im Frühjahr hatte sich der psychische Zustand einer Innsbruckerin zusehends verschlechtert. Seit ihrem 18. Lebensjahr befindet sich die Akademikerin in psychiatrischer Behandlung — ab der Geburt ihrer Tochter hatte die 36-Jährige wegen der Hormone Medikamente abgesetzt.

Die Folgen blieben nicht aus — und wurden auch vom Lebensgefährten sowie deren Schwester registriert. Aggressives Verhalten wechselte sich mit Unberechenbarkeit ab, bis hin zu Diskussionen am Balkon ohne Gesprächspartner.

Anfang April hatte die Verhaltensveränderun­g ein Ausmaß angenommen, das Schwester und Lebensgefährten veranlasste, die Psychiaterin der Frau zu konsultieren. Schließlich galt die Sorge nicht nur der 36-Jährigen, sondern auch deren einjähriger Tochter. Der Amtsarzt konnte jedoch keine Gefahr feststellen. Aus Vorsicht übernachtete die Schwester trotzdem mit Mutter und Kind im Bett. Als sie erwachte, blies ein kalter Wind aus dem Wohnzimmer. Über die Balkontüre sah sie ihrer Schwester noch kurz in die Augen. Mit dem Kind im Arm sprang die akut Schizophrene dann vom Balkon, wie gestern Staatsanwältin Nicole Rabl den Anstaltseinweisungsantrag für den Mordversuch einer Unzurechnungsfähigen begründete. Ein aufgeweichter Boden und Sträucher dämpften den Sturz über sechs Stockwerke (21 Meter).

„Ein Riesenglück, dass wir heute im Schwurgerichtssaal sitzen!", konstatierte Verteidiger Markus Abwerzger. Denn Mutter und Kind hatten überlebt — die Einjährige mit Verletzungen ohne bleibende Folgen. Die nunmehr medikamentö­s wieder gut eingestellte Betroffene kann sich an nichts erinnern: „Damals war ich schwer krank. Es tut mir leid, was ich mit meiner Tochter gemacht habe!" Psychiaterin Adelheid Kastner: „Die offensichtliche Schizophrenie der Betroffenen wurde über Jahre falsch behandelt!" Aufgrund der Krankheitseinsicht gestatteten die Geschworenen rechtskräftig eine bedingte Einweisung unter engster ambulanter Betreuung.

Der Notruf 142 der Telefonseelsorge steht Verzweifelten Tag und Nacht zur Verfügun


Schlagworte